Schneller, smarter, billiger
 

Schneller, smarter, billiger

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In den Ausbau der schnellen LTE-Funknetze investierten heimi­sche Mobilfunker in den letzten Jahren große Summen.
In den Ausbau der schnellen LTE-Funknetze investierten heimi­sche Mobilfunker in den letzten Jahren große Summen.

In Österreich gibt es einen neuen Preiskampf bei Handytarifen. Die drei großen Mobilfunker kontern mit Service, Qualität und Fokus auf Zusatzdienste

Dieser Artikel ist bereits in der HORIZONT-Ausgabe 36/2015 erschienen. Hier geht's zum Abo.

Seit A1, T-Mobile und Drei aufgrund einer EU-Regel die sogenannten „Mobile Virtual Network Operators“ (kurz MVNOs) zu sehr günstigen Konditionen in ihre Netze hineinlassen müssen, gibt es sie plötzlich wie Sand am Meer: Handytarife um zehn bis 15 Euro pro Monat, bei denen man 1.000 Sprachminuten, 1.000 SMS und ein oder mehr Gigabyte an Datenvolumen bekommt. Die virtuellen Mobilfunker, allen voran HoT mit seinem Hofer-Vertrieb, haben dafür gesorgt, was sich die Regulatoren nach der Übernahme von Orange durch Drei gewünscht haben – einen neuen Preiskampf am Markt.

„Österreich ist nach wie vor ein sehr wettbewerbsintensives Land und hat im Europa-Vergleich immer noch sehr günstige Tarife. Gleichzeitig investieren wir massiv in den Breitbandausbau und unsere ­Kunden profitieren von einem exzellenten Netz“, sagt ­Alexander Sperl, A1 Vorstand Vertrieb, Marketing & Service. „Wir setzen daher mit der Premium-Marke A1 klar auf Qualität.“ Wenn Service, Beratung und Preis-Leistungs-Verhältnis passen, würden die Kunden bleiben, inhaltlich hochwertige Tarife mit LTE („Long Term Evolution“, neuer, schneller Mobilfunkstandard) oder Roaming würden sich exzellent ­verkaufen. Und vergessen darf man auch nicht: A1 ist mit seinen Diskonter-Marken Yesss! und bob auch in dem Billigmarkt vertreten.

„Wenn ein Handy kaputt wird, wenn man einen Router braucht, dann muss man zu einem der drei großen Anbieter“, sagt T-Mobile-Austria-Chef Andreas Bierwirth über die neue Konkurrenz. „Wenn man ein iPhone 5c will, kann man zum Hofer gehen, aber da weiß keiner, ob es das nächsten ­Monat noch gibt. Wir hingegen ­haben alle Geräte auf Lager. Durch Service, eine breite Produktpalette, den ­Business-Bereich und Zusatzdienste wie etwa Kinderschutz können wir uns von den Diskontern klar differenzieren.“ Bis dato würde man gegen die MVNOs gut bestehen, immerhin sei der Umsatz im zweiten Quartal 2015 auf 205 Millionen Euro gestiegen (wenn auch die Zahl der SIM-Karten im Netz um 86.000 Stück schrumpfte).

„Der virtuelle Anbietermarkt wurde künstlich geschaffen, weil der Preis pro Megabyte, den die virtuellen ­Mobilfunker in unseren Netzen bezahlen, von der EU vorgegeben ist“, so Bierwirth. „Diese Auflage ist aber zeitlich befristet, und in fünf Jahren wird sich das Thema Preis-Disruptivität wieder aufhören.“ Dann würden die Produktionskosten für die MVNOs wieder steigen, was sich schließlich auf die Endkonsumentenpreise auswirken würde.

Netzausbau und Differenzierung

Auch beim kleinsten Mobilfunker Drei merkt man, dass die virtuelle Konkurrenz nicht spurlos vorübergeht. Erst kürzlich wurden die Tarife, die etwa 90.000 Kunden betreffen, teurer. ­„Aufgrund der steigenden Datenmengen müssen wir immer mehr ins Netz investieren. Der Netzausbau ist der große Treiber, und deswegen war in diesem Bereich eine moderate Anpassung der Preise notwendig“, so Drei-Chef Jan Trionow. Den Ausbau des nun österreichweit verfügbaren LTE-Netzes hat sich Drei in den letzten ­Jahren dreistellige Millionensummen kosten lassen. „Österreich hat weltweit, gemessen am Durchschnittseinkommen, die leistbarsten Breitbandprodukte, aber bei der Qualität der Infrastruktur liegen wir nur im Mittelfeld“, so Trionow. „Wir haben in ein besseres Netz investiert, es ist ein Qualitätswettbewerb zwischen den Betreibern ausgebrochen. Das ist wichtiger für den Telekommunikationsmarkt als die Frage, wo die Minute noch ein bisschen günstiger ist.

Ein wichtiger Faktor für die drei Großen im Rennen um die Kundschaft sind auch Zusatzdienste, mit denen man sich von der Konkurrenz abheben kann. T-Mobile etwa hat Partnerschaften mit dem Musik-Dienst Deezer und dem Serien-Streamer Netflix. „Wir machen in Österreich ganz klar alles über Partner. Ich habe große Zweifel, ob das Selbermachen außerhalb des Kernprodukts Sinn macht“, so T-Mobile-Chef Bierwirth.

„Telekommunikationsunternehmen hatten immer die Sehnsucht, in die Welt der Apps hineinzugehen und neue Produkte zu entwickeln, aber tatsächlich war man häufig zu spät. Es fehlte meist der unternehmerische Geist, um diese Produkte voranzutreiben.“

Beim Marktführer A1 fährt man die genau gegenteilige Strategie. Derzeit in einer Testphase, will man mit „A1 Now“ einen Streaming-Dienst etablieren, bei dem es zurzeit etwa 3.000 Filme und 40 TV-Sender zu sehen gibt. „A1 Now und Netflix haben ganz unterschiedliche Inhalte. Denn trotz unterschiedlicher OTT-Angebote (Over The Top, Anm.), bleibt das lineare Fernsehen die liebste ­TV-Funktion der Österreicher“, so Sperl von A1. „Mit A1 Now setzt A1 nun einen neuen Meilenstein und verbindet das Beste aus der Welt der OTT-Angebote mit klassischem Live TV, angereichert um innovative Funktionen wie Aufnahmemöglichkeit fürs TV Programm.“ Bei Drei ­verfolgt man beide Strategien – Selbermachen und Partnerschaften, wie mit dem Musikdienst Spotify. „Vor zehn Jahren gab es dieses Ökosystem von mobilen Internet-Diensten nicht, wir mussten die meisten Dinge selber machen. Wir hatten eigene Filmstudios, um Filme für mobile Geräte anzupassen, wir haben ­Content von Formel 1 und Champions League eingekauft“, so Trionow. „Das können heute andere besser. Aber es gibt auch Dinge, die wir besser können. Ein Produkt wie Mobile TV findet man nicht im Internet, deswegen machen wir das alleine.“
Andreas Bierwirth ist CEO von T-Mobile Austria.
T-Mobile
Andreas Bierwirth ist CEO von T-Mobile Austria.
Alexander Sperl ist A1-Vorstand für Vertrieb, Marketing und Service.
A1
Alexander Sperl ist A1-Vorstand für Vertrieb, Marketing und Service.
Jan Trionow ist Chef von Drei.
J. Steinschaden
Jan Trionow ist Chef von Drei.
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