Studie: Österreich bleibt Bargeld-Nation
 
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Trotz Corona kann man den Österreichern ihre Liebe zu Scheinen und Münzen nicht vermiesen.
Trotz Corona kann man den Österreichern ihre Liebe zu Scheinen und Münzen nicht vermiesen.

Corona bringt zwar ein kräftiges Plus bei den Kartenzahlungen, im Vergleich zum Rest Europas sind die Österreicher aber immer noch die größten Bargeldfans.

Das zeigt die neueste IIS ING International Survey im Auftrag der ING in Österreich. Im Vergleich zu zwölf weiteren befragten Ländern in Europa ist die Verwendung von Bargeld in Österreich zum Teil noch immer enorm hoch. Hierzulande wird beispielsweise für Kaffee und Snacks zu 78 Prozent in Cash bezahlt. Im Durchschnitt der zwölf europäischen Länder sind es 57 Prozent. Und dies, obwohl die Barzahlungsquote im Vergleich zum Vorjahr in Österreich deutlich gesunken ist. Nach wie vor sei Österreich die "Bargeld-Nation Nummer eins. Und das trotz flächendeckender kontaktloser Zahlungsmöglichkeiten mit Karte und Co.", sagt Barbaros Uygun, Chef der ING in Österreich.

Und doch verändert sich das Bezahlverhalten klar - wenn auch langsamer als in anderen Ländern: 43 Prozent der Österreicher verwenden laut Studie jetzt wegen Corona die Karte öfter als vor der Pandemie. Im Europadurchschnitt sind es 52 Prozent.

"Die Anhebung auf 50 Euro beim Bezahlen ohne PIN war ein wichtiger, sinnvoller Schritt, um die Kartennutzung zu forcieren", ist Uygun überzeugt und schlägt vor: "So wie im Onlinebanking üblich, sollte jeder Bankkunde auch für das kontaktlose Bezahlen sein persönliches Limit selbst festlegen können."

Digitale Services als Krisengewinner

"Dem Bargeld treu, für die weitere Digitalisierung bei Geldgeschäften offen": So in etwa könnte man das aktuelle Verhältnis der Österreicher dem digitalen Banking gegenüber beschreiben, analysieren die Studienautoren - und sehen digitale Services als Krisengewinner. Bei der Umfrage gaben 31 Prozent der befragten Landsleute an, nun online mehr auszugeben, während 37 Prozent im Geschäft weniger einkaufen.

"Für Finanzdienstleister bedeutet dies, dass wir bei der Gratwanderung zwischen analog und digital eine Topperformance bieten müssen. Die Frage wird sein, wie viel Filialbetrieb tatsächlich noch notwendig ist und in welcher Geschwindigkeit der Rückzug tatsächlich stattfinden kann. Einfach eine Filiale zu schließen, ohne Alternativen zu bieten, ist zu wenig. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob Themen wie persönliche Kreditberatung eine ganze Filiale brauchen, oder neu gedacht werden sollten", stellt Uygun zur Diskussion und ergänzt: "Ein guter Mix aus persönlicher Beratung durch kleine, flexible Taskforces und ein weiterhin gut funktionierendes, dichtes Bankomatnetz samt Selfserviceeinheiten - so könnte der Bankbetrieb der nächsten ein bis zwei Jahrzehnte aussehen."

Die Umfrage erfolgte im Rahmen der ING International Survey – einer Studienserie, die im Auftrag der ING Group regelmäßig verschiedene Aspekte rund um die Themen "Sparen, persönliche Finanzen, Digitalisierung/Banking und Wohnen" beleuchtet. Für die aktuelle Umfrage wurden vom Institut Ipsos online in 13 Ländern Europas (Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Polen, Rumänien, Spanien, Türkei, Tschechien) sowie den USA knapp 13.000 Personen ab 18 Jahren befragt. In Österreich wurden 1.000 Personen befragt. Befragungszeitraum: Mitte bis Ende Mai 2020.

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