RMA vollbringt täglichen Spagat
 

RMA vollbringt täglichen Spagat

Das neue Führungsduo der Regionalmedien Austria (RMA), Stefan Lassnig und Georg Doppelhofer, erzählt über neue Verantwortlichkeiten und Ziele, den kuriosen Medienstandort Wien und ein wachsendes ‚Wir-Gefühl‘

Horizont: Sie bilden seit Oktober gemeinsam den neuen Vorstand der Regional Medien Austria, hat sich an der Aufteilung der Agenden etwas verändert?

Stefan Lassnig:
Tatsächlich wurden fast alle Ressorts neu verteilt. Verkauf, Digital und Marketing sind in meiner Verantwortung.

Georg Doppelhofer:
Ich verantworte die gesamte Redaktion und den kaufmännische Bereich inklusive Personal, Recht und IT. Für uns war die Vorgabe, dass wir die Bereiche verantworten, wo wir beide glauben, dass wir jeweils am besten zur Geltung kommen für das Unternehmen, um nach innen und außen die zukünftige Richtung abzustecken.

Horizont: Was bedeutet das strategisch?

Doppelhofer:
Unser Unternehmen ist in drei Ebenen gegliedert - der nationalen, der Bundesland-, sowie der lokalen Ebene. Das große Asset sind die mehr als 80 Geschäftsstellen, hier liegt unsere Stärke und die DNA der RMA. Wir müssen quer durch alle Ebenen interagieren und die vormaligen Bundeslandverantwortlichkeiten im Vorstand sind Ressortverantwortlichkeiten gewichen.

Lassnig:
Die Bundesland-Zuordnung ist ein historisches Element, das wir schon mit Klaus Schauer aufbrechen wollten. Die Denke, das ist dein Bundesland und das meines, im Hinblick auf Styria- und Moser Holding, gibt es nicht mehr. Die RMA ist gefestigt und es gibt eine klare einheitliche Linie. Bildlich gesprochen fahren rote, grüne und blaue Autos auf der RMA-Autobahn, - mit unterschiedlicher Geschwindigkeit, Optik und Ausstattung, - und unsere Aufgabe ist es links und rechts Leitplanken zu installieren und darauf zu achten, dass alle in die gleiche Richtung fahren.

Horizont: Sie treten also in den Bundesländern gemeinsam auf?

Doppelhofer:
Ja, wir gehen gemeinsam hinaus. Das Ziel ist es das Unternehmen umfassend strategisch zu betreuen.

Lassnig: Unsere Gesprächspartner sind vor allem die Geschäftsführer, aber wir nehmen gelegentlich auch an Geschäftsstellen-Jour-fixe-Terminen teil. Das ist zeitintensiv, aber es ist wertvoll und die Leute vor Ort schätzen dieses Engagement.

Horizont: Welche Aufgaben finden an welchen Orten statt - lokal, auf Bundeslandebene, im Headquarter?

Lassnig:
In den Geschäftsstellen gibt es im Wesentlichen die drei Bereiche Redaktion, Verkauf und Kreativassistenz. Auf Ebene des Bundeslandes gibt es einen Chefredakteur, den regionalen Key Account, das Marketing,digitale Aufgabenfelder und denGeschäftsführer, der an uns reportet.

Doppelhofer:
In Wien finden sich die klassischen Stabstellen, der nationale Verkauf, die nationale Chefredaktion und das Marketing.

Horizont: Die RMA vollbringt ja einen kulturellen Spagat: da gibt es die gewachsenen lokalen Königskulturen der Medien auf der einen Seite und das Ziel ein Gefühl der nationalen Zusammengehörigkeit zu entwickeln auf der anderen Seite. Wie funktioniert dieser Balanceakt?

Lassnig:
Ich bin nun schon seit 2005 dabei und habe die Situation seit der Gründungsphase miterlebt. Ich stelle in den letzten zwei bis drei Jahren eine sehr positive Entwicklung fest. Es hat sich ein gewisses RMA-Gefühl entwickelt, dem muss man Zeit geben. Leitbilder lassen sich nicht verordnen. Allerdings müssen wir den Spagat auch beibehalten, weil er das Produkt ausmacht. Nicht ohne Grund stehen in unserer Strategie zwei Zielbilder nebeneinander: lokale Relevanz und nationale Bedeutung.

