Schramböck: Plädoyer für die „digitale Vertra...
 

Schramböck: Plädoyer für die „digitale Vertrauensgesellschaft“

Johannes Brunnbauer
Hilton
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Der Digitalministerin lag bei ihrem Impulsreferat besonders am Herzen, bei der Digitalisierung mehr Chancen als Risiken zu sehen.

Frisch von den Ceta-Verhandlungen im Parlament kam Margarete Schramböck zum Werbeplanung.at-Summit. „Die Welt wird immer kleiner“, zeigte sie sich zufrieden mit dem im Nationalrat beschlossenen Handelsabkommen zwischen Kanada und der EU. Das andere große Thema ist die Digitalisierung, leitete Schramböck auf das Thema des Summit über. Dieses betreffe alle Lebensbereiche. Die öffentliche Debatte dazu sei oft von Angst getrieben, meinte die Ministerin. Digitalisierung biete viele Veränderungen und Chancen, es brauche jetzt eine „digitale Vertrauensgesellschaft“ und auch Vertrauen für die nächste Generation. Die Chancen müssten größer gesehen werden als die Risiken. 

„Was und wie ergibt sich aus der Zeit“, meinte Schramböck, das hätten wir immer noch geschafft. Sie verwies auf die 50er-Jahre, als es in Österreich noch tausende „Fräulein vom Amt“ gab. Diese gebe es heute nicht mehr, „dafür 300.000 Menschen in der IT-Branche“. Früher habe man geglaubt, man würde bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h sterben. Heute habe man stattdessen neue Mobilität bekommen „Wir brauchen keine Angst haben“, so die Ministerin. 

Um die Angst vor der Digitalisierung zu nehmen, habe man etwa die neue Digitalagentur DIA geschaffen, die primär Anlaufstelle für Wirtschaft sein und Antworten und Vernetzung bieten solle. Zudem kommen die neun geplanten Innovation Hubs, die ebenfalls der Vernetzung dienen sollen und das Programm „DIAlog“, das mit Wirtschaft und Gesellschaft in Dialog treten soll.

Seit den 1970er Jahren sei die Arbeit nicht ausgegangen, die Arbeitszeit sei nur 5 Prozent gesunken, zitierte Schramböck eine Studie, die sie in ihrer Wifo-Zeit noch in Auftrag gegeben hatte. Die Arbeit sei nur anders geworden. Die Ministerin erinnerte sich an ihre Zeit bei Alcatel, als sie für einen Personalbericht 3000 gedruckte Seiten in Excel übertragen sollte. Man müsse die bestehenden Berufe überprüfen, „auch beim Maurer muss digitaler Inhalt dabei sein“, zudem brauche es neue Berufe. Der angekündigte E-Commerce-Kaufmann (HORIZONT berichtete) werde beispielsweise ab September Realität.

Digitalisierung sei ein gesellschaftliches Thema, es gehe darum, digitale Kompetenzen zu heben. In Kürze starte der „Pakt für digitale Kompetenzen“, der sich ausschließlich dieser Aufgabe widmet. Digitale Kompetenzen sollen dann genau wie Sprachen erlernbar sein.

In puncto Innovation würden Themen wie AI, Blockchain und Robotics nicht nur die Medien, sondern die gesamte Industrie betreffen. Sie sehe die Chance, Europa zu reindustrialisieren, meine Schramböck, die sich über die jüngsten Investitionen der VÖEST (modernstes Stahlwerk der Welt in Kapfenberg) und Infineon in den Wirtschaftsstandort Österreich freute.

Beim eGovernment gehe um den Schritt zum „Mobile Government“. Mit der Geburt sei der erste Amtsweg fertig. Alle 44 Schritte, die es braucht, können über Plattform und App getan werden, ohne auf ein Amt gehen zu müssen.

Im B2C-Bereich habe Europa einen großen Rückstand, weil dieser von amerikanischen Firmen, wie Google und Facebook besetzt sei, meinte die Ministerin. Die größte Chance sei, dass Konsumenten ihre Rechte wahrnehmen. Es gehe darum, sich einen Wettbewerbsvorsprung herauszuarbeiten. Man habe bei der DSGVO das Gold Plating herausgenommen, doch Unternehmen müssen sich auch verstärkt mit ihren Daten beschäftigen. Man unterstütze zudem die Bemühungen um die digitale Betriebsstätte, sagte Schramböck. „Wir brauchen faire und gute Regularien.“

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