Schnäppchenjäger suchen online vor allem Bier
 

Schnäppchenjäger suchen online vor allem Bier

Flickr/Dennis Skley
In Online-Prospekten wird vor allem nach Bier gesucht.
In Online-Prospekten wird vor allem nach Bier gesucht.

Die Anbieter von digitalen Prospekten sehen ihre Aufgabe vorwiegend als Ergänzung von Haushaltswerbung. Für den Markt erwarten sie eine Konsolidierung.



Dieser Artikel erschien bereits in der HORIZONT-Ausgabe 17/2016 vom 29. April. Hier geht's zum Abo

"Bier und dann kommt lange nichts", verrät Oliver Olschewski, Geschäftsführer von wogibtswas.at, auf die Frage, was denn die User auf der Online-Prospektplattform am häufigsten suchen würden. Erst mit weitem Abstand folgen andere Produkte wie etwa Waschmittel, WC-Papier oder je nach Saison auch Garteneinrichtungen oder Topfpflanzen. Das Interesse der wogibtswas.at-User lässt freilich auch Rückschlüsse auf das Interesse der Leser von gedruckten Prospekten zu. Denn angesichts der Reichweite des zur Styria Media Group gehörenden Portals, kann man nicht mehr von einem Grüppchen sprechen.

Laut ÖWA Basic erreichte die Prospektplattform im März 2016 mehr als 2,4 Millionen Visits und über eine Million Unique Clients. Zum Vergleich: Aktionsfinder, an dem die Österreichische Post die Mehrheit hält, kommt im selben Monat auf knapp 800.000 Visits und rund 185.000 Unique Clients. Die beiden anderen Mitbewerber meinKauf und Marktguru sind nicht in der ÖWA vertreten. An Marktguru ist übrigens die ProSiebenSat.1 PULS 4 Gruppe zu 51 Prozent beteiligt.

Ohne mobile geht gar nichts


Alle vier Anbieter offerieren digitale Haushaltswerbung nicht nur auf ihrer Website – sondern können auch mit einer eigenen App aufwarten. Das ist auch gut so, denn wer lässt das Smartphone für den Einkauf schon zuhause? Und wenn da eine App auch noch direkt zum günstigen Angebot führt, ist das umso praktischer. "Derzeit steigen 81 Prozent unserer User über Smartphone oder Tablet auf wogibtswas.at ein", bestätigt Olschewski die hohe Bedeutung einer komfortabel benutzbaren Präsenz am Smartphone, und ergänzt: "Unsere App ist der smarte und praktische Einkaufshelfer: Die durchschnittliche Wiederkehrrate von acht Mal pro Monat bestätigt die hohe ­Relevanz für unsere User."

Aktionsfinder-Geschäftsführerin Nicole Lendl verweist auf über 340.000 Downloads der Aktionsfinder-App, und meint: "Mehr als 80 Prozent der Prospekt­seiten werden mobil ­ab­gerufen." Laut beiden Geschäftsführern von Marktguru, Michael Buchbinder und Thomas Kern, würden 90 Prozent der Marktguru-User die App nutzen. Und meinKauf-Gründer Markus Pichler verrät: "Mehr als 65 Prozent der User nutzen das Service mobil – Tendenz weiter steigend. Wir sind der Meinung Retail Marketing ist mittelfristig ein klarer Mobile Case."


Die feinen Unterschiede


Obwohl alle vier Plattformen mit digitalen Prospekten um User rittern, unterscheiden sie sich hinsichtlich ihres Angebotes und ihrer Ausrichtung voneinander: meinKauf bietet neben digitalen Flugblättern auch Cash-Back-Angebote, und ist zudem in Ungarn und der Türkei präsent. Marktguru wiederum ist gerade auf dem Sprung nach Deutschland und hat dort Großes vor: "Wir streben innerhalb von 18 Monaten die Marktführerschaft in den Apps an", meinte kürzlich Marc-Etienne Geser vor Journalisten. Er führt gemeinsam mit Marktguru-Gründer Patrick Dainese die Geschicke von Marktguru Deutschland.

Doch zurück zur rot-weiß-roten Version von Marktguru: Dank einer Kooperation mit der ­Rubbellos-App rublys, an der die ProSiebenSat.1 PULS 4 Gruppe ­(SevenVentures Austria) ebenfalls beteiligt ist, bietet Marktguru hierzulande eine einfach zu nutzende Cash-Back-Funktion an. Aktionsfinder wiederum profitiert von den Möglichkeiten, die die vertriebliche Zusammenarbeit mit dem Mehrheitseigentümer Post bietet. Denn bekanntlich beherrscht die Post gemeinsam mit ihrer Tochter feibra das Geschäft mit gedruckter Haushaltswerbung. "Für die Post ist der nächste logische Schritt, langjährige Kundenbeziehungen weiter auszubauen und neue digitale Produkte und Lösungen anzubieten", präzisiert Nicole Lendl von Aktionsfinder.


Es liegt auf der Hand, dass die Geschäftsführerin das Angebot von Aktionsfinder nicht als Konkurrenz, sondern Ergänzung zum physischen Prospekt sieht. Ansonsten würde das Unternehmen ja auch das Portfolio der Mehrheitseigentümerin kannibalisieren. Vielmehr geht es Lendl ­darum, die "Generation Bildschirm" als Zielgruppe für Prospekte wieder zurückzugewinnen. 


Auch die Werbeverzichter will Lendl mit digitalen Prospektangeboten erreichen. Die beiden Marktguru-Chefs Michael Buchbinder und Thomas Kern sehen ihr Angebot als Ergänzung zu beziehungsweise Verlängerung von analogen Kampagnen so wie auch meinKauf-Gründer Pichler. wogibtswas.at-Chef Olschewski will zwar aktuell ebenso nur von einer Ergänzung sprechen. Aber: "Um die Reichweite des Flugblattes zu erhöhen arbeiten wir daran, dass wir in den nächsten Jahren – speziell in Wien – das gedruckte Flugblatt substituieren."


Bereinigung ist zu erwarten


Dass nicht allen vier Plattformen am heimischen Markt ein ewiges Dasein beschieden sein wird, darüber sind sich die Akteure klar. "Der Markt ist immer noch in einer Entwicklungsphase, wir rechnen mittelfristig jedoch mit einer Konsolidierung auf zwei relevante Player in unserem Segment", meinen etwa die marktguru-Manager. meinKauf-Gründer Pichler ergänzt: "Am Ende des Tages zählt neben einem guten Produkt in einem Markt wie dem Retail Marketing vor allem auch Durchhaltevermögen."

Lendl rechnet ebenso mit einer Marktbereinigung und gibt sich kämpferisch: "Als Geschäftsführerin des Aktionsfinders habe ich hoch gesteckte Ziele – wir möchten die Nummer eins der digitalen Prospektplattformen werden, die die Bedürfnisse unserer User stets erkennt und somit einen ganz klaren und unverzichtbaren Vorteil bietet." wogibtswas.at-Geschäftsführer Olschewski hält eine Bereinigung für wahrscheinlicher, als eine konstante oder gar steigende Anzahl an Mitbewerbern. Er meint: "Häufig gilt im Digitalgeschäft: The winner takes it all." Bleibt abzuwarten, wie dieser Winner dann heißt.

[Rainer Seebacher]
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