Recht den Urhebern
 

Recht den Urhebern

Ian Ehm

Warum der aktuelle Vorstoß in Sachen Urheberrecht wichtig ist und was er der österreichischen Branche bringen kann. Leitartikel von Marlene Auer, Herausgeberin und Chefredakteurin.

Dieser Leitartikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 20/2018 erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Es war schon höchste Zeit dafür – die EU-Kommission arbeitet an einer Richtlinie zum Urheberrecht, das dem digitalen Zeitalter angepasst werden soll, kürzlich gab es dazu folgenden Vorschlag zur Neufassung: Suchmaschinen sollen künftig für Snippets und Texte etwa von Nachrichtenagenturen bezahlen. Sowohl die Europäische Allianz der Nachrichtenagenturen EANA (in der auch die APA Mitglied ist) als auch der Verband Österreichischer Zeitungen begrüßten den Vorstoß.

Österreich wird in diesem Thema eine tragende Rolle spielen, im zweiten Halbjahr 2018 übernimmt die Republik die EU-Ratspräsidentschaft und kann mit der damit verbundenen zusätzlichen Kraft aktuelle Entwicklungen wie diese besonders vorantreiben. Es ist für die Branche essenziell, dass es zu einer modernen Anpassung des Urheberrechts kommt, es geht nicht zuletzt um die Wertschöpfung im Land. Die Bereitschaft für Paid Content im Internet wächst zwar, aber auf niedrigem Niveau. Verlagshäuser kämpfen mit Premiumund Freemium-Modellen und versuchen die User zum Bezahlen ihrer Angebote zu bewegen. Trotzdem gestaltet es sich schwierig, zu groß ist das kostenlose Nachrichtenangebot im Netz. Zu groß ist auch die Marktmacht von Anbietern außerhalb des klassischen Mediengeschäfts, die den Abo-Markt aufmischen.

Die digitale Avantgarde von Amazon, Netflix, Spotify und Co erschafft Medienuniversen, die sich mit Konsumangeboten verzahnen und in sich geschlossene Systeme sind. Ein Abo beim Streaming-Dienst verhilft zum Rabatt bei der Tageszeitung, ein Kauf im Online- Shop führt zum vergünstigten Mediatheken- Angebot. Hinzu kommt eine gekonnt emotionale Ansprache der Abonnenten. Die Taktik hat sich im Vergleich zu vielen früheren Marketingstrategien geändert: Erst der Kunde, dann das Produkt. Es geht um die Bedürfnisse des Einzelnen, darauf werden dann die Angebote maßgeschneidert gezimmert. Amazon-Chef Jeff Bezos sagte unlängst: „Start with the customer and work backwards.“ In Amerika erhöht er gerade die Tarife – die große Abwanderung der Abonnenten blieb bislang aus.

Klar ist: Medienhäuser müssen sich bewegen, auch wenn sie an die Marktgröße eines Amazon niemals rankommen. Zusätzliche Angebote, zugeschnitten für die Zielgruppe, sind ein Schlüssel zur Bindung von Abonnenten. Klar ist aber auch: Der Wert journalistischer Arbeit sollte nicht weiter unter die Räder kommen. Derzeit spielt den klassischen Medienhäusern vieles in die Hände: der Datenschutzskandal von Cambridge Analytica, der Fake-Account-Fall von Facebook, die Intransparenz von Algorithmen. Klassische Medien – Print, TV, Radio – erreichen hingegen nach wie vor ihre Leser, Seher und Hörer; im öffentlichen Raum legt Out-of-Home- Werbung stark zu.

Die Arbeit von Redaktionen ist in Zeiten von Fake News essenziell und wird weiter an Bedeutung gewinnen. Umso mehr braucht es Unterstützung durch Regularien, die auch die finanziellen Grundlagen schaffen und eingebrochene oder bröckelnde Finanzsäulen der Verlagsszene ersetzen. So wie der Vorstoß in Sachen digitaler Betriebsstätten, ist auch die Neufassung des Urheberrechts damit ein wertvoller Beitrag und ein Schritt in die richtige Richtung.

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