SXSW-Festival: Hype um Flirt-App "Tinder"
 

SXSW-Festival: Hype um Flirt-App "Tinder"

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Nach Twitter, Foursquare und GroupMe erlebt nun eine Smartphone-Software für Flirt-Willige einen Höhenflug auf dem Event in Austin, Texas

Das South by Southwest-Festival (kurz SXSW) in Austin, Texas, ist jährlicher Anziehungspunkt für Start-ups, Investoren, Internet-Firmen und natürlich Nerds aller Art. Das Event, das derzeit zehntausende Besucher angezogen hat, wird von Start-ups immer gerne als Sprungbrett genutzt, um Aufmerksamkeit zu erregen und Early Adopter als Nutzer zu gewinnen. In den vergangenen Jahren ist es vor allem dem Kurznachrichten-Dienst Twitter und dem Location-Service Foursquare gelungen, auf dem SXSW einen guten Start hinzulegen, und auch die Chat-App GroupMe und der Ortungs-Dienst Highlight sind so ins Gespräch gekommen.

Dieses Jahr, so berichtet Business Insider, ist die Dating-App Tinder (derzeit nur für iPhone) in aller Munde - und das, obwohl sie gar keine große Präsentation oder Party in Austin macht. Vielmehr baut sich ihr neuer, guter Ruf darauf, dass Internet-Investoren wie Ashton Kutcher und CEOs wie Dave Morn (Path, Ex-Facebook) sie über den grünen Klee loben und so für Viralität sorgen.

Nur mit Facebook-Login


Tinder, wie ein schneller HORIZONT-Check zeigt, ist offensichtlich Eingeweihten in Österreich bereits bekannt. Die App funktioniert denkbar einfach: Man loggt sich per Facebook ein, überträgt so Daten wie Name, Profilbild, Alter und Interessen - und Tinder sucht dann andere Nutzer im Umkreis von 50 Meilen, die gefallen könnten.

Das Design der App ist dabei sehr gelungen. Potenzielle Flirt-Partner werden mittels großem Profilfoto dargestellt. Persönliches Gefallen kann man mit einem Wisch nach rechts am iPhone-Display kundtun, präsentierte Profile, die einem nicht zusagen, verwirft man mit einem Wisch nach links. Flirten kann man erst, wenn beide Parteien sich gegenseitig "Like" sagen - dann darf ein Chat in der App angeworfen werden, über den man sich alles Weitere ausmachen kann.

Heikle Privatsphäre


Die Betreiber von Tinder garantieren dem Nutzer, dass alles vor dem Chat absolut anonym abläuft, und tritt als Vermittler zwischen den Flirtwilligen auf. Nachnamen werden keine angezeigt, bekannte Personen sind für andere mittels Profilbild aber natürlich erkennbar. Tinder soll außerdem in keinem Fall im Namen den Nutzers bei Facebook posten, und dass man von jemanden geliked wurde, erfährt man erst, wenn der andere ebenfalls auf "Like" klickt.

Wie problematisch solche Privatsphären-Versprechen sein können, hat in jüngerer Vergangenheit die Facebook-App "Bang with Friends" gezeigt, die ebenfalls Anonymität versprach - bis die Nutzer merkten, dass ihre Facebook-Freunde einfach herausfinden konnten, wer die App im Freundeskreis sonst noch so benutzt.

Anfängerprobleme


Im Unterschied zu "Bang with Friends" ist bei Tinder die Suche nach gleichgeschlechtlichen Flirt-Partnern möglich. Gänzlich rund läuft Tinder derzeit aber noch nicht. Im Kurztest konnte der eingerichtete Account aufgrund eines ominösen Problems nicht gelöscht werden, man wurde auf "später" verwiesen.

Ob aus Tinder ein echtes Geschäft werden kann, ist derzeit noch komplett offen. Die App ist derzeit kostenlos erhältlich, und ob sie den ersten Hype überleben wird oder ein Schicksal mit dem eine Zeit lang populären Video-Chat ChatRoulette teilen wird, ist ungewiss. Zudem ist unklar, wie Tinder monetarisiert werden kann. Möglic wäre, dass Nutzer bessere Sichtbarkeit wie bei der Flirt-App Badoo erkaufen können.
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