ORF bleibt am Küniglberg
 

ORF bleibt am Küniglberg

Und: ORF schreibt 2013 schwarze Zahlen durch rigoroses Sparpaket

Man traf sich im bunten Retro-gestylten 25hours Hotel - im Dachgeschoss, mit Blick über Wien. Zunächst wollte das Führungsduo des ORF, Alexander Wrabetz und Richard Grasl, zunächst aber nur über das Geschäftsergebnis reden.

Aber trotzdem ist durchgesickert: Nach langem Ringen hat sich der ORF festgelegt: Man plant auf dem Küniglberg zu bleiben, hier in den nächsten Jahren diverse Anpassungsmaßnahmen und Erneuerungen vorzunehmen und das Unternehmen zusammenzuführen.

Es macht den Anschein, dass die Diskussionen rund um den Standort St. Marx somit beendet zu sein scheinen, am 6. März muss diese Entscheidung nun noch den Stiftungsrat passieren. Das heißt ORF-General Alexander Wrabetz und Finanzdirektor Richard Grasl haben dem obersten Aufsichtsratsgremium und seinen 35 Mitgliedern bereits einen Antrag übergeben, der die Stiftungsräte auf die notwendigen nächsten Schritte vorbereiten und die Standortfrage endgültig entscheiden soll.

Konsolidierung der Standorte des ORF

"Als ökonomisch wie auch strategisch sinnvollsten Schritt" bezeichnen Grasl und Wrabetz die Entscheidung. "Die Konsolidierung der bisherigen Standorte auf dem Küniglberg wird die Aufwendungen des Unternehmens mittelfristig um jährlich zehn Millionen Euro entlasten", betont die ORF-Spitze. "Diese Mittel - investiert in das Programm - und die qualitativen Vorteile aus den redaktionellen und technischen Synergien werden das Unternehmen weiterbringen."

"Das wichtigste Projekt bis 2020 ist ein zentraler integrierter Newsroom", betont Wrabetz, der seit 2007 den Chefsessel beim ORF inne hat, "unser Portfolio wächst kontinuierlich weiter, aber das Personal wird nicht wachsen, daher werden wir auch Synergien zwischen den Medien nützen und den ORF zukunftssicher aufstellen müssen."

Nicht im 13. Bezirk am Küniglberg sind derzeit das Radio-Funkhaus Wien (Argentinierstraße), Ö3 (Heiligenstädter Länder), Teile von ORF Online, aber auch die Vermarktungsgesellschaft ORF Enterprise.

ORF schreibt schwarze Zahlen


Eigentlich wollte das Führungsduo beim Hintergrundgespräch aber vor allem die positiven wirtschaftlichen Entwicklungen in den Fokus rücken. "Wir hatten schwierige Jahre, aber ein konsequentes Management hat uns zurück in stabile schwarze Zahlen gebracht", analysierte Wrabetz.

Das Personal wurde seit 2007 von 3.712 auf 3.105 Mitarbeiter reduziert. "All das bei einer Erweiterung des Leistungssprektrums mit ORF Sport+, ORF 3 und App-Innovationen. Allein 50 Mitarbeiter arbeiten in den neuen Bereichen", informiert Wrabetz, "womit der reale Personalabbau noch höher ist".

Zu den Zahlen gab Finanzdirektor Grasl Auskunft: Die ORF-Mutter (Tochtergesellschaften sind zum Beispiel die ORF Enterprise, ORS oder ORF Marketing) bilanzierte 2013 mit 6,7 Millionen Euro Gewinn, nach 0,5 Millionen Euro 2012. Der Gesamtkonzern lag bei 8,7 Millionen Euro gegenüber 3,4 Millionen 2012. Das bedeutete für 2013 einen Umsatz von der Mutter von 959,3 Millionen Euro, 2012 wurden 933,2 Millionen umgesetzt.

615 Millionen Euro (plus 20 Millionen zu 2012) davon kamen über Gebührengelder ins Haus, 210 Millionen (versus 208 Millionen 2012) mittels Werbung, wobei das Minus durch einen Rückgang von Radio zustande kam, TV, das mit einem leichten Plus abschloss, konnte dieses Minus nicht ganz wettmachen. 137,5 Millionen waren sonstige Einnahmen (z.B. Wertpapiererlöse mit 13 Millionen).

"Die Gebührenrefundierung", so Wrabetz, "wird wohl nicht kommen, wenn wir auch an der Forderung festhalten werden, um einen Mehrwert bieten zu können". Denn man brauche Reserven für Standortmaßnahmen und man wolle die Programmbudgets dabei nicht belasten. Seit 2009 hatte der ORF zweimal 50 sowie zweimal 30 Millionen Euro an Refundierung erhalten.

Sieben Millionen für Handshakes

Da ein weiterer Personalabbau wohl stattfinden wird (auf dem Prinzip der Freiwilligkeit basierend, wird Mitarbeitern ab bestimmten Jahrgängen auch 2014 die Möglichkeit zu einem finanziellen Abgangsangebot gelegt), wurden sieben Millionen Euro bereits für Handshakes zurückgelegt. 2013 wurden mit 14 Millionen 100 Personen in den freiwilligen frühzeitigen Ruhestand geschickt.

"Wir haben gerade das dritte Sparpaket geschnürt und im sozialpartnerschaftlichen Frieden durchgebracht. Hiermit unser großes Dankeschön an die Belegschaft und ihre Vertreter!", ergänzen Grasl und Wrabetz. Auch die Geschäftsfühung hat ihren Beitrag geleistet und im Zuge der Sparmaßnahmen auf Bonuszahlungen verzichtet.
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