Presserat: Getarnte Werbung über Gesichtsstra...
 

Presserat: Getarnte Werbung über Gesichtsstraffung auf gesund24.at

Österreichischer Presserat
Der Presserat sieht seinen Ehrenkodex durch das Portal "gesund24.at" verletzt.
Der Presserat sieht seinen Ehrenkodex durch das Portal "gesund24.at" verletzt.

Der Senat 3 des Presserats beschäftigte sich mit dem Artikel "Hyaluron: Straff ohne OP", der auf dem Portal "gesund24.at" erschienen ist. Nach Meinung des Senats verstößt dieser Artikel gegen die Punkte 3 (Unterscheidbarkeit) und 4 (Einflussnahme) des Ehrenkodex für die österreichische Presse.

Im Artikel "Hyaluron: Straff ohne OP", der auf dem Portal "gesund24.at" erschienen ist, wird über "Liquid Lifting", eine Methode der Gesichtsstraffung, berichtet. Darin kommt auch eine "Beauty-Spezialistin" zu Wort, die das Verfahren erklärt. Darüber hinaus findet sich in dem Artikel folgende Passage: "Straff gespannte Gesichter wie nach einem Facelifting gehören der Vergangenheit an. Natürlich frisches Aussehen ist gefragt. Abgesunkene Gesichtspartien sanft anheben ohne großen chirurgischen Eingriff und ohne lange Ausfallzeiten - dies ist mit dem 'Liquid Lifting' möglich. Zwischen 15 und 30 Minuten dauert der schmerzlose und risikoarme Eingriff." Im Anschluss an den Artikel findet sich ein Hinweis auf ein Beratungsgespräch und ein Link führt zur entsprechenden Homepage.

Nach Meinung des Senats wird in dem vorliegenden Artikel eine Sprache verwendet, die für Werbung und PR üblich ist. Das Thema "Liquid Lifting" wird unkritisch und unreflektiert aufbereitet, ein spezielles Unternehmen wird herausgegriffen und beworben. Die Ausführungen am Ende des Artikels erinnern an einen Werbeprospekt einer Schönheitsklinik. Die Verlinkung auf die Homepage des gelobten Unternehmens bestätigt den Werbecharakter des Artikels. Der Senat geht daher im vorliegenden Fall nicht von einem unabhängig und gewissenhaft recherchierten Artikel aus.

Eine Kennzeichnung des Artikels als "Werbung", "Anzeige" oder dergleichen ist nicht erfolgt. Die optische Aufmachung unterscheidet sich nicht von der eines unabhängigen redaktionellen Artikels. Die Leser werden hier offenbar gezielt in die Irre geführt, indem ihnen ein Werbebeitrag formal wie redaktionelle Inhalte präsentiert wird. Dies verstößt gegen die Punkte 3.1 (Unterscheidbarkeit zwischen Tatsachenberichten und Fremdmeinungen) sowie 4.1 (unzulässige Einflussnahme von außen).

Im vorliegenden Fall führte der Senat 3 des Presserats ein selbstständiges Verfahren aufgrund einer Mittleitung eines Lesers durch. Der Senat fordert die Medieninhaberin auf, die Entscheidung freiwillig auf "gesund24.at" zu veröffentlichen. Die Medieninhaberin von "gesund24.at" hat von der Möglichkeit, an dem Verfahren teilzunehmen, keinen Gebrauch gemacht.
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