Ultra-HD kommt langsam an
 
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Immer mehr heimische Haushalte leisten sich ein UHD-fähiges TV-Gerät. Die Sender versuchen diesem Trend nachzukommen. Ein schleichender Prozess.

Dieser Artikel ist bereits in der HORIZONT-Ausgabe 33-34/2018 erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken.

Spätestens zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland ist die Elektronik-Branche österreichweit auf den UHD-Zug aufgesprungen. Das Sportereignis wurde genützt, um den Absatz von 4K-fähigen Geräten ordentlich anzukurbeln. Auch auf Seiten der Sender hat sich hier schon ein wenig getan: Im Rahmen eines Innovationsprojekts der ORF-Technik zur Fußball-WM 2018 hat der ORF Live-Übertragungen in UHD-Qualität angeboten. Über die ORF-TVthek-App auf UHD-fähigen Smart-TVs, auf UHD-fähigen Boxen und Sticks und via Web war es möglich, die Live-TV-Spiele der Fußball-WM in UHD-Qualität zu sehen. Pay-TV-Sender Sky hat das Eröffnungsspiel der österreichischen Bundesliga zwischen Austria Wien und Wacker Innsbruck ebenfalls in 4K-Qualität im Programm gehabt. Doch wie sieht das Potenzial in Österreich diesbezüglich eigentlich aus? HORIZONT ist dieser Frage nachgegangen.

Hinter den Erwartungen
„Während HDTV inzwischen ein fester Bestandteil in österreichischen Haushalten ist, liegt UHD noch etwas hinter den Erwartungen zurück“, sagt Peter Kail, Managing Director der Eviso Austria GmbH, auf Anfrage von HORIZONT. „Aber die Anzahl der verkauften UHD-Geräte wächst jedes Jahr stärker. Im Gesamtjahr 2016 belief sich der Anteil der verkauften TV-Geräte mit UHD-Auflösung laut GfK auf rund 29 Prozent und in 2017 auf rund 44 Prozent.“ Zum Vergleich: Rund 55 Prozent aller bisher in 2018 in Österreich verkauften Fernseher waren Ultra-HD-Geräte. Bei größeren Geräten ist der Anteil bereits nahezu 100 Prozent. Das heißt: Der Absatzanteil an UHD-Geräten in Österreich steigt rasant. Kail ergänzt: „Punkto Haushaltsausstattung besaßen Ende 2016 rund 13 Prozent der österreichischen Haushalte ein UHD-Gerät, in Deutschland waren es acht Prozent und in der Schweiz 17 Prozent.“ Der ORF schätzt auf Anfrage von HORIZONT die aktuelle Lage zum Thema UHD ebenfalls zurückhaltend ein: Wie bei der HD-Einführung werde es „auch bei UHD noch einige Zeit dauern, bis fixierte Standards für die UHD-Ausstrahlung und für UHD-TV-Geräte vorliegen und auch ausreichend UHD-Content zur Verfügung steht. Erst dann kann eine für die Konsumenten sinnvolle durchgehende UHD-Ausstrahlung angedacht werden.“

Obwohl die UHD-Einführung etwas langsamer als erwartet verläuft, schneidet Europa hinsichtlich tatsächlicher UHD-Bereitstellungen im globalen Vergleich besser ab als andere Regionen. Kail: „Fast die Hälfte aller eingeführten UHD-Dienste sind europäische Initiativen, während Asien-Pazifik einen Anteil von 31 Prozent und Nordamerika nur 20 Prozent hält.“

Nachfrage steigt weiter
Die Nachfrage nach UHD-Geräten wird jedenfalls weiter steigen, „laut einer aktuellen deutschen Studie ist der Wunsch nach UHD-Bildauflösung heuer erstmals der wichtigste Kaufgrund für ein neues TV-Gerät“, meint Kail. Auch das IHS erwartet aktuellen Berechnungen zufolge einen weltweiten Absatzanstieg von aktuell 77,96 Mio. verkauften Geräten mit UHD auf 120,96 Millionen Geräte im Jahr 2020. Bis Ende 2021 werden bereits 45 Prozent der Haushalte in Österreich und Deutschland laut Mediareports-Studie über UHD-TV-Geräte verfügen.

