Österreich bekommt einen Roboter-Rat
 

Österreich bekommt einen Roboter-Rat

Johannes Zinner
TechnologieministerJörg Leichtfried beim Patente-Cocktail des Österreichischen Patentamtes.
TechnologieministerJörg Leichtfried beim Patente-Cocktail des Österreichischen Patentamtes.

Ein neues Beratungsgremium wird mit dem Infrastrukturministerium Chancen und Risiken von Robotik und künstlicher Intelligenz überprüfen.

Infrastrukturminister Jörg Leichtfried setzt einen Roboter-Rat für Österreich ein. Gemeinsam mit dem neuen Beratungsgremium wird das Infrastrukturministerium eine Strategie entwickeln, wie Östereich bei Robotik und künstlicher Intelligenz Chancen nützen und Risiken besser kontrollieren kann. Der Rat wurde bei den Technologiegesprächen in Alpbach vorgestellt – gemeinsam mit einer bundesweiten Umfrage zur Akzeptanz von Robotern in der Bevölkerung.

Vorsitzende des Roboter-Rates, der sich mit technischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen, beschäftigen soll, wird die Universitätsprofessorin Sabine Köszegi, die derzeit an der TU-Wien lehrt und das Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation leitet. Sie greift im Roboter-Rat auf ein achtköpfiges Team aus internationalen und österreichischen Expertinnen und Experten zu – von Arbeitswelt über Informatik bis zu Roboter-Ethik. Als Arbeitsbudget stellt das Infrastrukturministerium eine Million Euro zur Verfügung. Der Roboter-Rat wird noch im Herbst die Arbeit aufnehmen.

Wo geht die Reise hin?
Infrastrukturminister Jörg Leichtfried: „Roboter übernehmen immer mehr Aufgaben in unserem Alltag. Sie helfen etwa beim Putzen im Haushalt oder am Fließband in der Fabrik. Daran knüpfen die Österreicherinnen und Österreicher viele Erwartungen, aber auch Sorgen. Das nehmen wir ernst. Darum haben wir den Roboter-Rat ins Leben gerufen. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten erarbeiten wir einen Plan, wo und wie Roboter in unserem Leben einen Platz haben werden. Wir entscheiden, wo die Reise hingeht. Der Mensch muss dabei immer im Mittelpunkt stehen.“ Leichtfried verwies in diesem Zusammenhang auch auf eine vom Ministerium beauftragte Umfrage, derzufolge rund zwei Drittel der Bevölkerung wollen, dass sich Österreichs Politik dieses Themas stärker annimmt und eine Strategie zum Umgang mit Robotern für das Land erarbeitet.

Sabine Köszegi, die Neo-Vorsitzende des Rats für Robotik, meinte: „Roboter-Technologie ist weder gut noch böse. Erst ihr konkreter Einsatz birgt Potenziale und Risiken für Mensch und Gesellschaft. Daher ist es wichtig, eine sorgsame Strategie im Umgang mit dieser Technologie zu erarbeiten. Die Entwicklungen in der Robotik sind rasant. Selbst die Fachleute verlieren hier leicht den Überblick. Der Robotik-Rat soll daher auch Information für die breitere Öffentlichkeit aufbereiten und zu einer sachlichen Diskussion rund um das Thema beitragen.“ 

OP bei Dr. Roboter? Lieber nicht
Die Ergebnisse der erwähnten SORA-Umfrage unter 1000 Österreichern lesen sich wie folgt: Mehr als die Hälfte ist zuversichtlich oder begeistert, dass Roboter in ihrem Alltag mehr Aufgaben im Haushalt übernehmen könnten (61 Prozent). Auf nur mehr knapp über ein Drittel trifft das auch in Bezug auf die Arbeitswelt zu (36 Prozent). Wenn es etwa um die Gesundheit geht, dann sagen Herr Österreicher und Frau Österreicherin: „Blutdruckmessen Ja, aber operieren Nein“. So ist nur jede und jeder Fünfte bereit, sich von einem Roboter operieren zu lassen. Hingegen ist eine deutliche Mehrheit von 66 Prozent einverstanden, sich von einem Roboter den Blutdruck messen zu lassen – Ältere zeigen dazu sogar mehr Bereitschaft als Junge (71 Prozent zu 68 Prozent). Wenn es „in den Körper hinein geht“, dann sinkt das Vertrauen deutlich: Nur 22 Prozent würden sich von einer Maschine impfen lassen. Aber beim Gehen von einem Roboter stützen zu lassen, dazu sind 69 Prozent bereit.

Insgesamt haben sich die Österreicherinnen und Österreicher darauf eingestellt, dass in der Zukunft Roboter in unserem Alltag eine große Rolle spielen werden. Die Hälfte meint sogar, dass Roboter in ihrem Leben bald so selbstverständlich sein werden wie Smartphones. Auch bei der Aussicht auf selbstfahrende Autos stellt sich die Bevölkerung bereits auf den technologischen Wandel ein: Mehr als die Hälfte denkt, dass selbstfahrende Autos in wenigen Jahren auf unseren Straßen selbstverständlich sein werden. Außerdem sind viele der Meinung, dass das Thema unterschätzt wird: Drei von vier sagen, dass die maschinellen Helfer schon heute mehr Arbeiten übernehmen, als Kollegen, Freunde und Nachbarn glauben. Das Thema Arbeitsplätze brennt besonders unter den Nägeln: Zwei Drittel wollen, dass mit Gesetzen geregelt wird, an welchen Arbeitsplätzen Roboter die Menschen ersetzen dürfen. Auch wenn rund 70 Prozent nicht davon ausgehen, dass Maschinen ihre eigene Arbeit erledigen könnten. Und 61 Prozent meinen, dass wir bereits heute zu abhängig von Maschinen aller Art seien. In Sicherheit fühlen sich die meisten, wenn es um die Ebenbürtigkeit der Roboter mit Menschen geht: Nur 16 Prozent in Österreich glauben, dass Roboter in Zukunft menschliche Eigenschaften und Gefühle haben werden.

[Red.]
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