TA: Neugeschäft mit Satelliten-TV
 

TA: Neugeschäft mit Satelliten-TV

#

Die Telekom Austria Group will mit einer Partnerschaft mit Eutelsat TV-Angebote über Satelliten nach Osteuropa bringen - potenzielle Business-Kunden sind Mobilfunker und TV-Sender, die Portfolio und Reichweite erhöhen wollen

Über Glasfaserkabel im Boden, Funk über die Luft und jetzt der Weg übers All: Im Rahmen der International Broadcasting Convention (IBC) in Amsterdam hat die Telekom Austria Group, tätig in acht osteuropäischen Ländern mit 23 Millionen Kunden (Umsatz 2012: 4,3 Mrd. Euro), angekündigt, ins Satellitengeschäft einzusteigen. Über eine Partnerschaft mit Eutelsat will man Satelliten-TV nach Osteuropa bringen. "Hier haben wir Chancen auf Wachstum gefunden. Das TV-Business in Süd- und Osteuropa entwickelt sich stark", sagt Stefan Amon, Leiter des Großhandelsgeschäfts bei der Telekom Austria Group (TAG). "Nur mit den Kabelnetzen kann man die ganzen nationalen Märkte nicht erreichen. Mit Satelliten können wir diese Haushalte aber erreichen."

75 Millionen Haushalte

Die TAG will aber nicht selbst Satelliten-TV anbieten, sondern vielmehr als Plattform für andere Broadcaster oder Mobilfunker fungieren. Diese sollen via TAG bis zu 75 Millionen Haushalte in Osteuropa erreichen können und damit für ihre Inhalte mehr Geld zu machen. Neben Werbefenstern ist in der Region (anders als in Österreich, wo Satellitenfernsehen oft gratis ist) vor allem Pay TV ein boomendes Thema. "Viele Telcos haben noch kein TV-Angebot, und wir können ihnen das jetzt ermöglichen", sagt Amon. In den Märkten (“alles westlich von Österreich”) gebe es nicht immer gut ausgebaute Netze am Boden, wodurch der Weg übers All interessant ist. "Satellit ist der Schlüssel, um den Content zum Konsumenten zu bringen."

Erste Umsetzung in Kroatien

Einen ersten Showcase hat TAG bereits mit seiner Tochter Vipnet aus Kroatien. Diese bietet noch ab September über die aufgekauften TV-Anbieter Digi Croatia neben Telefonie und Internet auch Satelliten-TV über die Infrastruktur der TAG an. Das Satelliten-TV konnte innerhalb von vier Monaten realisiert werden. Der steirische Ort Aflenz ist für die Ausstrahlung der TV-Sender übrigens essenziell: Denn im dortigen Teleport mit einigen großen Satellitenschüsseln werden die Programme, die via Glasfaser dorthin übertragen werden, zu Eutelsat-Satelliten in der Erdumlaufbahn hochgebeamt und von dort abgestrahlt.

Künftige Kunden von TAG sollen alles aus einer Hand bekommen - und dabei wurde auf kleinste Details geachtet. Partnerfirmen der TAG können Settop-Boxen und deren Interface nach den Wünschen der Business-Kunden gestalten und entsprechend branden. Welcher Business-Plan hinter dem frischen Satellitengeschäft steckt, wollte Amon nicht im Detail verraten. Er rechnet jedenfalls mit “signifikanten” Umsätzen, die sich in der Gesamtstatistik der TAG deutlich auswirken werden würden.

Auch schnelles Internet ist möglich


Außerdem hat man über die Eutelsat-Partnerschaft interessante Optionen: Denn über die Satelliten im All hat man ein Ausstrahlungsgebiet, dass von Island bis in die Türkei reicht, und bei TV muss es nicht bleiben. Laut Eutelsat-Verkausleiter Apostolos Triantafyllou sei auch die Übertragung von schnellem Internet mit 20 bis 30 Mbit/Sekunde möglich. Das könnte mittelfristig bei einer weiteren Belastung der terrestrischen Netze durch die Daten-Explosion ein interessanter Ausweichkanal werden, über den man Breitband-Internet in ländliche Regionen bringen kann.

Trend zur Konvergenz

Für Telekom-Unternehmen ist das Schlagwort Konvergenz derzeit ein wichtiges Thema. Wie die TAG streben auch andere Firmen an, Infrastruktur aus einer Hand anzubieten. In Deutschland etwa hat Vodafone Kabel Deutschland aufgekauft und kann so Telefonie, Internet und TV im Paket anbieten. Solche Kombi-Angebote sind aus Unternehmersicht spannend, weil sie eine sehr niedrige Churn-Rate haben, Konsumenten also sehr selten kündigen.
stats