Die Sender sind daher bemüht, mehr und mehr UHD-Content zu liefern. Ziel des ORF-Innovationsprojektes zur WM war es daher, praktische Erfahrungen mit der Verarbeitung und Verbreitung der neuen Technologie zu gewinnen. „Die internen Ergebnisse wie auch das Feedback des Publikums waren dabei sehr positiv. Der ORF wird das UHD-Projekt weiterverfolgen und so etwa punktuell in der TVThek UHD-Inhalte anbieten“, heißt es vom ORF.

Nativer UHD-Content gesucht
Die Verfügbarkeit von nativem UHD-Content abseits von Filmen und großen TV-Events ist aktuell noch eine Herausforderung, was sich aber in naher Zukunft ändern wird. Die Kameras sind in der Regel bereits UHD-fähig, aber die ganzen Produktionsabläufe erfolgen noch in HD. „Eine UHD-Produktion ist um bis zu 30 Prozent teurer als eine Full-HD-Produktion. Aufgrund des hohen Kostendrucks und des stagnierenden Werbemarkts investieren öffentlich-rechtliche und private Senderanstalten noch relativ wenig in UHD-Inhalte. Die meisten UHD-Kanäle werden von Pay-TV-Betreibern gestartet“, so Kail. UHD-Content werde jedenfalls sehr positiv angenommen. „Wir sehen, dass unser erster Ultra-HD-Sender Insight TV sehr gut von unseren Kunden angenommen wird. Das ist auch nicht verwunderlich, Insight TV ist der weltweit größte Produzent von Action, Abenteuern und Extremsport in 4K-/UHD-Auflösung“, so Kail.

Wie ressourcenintensiv eine UHD-Übertragung ist, zeigt das Beispiel der Sky-Übertragung von Austria gegen Wacker Innsbruck: 85 Personen waren an der Produktion beteiligt, sieben UHD-Kameras waren neben acht weiteren HD-Kameras im Einsatz. Vier verschiedene Dienstleister wurden dabei beauftragt, es gab einen Zwei-Schicht-Betrieb von 9:00 bis 24:00 Uhr. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die technische Frage der Signal-Übermittlung. Kail: „Das ist in vielen Fällen noch eine Herausforderung. Für Live-Übertragungen kommt derzeit praktisch nur SAT in Frage, da die für UHD benötigte Bandbreite von konstant über 20 Mbit/s nur in sehr wenigen österreichischen Haushalten auf anderem Weg gegeben ist.“ Bei non-linearen Inhalten sei UHD via OTT eher möglich, da Schwankungen in der tatsächlich verfügbaren Bandbreite ausgeglichen werden können.

Wachstumsmarkt UHD?
Aufgrund der immer größer und günstiger werdenden UHD-TV-Geräte ist die Zielgruppe sehr breit und kennt so gut wie kein Alterslimit nach oben. Umso größer der Bildschirm, desto wichtiger ist es, diesen auch mit dem bestmöglichen Signal zu bespielen. „Was die Inhalte angeht, machen sich die Vorzüge von UHD natürlich besonders bei Sportübertragungen und hochwertig produzierten Filmen und Dokumentationen bemerkbar“, erklärt Kail.

Die Bereitstellung von UHD-Inhalten stellt für unabhängige TV-Plattformen wie HD Austria jedenfalls eine weitere Wachstumschance dar. „Denn gerade in einem kleinen Markt wie Österreich sind die Kosten für UHD-Übertragungen nicht alleine durch Werbeeinnahmen refinanzierbar. Gleichzeitig sind Konsumenten heutzutage bereit, für besseren Content, bessere Qualität und zusätzliche Services einen fairen Beitrag zu bezahlen“, skizziert Kail den aktuellen Spannungsbogen.

[Michael Fiala]

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