,Unternehmen sind selbst die Medien‘
 

,Unternehmen sind selbst die Medien‘

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Interview: Kobza Media Gruppe mit neuem Standbein in der Schnittstelle zwischen PR und Digital Targeting und als Ergänzung zu Advertising: diego5, mit Sandra Thier als Chefin und Gesellschafterin

Rudi Kobza und Sandra Thier gründeten diego5 studios als ein auf Online-Videomarketing, Branded Entertainment und Targeting spezialisiertes Unternehmen (mehr dazu hier).

HORIZONT: diego5 tauchte schon vereinzelt in Credits auf, wieso gehen Sie erst jetzt an die Öffentlichkeit?

Rudi Kobza: Wir haben uns in den letzten sechs Monaten ausführlich vorbereitet, internationale Video-Cases in Deutschland und den USA angesehen und solide unsere Strukturen aufgebaut. Außerdem haben wir schon erste Projekte erfolgreich umgesetzt wie zum Beispiel für das internationale Modelabel Riani. Jetzt war der richtige Zeitpunkt um medial rauszugehen.

HORIZONT: Frau Thier ist Mitge­sellschafterin und Geschäftsführerin. Sie bringt ihre Deutschland Kontakte mit ein. Wo ist der Sitz des Unter­nehmens?

Sandra Thier: Der Hauptsitz ist in Wien. Aber wir haben schon eine kleine Außenstelle in Berlin. Wir wollen für Kunden in Österreich, Deutschland und der Schweiz tätig sein. Wir haben eine funktionierende Infrastruktur, ein durchdachtes Konzept, top ausgebildete Mitarbeiter, Produktions- und Vermarktungsstrukturen. 

HORIZONT: Warum „diego5“?

Kobza: 2005 wurde im Zoo von San Diego das erste Onlinevideo hochgeladen. Seitdem hat Onlinevideo eine enorm rasante Entwicklung genommen, international spricht man sogar von der Video-Explosion. diego5 fasst das alles als Brand und Spezialist für Video kompakt zusammen. 

HORIZONT: Und für Sie, Frau Thier - warum diego5? 

Thier: Ich finde den Namen, die Marke und den Claim super genial. Es trifft genau den Zeitgeist! ­Video-Boom für alle – egal ob für einzelne Personen, Mittelständler oder Großkonzerne. Egal ob online, mobile, social. 

HORIZONT: Ist das ebenso herausfordernd, wie täglich vor einem Millionenpublikum vor der Kamera zu stehen? 

Thier: Ja, absolut, denn ich kann meinen journalistischen Background einbringen. Die beiden Jobs sind inhaltlich verwandt: es geht um emotionales Storytelling, darum, wie ich mein Publikum anspreche und wie ich die Jungen erreiche. Rudi Kobza und ich sind mit unseren Backgrounds, die sich ideal ergänzen, ein unschlagbares Team.

HORIZONT: Warum sind sie aus dem TV ausgestiegen, warum war der Wunsch nach Veränderung so groß?

Thier: Ich arbeite sehr gerne im TV und moderiere aktuell im bayrischen Rundfunk. Nach zwölf Jahren fast täglich am Schirm in einem erfolgreichen News-Format wollte ich mich einfach weiterentwickeln. Die Geschäftsführung bei diego5 studios ist genau der Job, wo ich all mein Wissen einbringen kann und trotzdem dazulerne. Das heißt nicht, dass TV für die Zukunft ausgeschlossen ist. Wer weiß – im besten Fall produziert diego5 mal meine eigene TV-Sendung. 

Kobza: Sandra ist 35 Jahre jung, da ­beginnt erst die wahre unternehme­rische Karriere …

Thier: Genau. Nach dem TV-Break bin ich nach San Francisco geflogen, war in vielen Headquarters des digitalen Ideenreichtums, habe auch Freunde bei diesen großen Firmen getroffen. Wenn man sieht, dass dort alles für Mobile und Tablet gemacht wird, stellt man sich Frage: Bleibe ich weitere zehn Jahre in dieser alten TV-Welt und werde dann irgendwann in einer Schublade versteckt? Die Kommunikationsbranche ist im Umbruch, wird immer schnelllebiger. Was bietet man also an? Unser Weg war, diego5 zu gründen. Ich bin Gesellschafterin und Geschäftsführerin, produziere, führe Regie, bin bei Bedarf Coach, präsentiere auf Wunsch selbst.

HORIZONT: Den Weg in Richtung ­Bewegtbild schlagen einige Agenturen ein. Wie sehr hat zu diego5 in dieser Form beigetragen, dass Sandra Thier gewissermaßen gerade am Markt war?

