Uber: Taxibranche bereitet Klagen vor
 

Uber: Taxibranche bereitet Klagen vor

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Dem gehypten Milliarden-Start-up aus den USA schwebt eine große Carsharing-Zukunft für Österreich vor. Dabei manövriert man sich aber in eine Position, in der man sich mit Protesten und Rechtsproblemen herumschlagen muss

Das Silicon Valley und Europa krachen wieder einmal zusammen. Die Kontrahenten diesmal: Das Start-up Uber, eine Vermittlungs-App zwischen Fahrgelegenheiten und Fahrgästen, und die österreichische Taxibranche. In Wien ist die Firma aus San Francisco vergangenen Februar gestartet (HORIZONT berichtete exklusiv), hat für viel Presseecho und großes Interesse bei Smartphone-Nutzern gesorgt – und sieht sich jetzt mit zahlreichen Gegnern am lokalen Markt konfrontiert. Taxifahrer protestierten gegen Uber diese Woche ­sogar auf der Mariahilfer Straße. Die Wiener Taxiinnung bereitet derweil eine Klage gegen Uber vor, wie Obmann Christian Gerzabek zum HORIZONT sagt – derzeit gehe es um „Beweissicherung“. Der Vorwurf: „Uber macht mit Mietwägen Taxigeschäfte.“

"Uber umgeht Gesetze"

Denn derzeit bietet das in Wien von Geschäftsführer Johannes Wesemann geleitete Start-up zwei Services an: Bei „UberBlack“ kann sich der Fahrgast per App eine Limousine bestellen, die von entsprechenden Chauffeurdiensten gestellt werden, die sich mit Uber den Fahrpreis teilen. Und per „UberX“ gibt es günstigere Fahrten, die von Miet­wagenbetreibern abgewickelt werden. Beides ist laut Gerzabek rechtswidrig. „Uber umgeht mit den neuen techno­logischen Möglichkeiten die Gesetze“, sagt er. Denn Uber würde die Bestimmungen, die für herkömmliche Taxis gelten, einfach ignorieren. So würden die Fahrer keine Taxiprüfung ablegen müssen, es gebe keine geeichten Taxameter in den Wägen (bei Uber errechnet die App den Fahrpreis auf Basis von Zeit und Distanz) und behördliche Überprüfungen gebe es auch nicht. ­

Zudem breche man die Regeln, die für Mietwägen gelten. Sie besagen in Öster­reich, dass ein Mietwagen wieder zum Standort des Betreibers zurückkehren muss, bevor dieser eine neue Fahrt annehmen darf. Bei Uber aber kommen über die App, die der Fahrer auf seinem Smartphone installiert hat, auch unterwegs Aufträge herein, die er annehmen kann.

FPÖ und SPÖ üben heftige Kritik

Auch die Politik hat sich auf den ­Internetdienst eingeschossen, der als Vermittler auftritt und etwa 20 Prozent des Fahrpreises kassiert, aber keine ­eigene Flotte betreibt. Als „existenzbedrohende Konkurrenz für die Wiener Taxler“ bezeichnete etwa FPÖ-Verkehrssprecher Toni Mahdalik Uber, weil sich ein enormer Kosten­vorteil ergebe, da Steuern, Sozialversicherung und sonstige Abgaben von den privaten Fahrern im Regelfall nicht ­abgeführt würden. Uber wirbt derzeit damit, dass man Fahrten um bis zu 25 Prozent billiger anbieten könne als herkömmliche Taxis. Gökhan Keskin, Vorsitzender der Fachgruppe Taxi- und Mietwagen im Sozialdemokratischen Wirtschaftsverband Wien, meinte außerdem, dass Uber eine Bedrohung für die Fahrgäste darstelle, weil Fahrten und damit auch etwaige Unfälle in einer rechtlichen Grauzone stattfänden.

Kommunikationsoffensive

Im Wiener Uber-Büro im ersten Bezirk mit direktem Zugang von der Straße („wegen der Fahrer, die oft vorbei­kommen“) wappnet sich Johannes ­Wesemann derweil gegen die Kritik, die von allen Seiten auf ihn einprasselt. „Ich will dieses System, diesen über­regulierten Markt, der seit Jahrzehnten keinen Wettbwerb kennt, aufbrechen“, sagt er im HORIZONT-Gespräch. Das Problem seien nicht die Taxifahrer, sondern die Innungen, die gegen ­Veränderungen mauern würden. Er will deswegen jetzt eine Kommuni­kationsoffensive starten, um die Öffentlichkeit von den Vorteilen seines Services zu überzeugen. Bis dato hätte man fünfstellige Registrierungen verzeichnet, etwa 50 Prozent dieser User würden auch regelmäßig mit Uber ­fahren.

Wesemanns Strategie: „Wir wollen die Wiener Taxler an Bord holen. Es gibt viele Taxifahrer, die ohne Funk  fahren. Diese können eine neue Zielgruppe erreichen: Leute, die ihr Leben per Smartphone abwickeln.“

Große Pläne für Österreich

Dass Uber sich mit den Innungen in die Haare kriegt, ist aus deren Sicht verständlich: Die App ersetzt für Fahrer und Fahrgäste die Funkzentrale und kann in dieser Vermittlerrolle gutes Geld mit viel weniger Personal ver­dienen, da die Technologie vieles ­automatisiert übernehmen kann. Dass Uber ein Jobkiller ist, will man aber nicht so stehen lassen. Laut dem Gründer der Firma, Travis Kalanick, würde man pro Monat weltweit (Uber ist bereits in mehr als 180 Städten vertreten) 50.000 neue Fahrer registrieren.

Dass sich Uber mit lokalen Widrigkeiten nicht aufhalten möchte und große Pläne verfolgt, sieht man am ­Beispiel Deutschland: Dort hat ein Gericht per einstweiliger Verfügung den Service „UberPop“ verboten, bei dem Privatleute ihr eigenes Auto zum Taxi­ersatz machen und Geld verdienen können. Das Start-up lässt aber weiterfahren und nimmt etwaige Geldstrafen von bis zu 250.000 Euro pro Fahrt in Kauf. Die Kriegskassen sind ohnehin gut gefüllt: Uber hat von Risikokapitalgebern im Sommer eine Finanzspritze von 1,2 Milliarden Dollar bei einer Unternehmensbewertung von 18,2 Milliarden Dollar erhalten – unter anderem von Google.

Herausforderung Transport

Die US-Firma sieht sich als Inno­vator, der hilft, Zukunftsprobleme im Verkehr zu meistern. Wesemann: „Wien gehört zu den am schnellsten wachsenden Städten Europas, und die Herausforderung ist klar: Wien muss autoleerer werden.“ Carsharing-Dienste könnten dazu beitragen. Auch in ­ländlichen Regionen, wo Menschen nicht immer die beste Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel zur Ver­fügung steht, sieht Wesemann viel ­Potenzial für Privatautos, die per UberPop geteilt werden. Hier gibt es wei­teres Konfliktpotenzial. Innungschef Gerzabek: „Also dass Privatleute Taxifahrer spielen können, das ist einfach undenkbar.“
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