Schibsted: "Digitale Abos haben Zukunft"
 

Schibsted: "Digitale Abos haben Zukunft"

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Werbeplanung.at Summit: Bei seiner Keynote in der Wiener Hofburg beschwörte Schibsted-CEO Rolf Erik Ryssdal die Potenziale des digitalen Zeitalters und riet Medienhäuser, keine Angst davor zu haben, die eigenen Geschäftsmodelle zu kannibalisieren

"Der Wandel ist dramatisch. Die Digitalisierung hat alle unsere Geschäftsbereiche erfasst", sagte Rolf Erik Ryssdal, seines Zeichens CEO des norwegischen Medienkonzerns Schibsted, bei seiner Eröffnungsrede am Werbeplanung.at Summit, der diese Woche in Wien stattfindet. Für Schibsted sind weltweit etwa 6900 Menschen in den Bereichen Print, TV und Online in 29 Ländern tätig - in Österreich ist Schibsted als Teileigentümer der Kleinanzeigen-Plattform willhaben.at (Joint Venture mit der Styria) sowie einem Investment in die Flohmarkt-App Shpock vertreten.

Wichtigster Tipp von Ryssdal an andere Medienhäuser: „Schibsteds größte Erfolge sind jene, in denen wir uns selbst kannibalisiert haben.“ Als Beispiel nannte er etwa das Kleinanzeigengeschäft, das man auch in Österreich sehr erfolgreich betreibt - willhaben.at ist das reichweitenstärkste Einzelangebot, das die ÖWA ausweist. Schibsteds Zeitungen hätten zuerst gestöhnt, als man in den Markt für Online-Classifieds einstieg und hätten erhebliche Rückgänge, vor allem bei Gebrauchtwagenanzeigen verzeichnen müssen. Doch insgesamt verdiene Schibsted heute mehr Geld mit Classifieds, als man das in Print jemals geschafft hätte.

Print geht zurück, Mobile boomt

Keine überraschenden Zahlen hatte Ryssdal in Sachen Print vs. Online parat. Zwar seien die Reichweiten der hauseigenen Zeitungen über die Jahre um etwa 60 Prozent gefallen, doch dank Online und insbesondere Desktop hätte man die Reichweite des Medienkonzerns auf über 100 Millionen Nutzer weltweit ausbauen können. „Smartphones und Tablets haben einen viel größeren Einfluss auf das Leben der Leute als es das Desktop-Internet jemals hatte“, so der Schibsted-CEO, der außerdem großes Wachstum im Bereich WebTV und dem dort angeschlossenen Anzeigengeschäft erwartet.

Bei der Finanzierung von Online-Journalismus setzt man bei Schibsted nicht nur auf Werbung, sondern auch auf Paid Content. „Ich glaube, dass digitale Abonnements eine Zukunft haben“, so Ryssdal. Derzeit würde man mit verschiedenen Modellen (z.B. Metered Model, Freemium Model) experimentieren und hätte schon viele positive Erfahrungen sammeln können.

The next big thing?

Das nächste große Ding, das kennt Ryssdal laut Eigenaussage übrigens nicht. Um aber nicht einen wichtigen Trend zu verschlafen, würde man immer wieder in neue Ideen und Online-Geschäftsmodelle investieren. „Wir können nicht alles selber machen, deswegen investieren wir in neue Unternehmen und schauen, wir wir ihnen mit unseren bestehenden Lösungen helfen können“, so Ryssdal. Beispiel ist die erwähnte Flohmarkt-App Shpock aus Wien, die Kleinanzeigen mobil macht. Generell sieht der Schibsted-CEO eine rosige Zukunft dank Digitalisierung: "Wir sind optimistisch und können es nicht erwarten, was die Zukunft bringt."
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