Open Data: "Wirtschaft noch nicht aufgesprung...
 

Open Data: "Wirtschaft noch nicht aufgesprungen"

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Am Tag 1 der Medientage diskutierten Experten zum Thema "Offene Stadt - Offener Diskurs" und berichteten von ersten Erfolgen, aber auch Schwächen der Open-Government-Bewegung - Chance für den Daten-Journalismus

Ein neues Thema für die Österreichischen Medientage ist "Open Data". Nachdem Städte wie Wien oder Linz Verwaltungsdaten via Internet zur freien Verwendung zur Verfügung stellen, wird das Thema immer wichtiger. Bei der Podiumsdiskussion "Offene Stadt - Offener Diskurs" sprachen Daniela Kraus, Forum Journalismus und Medien Wien, Peter Parycek von der Donau Universität Krems, Regina Schuhmayer von der Gemeinde Engerwitzdorf, Johann Mittheisz von der Stadt Wien, Robert Harm von der Initiative open3.at und Alexander Schuch, Entwickler der App "Parken Wien" über die Potenziale von offenen Daten für die Bürgerpartizipation.

Dutzende Open-Data-Apps


Derzeit gebe es 182 Datensätze im Internet zur freien Verwendung, auf deren Basis bis dato 61 Apps erstellt worden seien, sagte Mittheisz von der Stadt Wien. Apps wie die "Toilet Map", "Willi" oder "Parken" Wien seien tolle Beispiele, wie nützliche Anwendungen mit den offenen Daten geschaffen worden seien. Im Schnitt würden die Open-Data-Apps 4500 Mal herunter geladen werden, übrigens auch von Touristen, für die die Apps ebenfalls wertvoll seien. Aber: "Die Open-Government-Bewegung ist noch nicht nachhaltig genug, und die Wirtschaft und die Medien sind noch nicht aufgesprungen", kritisierte Mittheisz. Bis dato würde der Wertzuwachs für die Stadt Wien durch Open Data etwa 300.000 Euro betragen.

Chance für den Daten-Journalismus


Daniela Kraus sagte, dass Open Data großes Potenzial für den neu entstehenden Daten-Journalismus hätte. "Offshore-Leaks" sei ein Vorzeige-Projekt, an dem Dutzende Journalisten grenzübergreifend zusammengearbeitet hätten - nur so sei es möglich gewesen, die 2,5 Millionen Datensätze überhaupt aufarbeiten zu können. Auch der britische "Guardian" oder "Zeit Online" sei bereits sehr weit in dem Bereich. Auch die Kooperation von HORIZONT und Paroli zur Medientransparenz wurde lobend erwähnt. Eine Aufgabe von Daten-Journalisten sei auch, die aggregierten Daten auch anderen zur Verfügung zu stellen.

"Revival der Gemeingüter"

"Die Fähigkeit der Individuen, zu kommunizieren, ist in den letzten fünf bis zehn Jahren exponentiell angestiegen", sagte Peter Parycek, Forscher an der Donau-Universität Krems. Das dezentrale Netz der Daten würde eine neue Möglichkeit zur Zusammenarbeit ermöglichen. "Wikipedia gehört niemanden, es gehört uns gemeinsam. Wir erleben ein Revival der Gemeingüter im Digitalen", so Parycek. 3D-Drucker würden diese Entwicklung künftig weiter vorantreiben. Diese gesellschaftlichen Veränderungen wären die Grundlage für offene Daten. In Anlehung an Tim Berners-Lee forderte Parycek, dass alle Daten frei herausgeben sollten, aber Europa würde dem anglo-amerikanischen Raum hinterherhinken. Immerhin sei die Stadt Wien in Europa auf dem Gebiet führend.
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