Quo vadis, Videoaustausch-plattform?
 

Quo vadis, Videoaustausch-plattform?

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Durch die Einwände der Bundeswettbewerbsbehörde stand das Projekt Videoaustauschplattform lange auf Pause. Doch in diesem Jahr könnte es endlich starten.
Durch die Einwände der Bundeswettbewerbsbehörde stand das Projekt Videoaustauschplattform lange auf Pause. Doch in diesem Jahr könnte es endlich starten.

Die seit Jahren geplante Videoaustauschplattform zwischen ORF und VÖZ macht Probleme. Mit der APA soll nun alles besser werden

Dieser Artikel erschien bereits am 15. Jänner in der HORIZONT-Printausgabe 1-2/2016. Hier geht's zur Abo-Bestellung.

„Ich will nicht, dass sich das ewig hinzieht. Davon hat niemand etwas – auch die Unternehmen nicht“, sagte Theodor Thanner, Generaldirektor der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB), in einem Interview mit dem Standard. Nur: Das Interview stammt aus dem September 2014. Vordergründig ist seitdem, nett gesagt, wenig passiert. Gemeint ist die Videoaustauschplattform, die der ORF in ­Kooperation mit dem VÖZ bereits seit Ende 2012 an den Start bringen will. Die Idee dahinter: Der ORF stellt seine Videos zur Verfügung, die Zeitungen können diese dann auf ihren Webseiten nutzen. Die Einnahmen aus der Vermarktung könnte man sich aufteilen. Kolpiert werden unterschiedliche Verteilungsschlüssel.

Die Vermarktung ist aber ein heikles Thema, auch, weil der ORF eigentlich sehr ­beschränkt ist, wenn es um die ­Vermarktung der TVthek geht. Die Privatsender laufen deshalb schon lange Sturm gegen das geplante Projekt. ProSiebenSat.1 Puls 4-Geschäftsführer Markus Breitenecker bezeichnete die Kooperation zwischen ORF und VÖZ bereits im Jänner 2013 als „Kartell der Verlierer“. Breitenecker damals: „Es ist doch eine Selbstaufgabe, auf den eigenen Seiten die ORF-Inhalte zu promoten.“ Heute will man sich bei Puls 4 zu der geplanten Videoaustauschplattform gegenüber HORIZONT nicht äußern. 

BWB macht Probleme



2015 war für die beteiligten Parteien ein schwieriges Jahr. ORF-Chef Alexander Wrabetz sagte im August 2015 in einem Interview mit dem Standard, die Videoaustauschplattform sei schwer umzusetzen – „wenn überhaupt“. Wrabetz weiter: „Es gab mehrere Gespräche mit der Bundeswettbewerbsbehörde. Sie deuten darauf hin, dass die Behörde uns da so viele Probleme bereitet, dass die ursprünglich geplante Form nicht umsetzbar sein wird.“ Inzwischen hat die APA die Federführung des Projekts übernommen, weshalb man beim ORF derzeit nicht viel sagen will. Vom Küniglberg heißt es auf HORIZONT-Nachfrage ­lediglich: „Wenn alle rechtlichen ­Prüfungen und behördlichen Genehmigungsverfahren wie geplant abgeschlossen werden können, ist ein Start Mitte des Jahres möglich." ORF-­Finanzdirektor Richard Grasl hatte noch im September 2015 einen Start Anfang 2016 in Aussicht gestellt. ­Eigentlich sollte es ja ohnehin schon viel früher losgehen.

Mitteilungsfreudiger zeigt man sich bei der APA. Peter Kropsch, Vorsitzender der Geschäftsführung, sagt zu HORIZONT: „Es war aus Sicht der APA immer geplant, mit Quartal zwei 2016 zu starten.“ Man arbeite derzeit an den technischen, rechtlichen und administrativen Details, wie etwa den Kooperationsverträgen. „Der Start wird auch von notwendigen Genehmigungen der ORF-Gremien abhängen“, sagt Kropsch. Zum Start rechne er mit „etwa zehn Teilnehmern“. 

Offene Plattform



Die wichtigste Neuerung, seitdem die APA das Ruder beim Projekt übernommen hat: Es geht nicht mehr nur um eine Kooperation zwischen ORF und VÖZ. „Das Projekt wird als offene Plattform gestaltet, die sowohl auf Seiten der Content-Provider als auch auf Seiten der Bezieher von Inhalten allen Medienhäusern mit redaktionellem Kerngeschäft offen steht“, sagt Kropsch. Das heißt: Alle Medienhäuser, also auch etwa Puls 4, ATV oder Servus TV, können Inhalte liefern. Zudem dürfen diese Inhalte von ­allen Medien genutzt werden – sofern sie die entsprechenden Verträge unterzeichnen.

Zur Erinnerung: Die Mediengruppe Österreich wandte sich Anfang 2015 an die BWB. Allerdings nicht, um das Projekt zu verhindern. Weil man nicht Mitglied beim VÖZ ist, wäre man nach damaligem Stand vom Projekt ausgeschlossen gewesen. Nun könnte also auch die Mediengruppe Österreich die auf der Plattform bereitgestellten Videos nutzen. Ein kleiner Haken aber bleibt: Die BWB muss das Projekt noch offiziell durchwinken.

Verschiedene Interessen



Ansonsten ist die Gemengelage beim Thema Videoaustauschplattform kompliziert. Der VÖP würde das Projekt wohl am liebsten verhindern. Geschäftsführerin Corinna Drumm sagt zu HORIZONT: „Dem ORF wurden – auch aus Gründen des Wettbewerbsschutzes – besondere Vermarktungsbeschränkungen für die TVthek auferlegt. Es muss sichergestellt sein, dass diese spezifischen Vermarktungsverbote nicht umgangen werden, indem die Inhalte Dritten zur Nutzung und eben auch zur Vermarktung zur Verfügung gestellt werden.“ Hinzu kämen, so Drumm, „wettbewerbsrechtliche Bedenken, die sich auf der marktdominanten Position des ORF in Verbindung mit seiner staatlichen Subventionierung gründen“. Man sehe das geplante Projekt äußerst skeptisch. 

Die Styria Media Group erklärte in den vergangenen Jahren mehrfach, sie habe kein Interesse an ORF-Videos auf ihren Webseiten. „Wir halten das für Kerngeschäft und werden unsere Zeitungsmarken-Portale nicht mit ­anderen Medienmarken verwässern“, sagte Styria-Vorstand Klaus Schweighofer 2014 der APA. Im April 2015 legte er nach und erklärte im trend: „Ich bezweifle, ob das der Trennung zwischen öffentlich-rechtlich und privat entspricht, so wie es die ­Verfassung vorsieht.“
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