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Debatte

Heimische Onlinevertreter warnen offen vor Werbung auf Twitter

Georg Wilke
Eugen Schmidt (AboutMedia), Leiter des Online-Vermarkterkreises im iab austria
Eugen Schmidt (AboutMedia), Leiter des Online-Vermarkterkreises im iab austria

Der Online-Vermarkterkreis befürchtet 'weitreichende negative Auswirkungen für Werbetreibende durch erratische Entscheidungen des neuen Twitter-Eigentümers'. Insider kritisieren gegenüber HORIZONT die vom OVK verbreiteten Zahlen und sehen diese als falsch an.

"Laut Spending-Studie von iab austria und Momentum Wien werden jährlich rund drei Millionen Euro von österreichischen Unternehmen auf Twitter ausgegeben, das bis zur Übernahme durch Musk hierzulande etwa 160.000 User zählte." Mit dieser Aussendung sorgte am Dienstag der Online-Vermarkterkreis für Aufruhr. Einige Branchenkenner kritisieren diese Statements gegenüber HORIZONT, weder die zitierten User-Zahlen noch die genannten Spending-Summen würden stimmen. Tatsächlich liefert der Statista Global Consumer Survey aus dem August diesen Jahres für Twitter in Österreich eine Reichweite von 18 Prozent – und damit deutlich mehr als die genannten 160.000 User. Twitter selbst liefert über seinen Ads Manager eine potentielle Reichweite von 1,1 bis 1,2 Millionen Usern aus. Offizielle Werte dazu als auch zu den Spendings liefert das Unternehmen wie andere US-Konzerne traditionell nicht.


Beim OVK jedenfalls heißt es weiter: Massive Umsatzeinbrüche und eine ungewisse Zukunft seien nur Teil der aktuelle Probleme von Twitter, auch öffentliche Drohungen Musks gegen abtrünnige Werbekunden würden für eine weitere Polarisierung sorgen. "Umfeldsicherheit ist das dominierende Thema in der gesamten Digitalwirtschaft. In Zeiten der kollektiven Unsicherheit durch multiple Krisen haben Marken eine hohe Verantwortung, verlässliche Partner der Menschen zu sein und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Jede Investition in Twitter stellt derzeit nicht nur eine Förderung der Polarisierung dar, sondern birgt negative Auswirkungen auf das eigene Geschäft", warnt Eugen Schmidt (AboutMedia), Leiter des OVK im iab austria, "User:innen kehren nicht nur Twitter den Rücken, sondern auch Marken, die in diesem Umfeld ungeachtet aller negativen Folgen der Übernahme durch Musk werben."

Im Gegensatz zu vielen US-Tech-Giganten würden heimische Publisher Werbetreibenden nicht nur verlässlich und transparent geprüfte Reichweiten, sondern auch ein vertrauenswürdiges Umfeld bieten. "Österreichische und europäische Publisher tätigen hohe Investitionen in das verlässliche und glaubwürdige Umfeld und fördern unabhängigen, fundierten und anständigen Journalismus. Nicht nur Medien haben eine große Verantwortung gegenüber ihren User:innen. Werbetreibende entscheiden mit ihren Spendings häufig über die Existenz von Medien", so der Leiter des Online-Vermarkterkreises weiter.

"Marken und Firmen haben eine medienpolitische Verantwortung, die von ihren Konsument:innen verstärkt wahrgenommen wird. Eine verantwortungsvolle Werbestrategie zahlt direkt auf den Shareholder Value ein. Wer sich für ein hasserfülltes, negatives und unsicheres Umfeld entscheidet, verliert zwangsläufig Käufer:innen, welche diese Marken boykottieren", mahnt Schmidt abschließend.

Hinweis der Redaktion: Teile des Artikels wurde nach Erscheinen ergänzt und adaptiert. 

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