Sprachexpertin: Voice Assistants verändern di...
 

Sprachexpertin: Voice Assistants verändern die Kommunikation

Die Schule des Sprechens
Kommunikations- und Verhaltens-Profilerin Tatjana Lackner weist auf die Gefahren für die Sprache durch Sprachassistenten hin.
Kommunikations- und Verhaltens-Profilerin Tatjana Lackner weist auf die Gefahren für die Sprache durch Sprachassistenten hin.

Sprach-Expertin Tatjana Lackner kritisiert Sprachassistenten.

Amazon Alexa, Samsung Bixby, Google Home und Microsoft Cortana gehören fast schon zum Alltag. Ihr Vormarsch ist unbestritten und gilt als die nächste große Sache in der Digitalisierung. Laut interactive advertising bureau austria (iab) werden in den Vereinigten Staaten bereits 20 Prozent aller Suchanfragen über Sprachassistenten gestellt. Neben aktuell diskutierten datenschutzrechtlichen Aspekten haben die kleinen virtuellen Helfer auch massive Auswirkungen auf den Umgang mit der Sprache, erklärt Sprach-Expertin Tatjana Lackner von "Die Schule des Sprechens". „Die Konversation wird direktiver und verknappt. Höflichkeit ist nicht gefragt, dafür klare Anweisungen. Das wirkt sich auf die Alltagssprache aus“, kritisiert Lackner.

Im Umgang mit Sprachassistenten sieht Lackner einen zweiten großen Wandel in der Alltagssprache. Nach dem Eintritt der deutschen Privatsender in den österreichischen Fernsehmarkt, die maßgeblich zur Vereinheitlichung der Sprache unter Jugendlichen beigetragen hätten, sorgten die digitalen Assistenten für einen rigiden Befehlston und veränderten damit das Kommunikationsverhalten. Die Sprache werde durch den Umgang mit digitalen „Gesprächspartnern“ uniformer und verwandele sich in eine Funktionssprache. Auch werde die regionale Sprachfärbung weiter abnehmen, um Missverständnisse mit den Sprachassistenten zu vermeiden, prognostiziert Lackner.

Auswirkungen auf das Sprachverhalten haben, so die Kommunikations-Expertin, auch andere technische Entwicklungen: etwa die stark wachsende Anzahl von Sprachnachrichten in Messenger-Apps wie WhatsApp. Über 65 Milliarden Nachrichten werden jährlich über den Facebook-Dienst versendet und etwa 55 Prozent der User verschicken laut einer Bitkom-Studie Audiodateien. In der jungen Aktivgruppe der 14- bis 29-Jährigen sind es bereits 77 Prozent. Auch sie führen zu einer Verknappung der Sprache, da sie nicht länger als eine Minute sein sollten, um die ungeteilte Aufmerksamkeit des Adressaten zu erreichen.

Positiv hebt Lackner die Demokratisierung des Internets hervor, da auch Menschen ohne Schriftkenntnisse unter anderem Google befragen und Informationen erhalten können. Kritisch sei in diesem Zusammenhang jedoch die weitere Monopolisierung von Informationen zu sehen: "Während bei der klassischen Textabfrage noch der User die Recherche-Quelle bestimmt, greifen die Assistenten auf ihre bevorzugte Quelle zurück. Die Gefahr von „Fake News“ steigt mit der sinkenden Kontrolle durch den User und wachsenden Automatisierung", so Lackner. Auch durch die Optimierung der synthetischen Sprache und fortschreitenden Angleichung an die menschliche Sprache ergäben sich neue Gefahren, User beispielsweise durch verfälschte Aussagen zu täuschen und Inhalte zu manipulieren.

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