Tiroler Agenturen: Wegbegleiter für die Digi...
 

Tiroler Agenturen: Wegbegleiter für die Digitalisierung

Milan Markovic
Close-up of female hand with painted nails on the keyboard of the laptop.
Close-up of female hand with painted nails on the keyboard of the laptop.

Die digitale Transformation prägt auch die Tiroler Agenturszene. Welche Wege die Branchenvertreter dabei bestreiten – und wie es um Kreativität und Nachwuchs bestellt ist.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 43 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Die Digitalisierung macht auch vor den höchsten Bergen nicht Halt. Auch in Tirol sind Agenturen besonders gefordert, ihre Kunden auf eine Welt voller neuer Möglichkeiten und Risiken vorzubereiten. Florian Bissert, CEO von impalawolfmitbiss, kurz iwmb, bestätigt gegenüber HORIZONT: „Derzeit sind viele Kunden mit der Frage der Digitalisierung beschäftigt, dazu gibt es sehr viel Beratungs- und Aufklärungsbedarf, da die Entwicklung vor keiner Branche halt macht.“ Die Full-Service-Agentur, die derzeit 19 Mitarbeiter an den beiden Standorten Kitzbühel und Innsbruck beschäftigt, zählt damit zu den größeren Agenturen des Bundeslandes. Im Schnitt arbeitet man mit zwei bis drei Mitarbeitern. Deshalb ist nicht nur die Kommunikation an die Kunden, sondern auch die Betreuung der Agenturen selbst auf dem Weg in die digitale Zukunft von erhöhter Wichtigkeit. Thomas Jank, Obmann der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation in Tirol, legt nicht nur Wert auf begleitende Seminarreihen zu den Themen der Branche, es gibt auch Pläne zur Unterstützung bei der kommenden Datenschutz-Grundverordnung – gemeinsam mit den IT-Kollegen. „Das wird etwas sein, wo wir uns mit unseren Kollegen akkordieren und dann gemeinsame Vorträge und Veranstaltungen organisieren“, meint er.

Beratungskompetenz gefragt

Digitalisierung sieht auch Markus Erler, geschäftsführender Gesellschafter und Creative Director der Agentur spectrum, als entscheidendes Thema der Zukunft. Seine Agentur kann auf 33 Jahre Erfahrung zurückschauen und betreut rund 60 Kunden aus Industrie, Gewerbe, Handel, Sport und Dienstleistung in Österreich, Deutschland und Südtirol. Nach personeller Aufstockung und der Gründung eines zweiten Unternehmens namens IECT, das sich mit der Entwicklung eines Start-up-Ökosystems in Tirol beschäftigt, hat man vor einem Jahr einen neuen Standort am Innsbrucker Hofgarten bezogen. „Virtualisierung und Digitalisierung schreiten voran, mehr denn je sichern differenzierende Beratungskompetenz, Umsetzungsqualität und tiefgründiges Markenbewusstsein den Erfolg“, schildert Erler die aktuellen Trends nicht nur des Bundeslandes, das er wirtschaftlich stark vom Tourismus geprägt sieht. „Viele KMU, wenig Industrie. Der Landespreis der Werbung spiegelt das im Ergebnis wider“, meint er. Bissert betont dabei die Wichtigkeit, immer auch die Chancen der Digitalisierung mitzudenken: „Die Agenturen trifft die Digitalisierung auch, daraus ergeben sich auch viele neue Chancen, den Kunden zu beraten“, meint er. Das betreffe zum Beispiel den Bereich Programmatic Advertising.

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Auf einem guten Weg sieht Bissert die Tiroler Werbebranche allgemein. „Man merkt auch zunehmend, dass das Niveau der Arbeiten beim Tirolissimo von Jahr zu Jahr steigt. Das ist gut für die Branche und für werbetreibende Firmen“, resümiert er.

Bleibt die Frage der Ausbildung – immer wieder ein kompliziertes Thema in der Tiroler Agenturlandschaft. So prangert etwa Erler an: „Ausbildung findet vielfach in den Unternehmen statt. Bis heute ist in Tirol keine ernstzunehmende Texter/Konzeptionisten-Ausbildung bekannt.“ Dennoch gehe der Trend in die richtige Richtung, meint iwmb-CEO Bissert: „Die Ausbildung in unserer Branche wird in Tirol zunehmend besser.“ Allerdings schränkt er ein, dass die jungen Kreativen ins Ausland „schwirren“ würden, um ihre erste Berufserfahrung zu machen. „Der Vorteil für uns heimische Agenturen ist es dann, sie zu einem späteren Zeitpunkt mit viel Erfahrung an Bord zu holen“, sieht er aber auch positive Aspekte an der Auslandserfahrung.Eine private Initiative, die dem kreativen Ausbildungsstadtort Tirol ein wenig auf die Sprünge helfen möchte, ist WEI SRAUM. Seit zehn Jahren setzt sich die Initiative zum Ziel, Themen des Grafik-Designs einer breiteren Öffentlichkeit darzubringen. 2015 konnte man das Nomadendasein beenden und einen eigenen Ort im Innsbrucker Stadtteil Wilten finden, an dem nun Vorträge, Ausstellungen und Workshops stattfinden können.

Ausbildung sei dabei eines der Standbeine. Das Angebot richte sich ebenso an aktive Gestalter, die sich weiterbilden wollen, wie auch an Laien, meint Nicola Weber von WEI SRAUM. Auch hier sieht man das Phänomen des „Brain Drains“, dass viele Leute zum Studieren weggingen und oft nicht zurückkämen. So wolle man auch eine Möglichkeit sein, die „kreativen Köpfe dazubehalten“.

Wesentlicher Ausbildungsfaktor in Tirol ist die Werbe Design Akademie in Innsbruck, die es seit 22 Jahren gibt. Jährlich gebe es hier 20 bis 25 Absolventen, meint Bernhard Bachmann, Produktmanager Sprachen und Medien. Die zweijährige Ausbildung, die keine Matura voraussetzt, „weil die Kreativität im Vordergrund steht“, bietet nach dem dritten Semester die Lehrabschlussprüfung zum Medienfachmann – Mediendesign, das abschließende WDA-Diplom kann man für das Bachelor-Studium an der New Design University St. Pölten anrechnen lassen. Viele der Absolventen landen im Ausland, die Nachfrage sei dank des Fokus auf wirtschaftlicher Verwertbarkeit der Inhalte groß.
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