Pokémon Go: Schlechte News sind gute News
 

Pokémon Go: Schlechte News sind gute News

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Kommentar von Jakob Steinschaden

Eine Frau findet eine Wasserleiche beim Spielen. Die Server halten nicht. Die App ist nur in ausgewählten Ländern verfügbar. Räuber lauern den Spielern auf. Das Game hat ein Datenschutzproblem. Holocaust-Gedenkstätten wollen Zockern den Zutritt verbieten. Im Morgenradio warnt die Polizei vor möglichen Unfällen.


Trotzdem, oder eigentlich gerade deswegen: Die digitale Welt hat einen neuen Überhit. „Pokémon Go“ ist ein neues Smartphone-Spiel von Nintendo, mit dem Nutzer draußen auf die Jagd nach virtuellen Monstern gehen können. Per Augmented Reality werden ins Bild der Smartphone-Kamera virtuelle Objekte und Figuren eingeblendet mit denen man interagieren kann. Prinzipiell gratis, kann man sich im Spiel gegen Geld Zusatzfunktionen kaufen, um schneller ans Ziel zu kommen. Pro Tag soll Nintendo damit allein in den USA mehr als 1,6 Millionen Dollar verdienen, und bald sollen Firmen in der App Shops, Museen und Restaurants bewerben können.


Wie hat Nintendo diesen Übernachterfolg bloß geschafft? Viel ­Werbung wurde nicht dafür gemacht, Anzeichen, dass die App mit Social-Media-Ads gepusht wurde, gibt es auch keine. Vielleicht gibt es gar keinen Masterplan oder Geheimrezept, sondern lediglich folgende Lektion: „Pokémon Go“ ist die Antithese zum Perfektionismus von Apple. Weil negative Presse oft ziemlich positive Effekte haben kann.
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