Selbstüberschätzung?: Großteil der Unternehme...
 
Selbstüberschätzung?

Großteil der Unternehmen fühlt sich Datenschutz-sicher

Deloitte
„Datenschutz ist kein zu erreichender Endzustand. Er sollte viel mehr als Prozess verstanden werden, der kontinuierlich angepasst und verbessert werden muss", Georg Schwondra, Partner und Cyber Security Experte bei Deloitte Österreich, warnt vor Selbstüberschätzung.
„Datenschutz ist kein zu erreichender Endzustand. Er sollte viel mehr als Prozess verstanden werden, der kontinuierlich angepasst und verbessert werden muss", Georg Schwondra, Partner und Cyber Security Experte bei Deloitte Österreich, warnt vor Selbstüberschätzung.

Anlässlich des heutigen Europäischen Datenschutztages hat Deloitte 111 heimische Unternehmen um ihre Selbsteinschätzung zum Thema Datenschutz gebeten. Rund 80 Prozent fühlen sich gut gerüstet. Allerdings: Die Selbstwahrnehmung trügt häufig und Vorfälle bleiben unentdeckt.

Eine aktuelle Deloitte-Studie belegt: Seit Inkrafttreten der DSGVO haben die heimischen Betriebe viel dazu gelernt – 78 Prozent fühlen sich bei der Datensicherheit heute sogar (sehr) gut aufgestellt. Aber die Expert:innen warnen: Die Selbstwahrnehmung trügt häufig und Vorfälle bleiben unentdeckt. Es gelte nun, mit technischen und rechtlichen Maßnahmen die Datensicherheitsstrategie in den Unternehmen nachhaltig zu optimieren und an sich verändernde Bedrohungsszenarien anzupassen.

Im Rahmen der Umfrage haben 111 österreichische Unternehmensvertreter:innen in leitender Position ihre Einschätzungen zum Thema Datenschutz geteilt. Das Datenschutz-Bewusstsein ist demnach – fast vier Jahre nach Inkrafttreten der DSGVO – in der Wirtschaft sehr hoch. Auch für das kommende Jahr hat die Mehrheit konkrete Pläne: Fast 60 Prozent haben für 2022 Projekte geplant, um die Datensicherheit in ihrem Unternehmen weiter zu verbessern. Lediglich ein Viertel sieht keine Notwendigkeit, in den nächsten Monaten Schritte für eine Optimierung zu setzen.

Georg Schwondra, Partner und Cyber Security Experte bei Deloitte Österreich, warnt jedoch vor Selbstüberschätzung und betont: „Datenschutz ist kein zu erreichender Endzustand. Er sollte viel mehr als Prozess verstanden werden, der kontinuierlich angepasst und verbessert werden muss. Nur so können sich die Unternehmen für eine sich ständig verändernde Bedrohungslandschaft wappnen.“

Nach Dokumentation künftig die Praxis

Um Vorfälle im neuen Jahr zu verhindern oder rechtzeitig zu erkennen, fassen die österreichischen Betriebe konkrete Maßnahmen ins Auge: Regelmäßige Schulungen von Mitarbeiter:innenn sowie Awareness-Kampagnen sollen das Thema Datenschutz in den Vordergrund rücken. Auch die fortlaufende Verbesserung bestehender Berechtigungskonzepte soll dabei helfen, den Datenschutz in der eigenen Organisation zu optimieren – vor allem in größeren Unternehmen werden diese Punkte sehr konkret angegangen.

„In den letzten Jahren lag der Fokus auf der Erfüllung der Dokumentationspflichten der DSGVO. Nun geht es darum, die dokumentierten Anforderungen auch in der Praxis zu erfüllen und durch technische sowie organisatorische Maßnahmen im Betrieb zu etablieren“, unterstreicht Schwondra.

Großunternehmen: Technik für Klassifizierung

Mittels einer Datenklassifizierung können bessere Geschäftsentscheidungen getroffen werden. Durch das Löschen nicht benötigter Daten werden Speicherkosten gesenkt und rechtliche Compliance erreicht. Derzeit setzen insbesondere Großunternehmen und staatlich regulierte Bereiche technische Maßnahmen zur Datenklassifizierung ein.

„Die Datenklassifizierung stellt einen wesentlichen Bestandteil der Datensicherheitsstrategie dar. Bei mindestens einem Viertel der heimischen Unternehmen besteht hier noch Aufholbedarf“, erläutert Schwondra. „Der Mittelstand und kleinere Betriebe zeigen bereits erste Tendenzen hier nachzuziehen.“

KMU 'wiegen sich oft in falscher Sicherheit'

Rund zwei Drittel der Befragten geben an, dass sie im vergangenen Jahr von keinem (wahrgenommenen) Datenschutz-Vorfall betroffen waren. Ein Drittel bemerkte mindestens einen Vorfall. Die Umfrage zeigt, dass es unabhängig von der Unternehmensbranche und -größe zu Datenschutzverletzungen kommen kann. Das Problem: Viele bleiben noch unentdeckt.

„Aus der Beratungspraxis wissen wir, dass vor allem KMU nicht selten aus technischen oder organisatorischen Gründen solche Vorfälle gar nicht erst identifizieren können. Sie wiegen sich dann in einer falschen Sicherheit“, erklärt dazu Sascha Jung, Partner bei Deloitte Legal und externer Datenschutzbeauftragter bei mehreren Unternehmen. „Generell kann damit gerechnet werden, dass es in jedem Unternehmen zumindest zu einigen Vorfällen pro Jahr kommt.“

Laut Studie wird nur jeder vierte der erkannten Vorfälle an die Behörde gemeldet. Jung appelliert: „Damit die heimischen Betriebe der gesetzlichen Meldepflicht nachkommen können, sollten sie ihre Prozesse zur Identifizierung, Bewertung und Meldung von Datenschutz-Vorfällen in regelmäßigen Abständen überarbeiten und aktualisieren.“

Lesen Sie in der aktuellen HORIZONT-Ausgabe 1-4/2022, wer in Österreich bei Verstößen gegen die DSGVO ins Visier geraten ist, wie hoch die Strafen sind – und wo nun adaptiert werden muss. Noch kein Abo? Hier klicken.

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