Horizont: Was gleichzeitig eine Wettbewerbssituation mit sich bringt ...

Doppelhofer:
Die RMA ist für ein junges Unternehmen schon sehr weit. So wird es bei uns vor Ort immer den Mitarbeiter geben, der das Produkt verkörpert, also persönliche Nähe zu den Menschen in der Region. Es gibt kaum ein Unternehmen, wo über den Kunden und den Leser ein derart direktes Feedback kommt. Darauf ist auch unsere Zukunftsstrategie aufgebaut, wir wollen die Geschäftsstellen noch stärker vernetzen.

Horizont: Kommen wir zum Werbejahr 2014 - wie gliedert sich der Werbeumsatz?

Lassnig:
Rund 50 Prozent sind lokaler Umsatz, zirka 20 Prozent sind regional, 30 Prozent national. Das ist eine gute Mischung, auch weil der lokale Umsatz Konjunktur-robuster ist - ein lokales KMU reagiert ja nicht unmittelbar auf einen Börsencrash.

Horizont: Wie verteilt sich der Umsatz auf Print und digital?

Doppelhofer:
Wir kommen von Print und stehen digital noch eher am Anfang. Die digitalen Umsätze liegen im einstelligen Prozentbereich Seit 2014 machen wir die nationale digitale Vermarktung selbst und haben den Digitalumsatz verdoppelt. Ein großes Thema für das 1. Halbjahr 2015 ist der digitale Relaunch für alle Angebote und insbesondere die Schwergewichte meinbezirk.at und woche.at.

Horizont: Ist die RMA nun die Cashcow, als die sie gesehen wird?

Doppelhofer (lacht):
Das müssen Sie die Eigentümer fragen. Aber nur soviel, das letzte Jahr war ein herausforderndes Jahr, aber eines das uns für die Zukunft positiv stimmt.

Lassnig:
2013 war ein Rekordjahr, das erfolgreichste der Unternehmensgeschichte, mitunter auch weil es ein Superwahljahr war. Wir wollten das halten - das ist uns im Umsatz 2014 gelungen, im Ergebnis nicht ganz.

Horizont: Was sind die größten Herausforderungen für die RMA im Werbemarkt, auch weil das "nationale Medium", als solches nie sichtbar wird?

Lassnig:
Manchmal ist es nicht einfach zu erklären wer und was die RMA mit ihren 129 Medien ist. Am besten funktioniert es mit einem Anker, etwa wenn der Kunde mit der Bezirksrundschau in OÖ aufgewachsen ist und ich anhand der bekannten Ausgabe die RMA erklären kann. Wir haben 2011 eine Imagestudie bei Kunden gemacht und diese kürzlich wiederholt. Das Ergebnis zeigt eine sehr positive Entwicklung in der Wahrnehmung der RMA - da sind wir seit 2011 schon zwei Schritte weiter. Ein ganz anderes Thema ist, dass wir bemerken, dass es mit dem zunehmenden wirtschaftlichen Druck schwieriger wird das Dreieck Kunde, Agentur und Medium im Lot zu halten. Wenn Printumsätze zurückgehen, leiden auch die Agenturen und wenn dann noch die Kunden sparen, beginnt dieses Dreieck sich zu verformen.

Horizont: Was sind Gegenmaßnahmen und wie gut gelingt es etwa nationale Kampagnen regional oder lokal zu spielen?

Lassnig:
Es gibt inzwischen viele Cases - ein gutes Beispiel war letztes Jahr eine Bawag-Kampagne, die auf jeder Ebene mit mutierten Sujets stattgefunden hat. Das Bedürfnis nach Lösungen dieser Art steigt, auch weil sich viele Unternehmen aus Kostenbewusstsein verstärkt in Verbünden organisieren, die zentral, wie dezentral agieren. Das spielt uns in die Hände.