Kobza: Das Feld ist in Österreich ist bis dato nicht besetzt. International machen es manche große PR-Agenturen wie fischerAppelt in Deutschland oder Walt Disney mit den Maker Studios vor, wie es gehen kann. Das Thema war daher seit letztem Jahr bei uns in der Gruppe ein Thema und ist in Folge zwischen mir und Sandra Thier konkretisiert worden. Es war uns beiden schnell klar, dass das Video-Segment zu dynamisch ist und zu viel Potenzial hat, um es nur nebenbei zu machen. Daher haben wir diego5 von Start weg umfassend angelegt: mit acht Mitarbeitern für Konzeption, Kamera, Channel Management, Cutter und so weiter, also eigene Produktionsressourcen mit Equipment bis hin zu ­einer engen Kooperation mit Talenten der Kobza-Media Gruppe, etwa für ­Digital Marketing und Targeting. Dazu kommen weitere zehn bis 15 freie ­Videogestalter im deutschsprachigen Raum sowie speziell gecastete YouTube Creators, die für unsere Kunden zur Verfügung stehen.

HORIZONT: Wie wichtig ist und wird Bewegtbild in der Kommunikation?

Thier: Dass der Umbruch voll im Gang ist, weiß jeder. Die Frage ist, wie man da durchkommt, YouTube ist das neue MTV. Ich komme ja aus dem Nachrichtengeschäft, und allein wie dieses sich verändert hat: Früher hat man um 20 Uhr Tagesschau geschaut. Warum soll man heute bis abends warten, wenn man alles schon vorher online hat? Dieses Verhalten wird sich noch dramatischer ändern als bisher. Dazu hat jeder ein Smartphone, jeder kann Reporter werden, der, wenn er Augenzeuge eines Flugzeugabsturzes ist, sein Video weltweit verkaufen kann. Ein anderes Beispiel, bei der Fukushima-Katastrophe: Da habe ich für meine Sendung mit ­einem deutschen Studenten in Japan geskypt. Das alles hat mich geprägt, ich habe meine Schlüsse gezogen.

Kobza: Es gibt traditionell starke ­Medien in Österreich und auch TV wird weiter stark bleiben. Durch die digitalen Kanäle vor allem im Social-Media-Bereich ist beim Bewegtbild nun exaktes Targeting dazugekommen. Es ist dadurch die spannendste Zeit für Kommunikatoren oder Werber überhaupt. Man muss nicht auf jede Welle aufspringen, aber wenn ­allein pro Minute 300 Stunden Videos auf YouTube hochgeladen werden und in Österreich 77 Prozent der YouTube-User über 25 sind, bedeutet das zum Beispiel, dass es nicht nur die ganz Jungen anspricht. Jeder Tag bietet dadurch komplett neue Chancen.

HORIZONT: Welche Kunden, und welche aus der Kobza Media Gruppe, wird diego5 ansprechen?

Kobza: „Welche nicht?“, sollte eher die Frage heißen. Ein Unternehmen, das sich nicht mit der filmischen Aufarbeitung seiner Themen auseinandersetzt, verschläft den „Paradigmenwechsel“, wie es AdAge letzte Woche genannt hat. Bewegtbild war und wird immer das kräftigste Medium sein, alle Sinne ansprechen. Zwei oder drei Minuten lange Clips haben die Kraft, Inhalte auf extrem simple und ­direkte Art zu vermitteln. Dem folgend ist der Bedarf der Kunden nach filmischem Content extrem groß. Um es mit den Worten von ­diego5 zu sagen: „If you have something to say … film it.“ 

Thier: Jeder Kunde, jeder Mensch kann einen Fachkanal erstellen, und die Unternehmen sind selbst die Medien. Es gibt kaum Produktionskosten und Verbreitungskosten im Vergleich zur alten Medienwelt. Natürlich muss viel zusammenspielen, Konzeption Strategie, Themen. Das aufzubereiten und zu verbreiten ist eher die Frage des richtigen Denkens und Machens als des Viel-Zahlens, wir reden da von ein paar Tausend Euro. Mit 50.000 Usern am YouTube-Kanal, ­Facebook und eigener Website bin ich sehr nah am Konsumenten, kann gezielt eine relevante Botschaft in die richtige Zielgruppe ausspielen. ­diego5 ist ein professionelles Unternehmen, aber unkompliziert: Man kann bei uns anrufen und etwa sagen, dass man mit Frau Thier arbeiten will, da sind keine monatelangen Vorbereitungen nötig.
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