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Österreichische Blockchain Artis als Chance für Abo-Modelle

Karl Schrotter

Eine neue österreichische Blockchain namens Artis soll die Sharing Economy revolutionieren. Das Modell ist auch für Medien attraktiv - vor allem in Sachen Abo-Modelle.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 16/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

In den vergangenen Monaten ist das Thema Blockchain vor allem mit Kryptowährungen und dem volatilen Bitcoinkurs in Verbindung gebracht worden – nun soll eine in Österreich entwickelte Blockchain aber Anwendungen im echten Leben ermöglichen, die auf dem dezentralen System der Technologie basieren.

„Artis“ heißt das Projekt, das aus einer Kooperation des Grazer lab10 und des Instituts für Kryptoökonomie entstanden ist und Mitte April in Wien vor rund hundert geladenen Gästen präsentiert wurde. Das Besondere an Artis sind die sogenannten „Streems“, die einen zeitbasierten Geldfluss zwischen zwei Teilnehmern auf der Blockchain ermöglichen. Diese Streems können vor allem in der Sharing Economy verwendet werden, wenn zum Beispiel ein Blockchain- Teilnehmer das Auto eines anderen verwendet: Mit Beginn der Leihdauer beginnt das Geld zu fließen, bei Beendigung wird der Geldfluss automatisch gestoppt. Der Zugang in das Artis-Ökosystem soll über die „Minerva“-App gelingen, die gleichermaßen Chat-, Vertragsabschlussund Zahlungsmanagement-Tool ist.

Abo per Blockchain

Laut lab10-Vorstand Thomas Zeinzinger können die Streems aber auch in der Medienbranche eingesetzt werden – allem voran bei der Verwaltung digitaler Abonnements. So könnte mit Beginn des Abos der Geldfluss starten, bei Kündigung endet er automatisch. Für das Medienunternehmen ergibt sich laut Zeinzinger der Vorteil, dass das Geld sofort mit Erbringung der Leistung fließt, es ist also weder eine Vorleistung noch ein Forderungsmanagement nötig. Der Kunde wiederum profitiert davon, dass er sich nicht registrieren muss und auch keine Kreditkarte braucht: Stattdessen zahlt er mit einem digitalen Token, der einen fixen Wechselkurs zum Euro hat. Das Problem des volatilen Bitcoin-Kurses entfällt somit hier ebenfalls. Möglich wäre es auch, das durch die Streems erwirtschaftete Geld einzelnen Journalisten und ihren Artikeln zuzuordnen.

Ein anderes Blockchain-Projekt für die Medienbranche präsentierte Ende 2017 Welt der Wunder TV mit der Blockchain MILC: Hier liegt der Fokus darauf, digitale Media-Assets ohne Mittelmänner über die Blockchain zu handeln. Auch dies ist laut Zeinzinger mit Artis möglich – denn das Besondere an der Austro-Blockchain sind zwar die zeitbasierten Streems, herkömmliche Einmalzahlungen sind jedoch ebenfalls denkbar. Auch Lösungen wie jene von d.tube – eine Videoplattform, bei der die Produzenten von den Usern via Blockchain bezahlt werden – seien mit Artis umsetzbar.

Grüner, fairer, breiter

Außerdem möchte sich Artis auf technischer Ebene jener Probleme annehmen, unter denen andere Blockchains leiden. Zum Beispiel das Thema der Skalierbarkeit. Denn bei bestehenden Blockchains ist die Zahl der Transaktionen stark limitiert, bei Bitcoin zum Beispiel sind laut Zeinzinger nur sieben Transaktionen pro Sekunde möglich – Artis wiederum baut auf dem für smarte Verträge entwickelten Blockchain-Netzwerk Ethereum auf und soll zwischen 200 und 2000 Transaktionen pro Sekunde ermöglichen. Möglich wird dies auch dadurch, dass im Gegensatz zur Bitcoin- Blockchain hier die beteiligten Computer nicht um die Wette rechnen, sondern aus dem bestehenden Pool ein Computer ausgewählt wird, der die nötige Rechenleistung für die Transaktion erbringt. „Dadurch verbraucht Artis weniger Strom, ohne an Dezentralität zu verlieren“, sagt Zeinzinger. Als dritte Verbesserung neben der höheren Skalierbarkeit und dem grüneren Rechenkonzept führt Zeinzinger das Verteilungsproblem an: Während bei der Bitcoin-Blockchain die Besitzverhältnisse der Bitcoins sehr unregelmäßig verteilt sind, soll bei Artis jeder User bei der Registrierung Coins geschenkt bekommen. „Über 75 Prozent der Coins gehen somit an individuelle Menschen“, sagt Zeinzinger.

Bis die Austro-Blockchain jedoch einsatzbereit ist, wird noch Zeit vergehen. Im Dezember soll Artis live gehen, 2019 wird schrittweise alles hochgefahren, ab 2020 will man den Fokus auf Wachstum legen.

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