Horizont: Apropos wirtschaftlicher Druck - 2014 wurden die Lokalblätter Wörgler & Kufsteiner Rundschau und Brennpunkt Schwaz eingestellt. Sind das Einzelfälle?

Doppelhofer:
Wir als RMA stellen den Anspruch die Nummer eins Position in unserem Marktsegment langfristig zu sichern, dazu gehört eine entsprechende Profitabilität der Unternehmen. Nach den zitierten Einschnitten sind wir jetzt gut aufgestellt.

Lassnig:
Sie haben schon recht, in Zeiten wo es am Markt enger wird, muss man auch das eigene Haus prüfen. In Tirol ging es um Produkte, die einander sehr ähnlich waren, also Konkurrenz im eigenen Haus. Das waren Medien, die nicht zum Vermarktungsring zählten, mit den entsprechenden Ausgaben der Bezirksblätter Tirol deckt die RMA diese Gebiete auch weiterhin erfolgreich ab.

Horizont: Im Gegensatz zu Restösterreich mit Reichweiten von durchschnittlich 55 bis zu 70 Prozent je Bundesland fällt Wien mit rund 30 Prozent Reichweite der Bezirkszeitung ein wenig ab - ist das ein Thema für die RMA?

Doppelhofer:
Wien ist ein wichtiger Markt, aber wie wir wissen, ein umkämpftes Feld. Andere Verlage dringen zunehmend in unser Geschäftsfeld, den Gratiszeitungsmarkt, ein - man wird vom Jäger zum Gejagten.

Lassnig: Was sich hier am Markt abspielt ist kurios. Tageszeitungen, die früher gratis verteufelten wie Standard, Kurier oder Krone verteilen ihre Zeitungen jetzt zum Teil ebenfalls gratis und stellen Schütten auf. Die Medienwucht ist enorm. Hinzu kommt, dass in Wien rund 40 Prozent Werbeverweigerer sind, in den Bundesländern sind es vielleicht fünf Prozent. Das heißt die Grundgesamtheit für Gratismedien in Wien ist deutlich niedriger, da sind fast 30 Prozent Reichweite sehr beachtlich.

Horizont: Auch Horst Pirker als Geschäftsführer der Velagsgruppe News hat die Regionalisierung entdeckt. Wie gehen Sie damit um?

Lassnig:
Wir beobachten alle Entwicklungen im Markt, aber der Magazinmarkt funktioniert anders als der regionale und lokale Wochenzeitungsmarkt. Und das soll jetzt nicht überheblich klingen, aber Regionalität leben wollen und sie wirklich in die Fläche bringen, das sind zwei Paar Schuhe. Wir sehen täglich wie schwer das ist - der Spagat zwischen Zentralität und Dezentralität ist eine echte Herkulesaufgabe.

Horizont: Eine Frage noch, der langjährige Wirtschaftsblatt-Journalist Wolfgang Unterhuber übernimmt die Chefredaktion von Karin Strobl, wissen Sie bereits wer die Leitung des nationalen Key Account Managements von Andreas Rast übernehmen wird?

Doppelhofer:
Wir freuen uns über Wolfgang Unterhuber im Team, er bringt langjährige journalistische Erfahrung auf nationaler wie auf regionaler Ebene mit. Bis zu seinem offiziellen Start haben wir redaktionell auch eine sehr gute Interimslösung - rotierend führen die Bundesland-Chefredakteure für jeweils vier Wochen die nationale Chefredaktion. Die Entscheidung für einen neuen Nationalen Key Account Leiter braucht noch Zeit, Andreas Rast ist derzeit ja noch im Einsatz.

Horizont: Wäre die RMA nicht prädestiniert dafür auch einen Ring für die Bundesländer-Tageszeitungen hochzuziehen?

Lassnig:
Darüber haben wir nicht nachgedacht, aber ich glaube man sollte sich immer auf ein Produkt fokussieren und für uns sind das die Gratiswochenzeitungen. Wir haben viele Pläne und genug zu tun im eigenen Haus.

Dieses Interview erschien bereits am 6. Februar in der HORIZONT-Printausgabe 06/2015. Hier geht’s zur Abo-Bestellung.
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