Pioneers Festival startet mit Flugauto
 

Pioneers Festival startet mit Flugauto

Der Wiener Start-up-Event, der zum dritten Mal in der Hofburg stattfindet, hielt bei der Eröffnung am Mittwoch neben Unternehmenschefs und Politikern auch eine Weltpremiere bereit: Das AeroMobil 3.0

Es begann mit einem inszenierten Beschwörungstanz eines Roboterarms und einem Publikumsgruß ins Internet und ging in diesem Ton auch gleich weiter: „Mit Technologie können wir die größten Herausforderungen der Zukunft meistern“, sagte Jürgen Furian, Mitgründer des Wiener Pioneers Festival, das zum dritten Mal in Folge in der Wiener Hofburg stattfindet und am Mittwochmorgen eröffnet wurde. Begrüßt wurden 2.500 Gäste aus 80 Ländern und 80 Start-ups, die in den Räumlichkeiten der Hofburg ihre Ideen an kleinen Ständen ausstellen.

Ein Fokus der Veranstaltung, die wesentlich von Business Angel Hans Hansmann, dem österreichischen Start-up-Investor SpeedInvest sowie großen Partnern wie A1, Cisco, ProSiebenSat.1, dem Austria Wirtschafts Service oder dem japanischen Druckerhersteller Konica Minolta getragen wird: die Vernetzung der New Economy mit der Old Economy.

„Wir wollen mit Garagenfirmen zusammenarbeiten und sie nicht nur erschreckt anstarren“, sagte etwa A1-Chef Hannes Ametsreiter, der auf den A1 Startup Campus hinwies, der einigen österreichischen Jungfirmen im Technologiebereich neben Bürofläche auch Hardware und Hilfestellung von A1-Mitarbeitern zu Verfügung stellt. Durch den mexikanischen A1-Mehrheitseigner América Móvil hätten Start-ups via A1 die theoretische Chance, einen potenziellen Weltmarkt von 350 Millionen Kunden zu erreichen.

Firmen suchen Start-ups

“Wir wollen das nächste Zehn-Milliarden-Business entdecken”, sagte Dennis Curry von Konica Minolta. Die japanische Firma verkündete im Rahmen des Pioneers Festival, zehn Millionen Euro für europäische Start-ups bereitstellen zu wollen. Der Event biete seiner Firma die Chance, solche vielversprechenden Start-ups zu entdecken. Auch die Veranstalter selbst wollen dieses Geschäft vorantreiben: Mit “Pioneers Discover” stellte man ein Programm vor, in dem man erste Finanzierung für Start-ups gemeinsam mit SpeedInvest anbietet.

Wichtig ist den Veranstaltern des Pioneers Festival auch der Schulterschluss mit der Politik. Der österreichischen Regierung wurde in der jüngeren Vergangenheit (siehe HORIZONT-Interview mit Christpoh Jeschke und Business Angel Werner Wutscher) immer wieder vorgeworfen, nichts für die heimische Start-up-Szene zu tun. Harald Mahrer (VP), Staatssekretär im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, sagte bei der Eröffnung immerhin: „Die Politik muss das richtige rechtliche Rahmenbedingungen schaffen, den Rest muss der Markt erledigen.” Konkrete Verbesserungen, die in Planung wären, nannte er aber nicht. Mahrer gilt in der Szene als Hoffnungsträger für die Start-up-Thematik, weil er selbst in dem Bereich tätig ist.

AeroMobil 3.0 als Weltpremiere

Eines der großen Highlights des ersten Tages des zweitägigen Events war die Weltpremiere von AeroMobil 3.0 der slowakischen Entwickler Juraj Vaculik und Stefan Klein: ein fliegendes Auto. Die Inspiration, ein tatsächlich flugfähiges Automobil zu entwickeln, hat ihre Wurzeln noch in der Zeit des Eisernen Vorhangs, als sie davon träumten, dieses “Gefängnis” einfach verlassen zu können. Ein fliegendes Auto könne das Problem der Blechlawinen auf den Straßen lösen, Kurzstreckenflüge ersetzen und in Gegenden zum Einsatz kommen, wo es keine Straßeninfrastruktur gibt.

“Transport ist für uns eines der großen kommenden Themen”, so die AeroMobil-Gründer. Sie seien nicht die einzigen Verrückten, die fliegende Autos entwickeln würden, auch im Militärbereich würde es solche Experimente geben. Deswegen hätte man sich schnell wichtige Patente und Trademarks gesichert und das Team auf zwölf Vollzeit- und sechs Halbzeitmitarbeiter aufgestockt.

In den vergangenen zehn Monaten hätte man den neuen “Flying Roadster”, also ein Hybrid aus Sportauto und Miniflugzeug, fast fertig entwickeln können. Das Auto könne vollautomatisch landen, der Lenker braucht einen Pilotenschein und 40 Stunden Training. Das Fahrzeug tankt herkömmliches Benzin und lässt sich einfach in der eigenen Garage unterbringen. Den Preis wollten die Macher noch nicht verraten, er dürfte sich aber zwischen den Kosten für ein Luxussportauto und einem Kleinflugzeug bewegen. Die Videopräsentation des AeroMobil 3.0 brachte Vaculik und Klein tosenden Applaus am Pioneers Festival ein: “Träume werden wahr, manchmal muss man eben 20, 25 Jahre drauf warten”, gaben die AeroMobil-Macher den Entwicklern vor Ort mit auf den Weg.
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