Stefan Häckel: "Wir werden in Aufmerksamkeit ...
 

Stefan Häckel: "Wir werden in Aufmerksamkeit bezahlt"

Vice

Gastbeitrag von Vice CEE-Geschäftsführer Stefan Häckel

Dieser Gastbeitrag erschien bereits in der bestseller-Ausgabe Nr. 3/2016 vom 23. Juni. Hier geht's zum Abo.

„It’s the greatest time in history to make content“, hat unser Gründer und CEO Shane Smith erst im November 2015 gesagt – nach einem fulminanten Jahr, in dem wir Umsätze und erreichte User nahezu verdoppeln konnten. Während die klassischen Verlagshäuser seit zehn Jahren von der Krise reden, haben wir als einstiges Hipster-Medium und Kinder der Krise längst ­unsere Nische verlassen und noch einen Kabel-TV-Sender namens Viceland aus dem Boden ­gestampft. Und das gerade weil wir anders funktionieren: Wir denken nicht in Kanälen oder Disziplinen. Vice ist ein omnimedialer Absender einzigartigen Contents, den es so entweder ­nirgendwo sonst gibt oder der eine zusätzliche Perspektive zum Diskurs liefert. Wir machen Storys so, dass sie funktionieren. Denn wichtiger als Plattformen und Kanäle ist es uns bei ­Vice, unser Publikum zu kennen – und es als ­Publikum zu behandeln: bei uns gibt es keine Zielgruppe, sondern nur Menschen, die uns ihre Aufmerksamkeit gewähren.


Wir haben Rollen klar definiert und solange sie für alle Beteiligten funktionieren, machen wir uns keine Gedanken über Metered Models, Freemium oder Paywalls. Eine Paywall ist ja nichts anderes als der kleinste gemeinsame Nenner der Fanbase. Diese Community muss ­jeder Publisher ohnehin haben, ohne dass es bei vielen der Fall ist. Reichweite entsteht heute ­oftmals aus Gelegenheit und nicht aus Inhalt, weshalb die Paid-Content-Diskussion generell zu wenig differenziert wird. Die entwaffnende Frage ist ja, wer eigentlich zu welchem Maße nur mehr ein Vermittler von Ingredient Content bzw. Ingredient Brands ist und wer zu welchem Maß originär auch Content-Produzent ist. Viele Publisher winden sich um den Diskurs, ob sie ­eigentlich nur Access und Occasion unter vielen sind oder Creator und Owner und damit eine echte Brand. Weil zu sagen, dass es immer Menschen geben wird, die für guten Content bereit sind, Geld zu bezahlen, ist, wie zu sagen, dass Print tot sei.

[Stefan Häckel]
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