Österreich als Sonderfall bei E-Commerce
 

Österreich als Sonderfall bei E-Commerce

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Jeder für sich und alle gegen Amazon? (c) Andrey Armiagov / Fotolia
Jeder für sich und alle gegen Amazon? (c) Andrey Armiagov / Fotolia

Ein erstaunlich zersplittertes Bild zeichnen Eurostat-Zahlen vom E-Commerce in der EU. Die Zugänge unterscheiden sich je nach Land fundamental, mit Österreich als einem von vielen Sonderfällen.

Der Abbau von Hemmnissen beim EU-internen E-Commerce zählt zu den neuen Prioritäten der EU-Kommission. Erstmals wurde dieses Thema von Eurostat nun mit detaillierten Zahlen untermauert. Die steigende Bedeutung von Handel über Web und App ließ sich auch schon mit dem bisher bekannten Zahlenmaterial belegen: 2010 lag der Anteil von europäischen Unternehmen, die online verkaufen, noch bei 12 Prozent. Vier Jahre später war er auf 16 Prozent gestiegen. Bei diesem Wert ist es aber auch laut der aktuellen Erhebung geblieben, die auf Zahlen von europäischen Unternehmen mit mindestens zehn Mitarbeitern aus dem Jahr 2016 beruht.

Je weniger Ballungsraum, desto E-Commerce?

Von einer einheitlichen Vorgehensweise der europäischen Unternehmen ist nichts zu bemerken, selbst andere statistische Gemeinsamkeiten sind schwer auszumachen. So sind aber viele der teils dünner besiedelten Länder Europas unter den Web-Spitzenreitern: Angeführt wird die Statistik von Irland, wo mehr als ein Viertel aller Unternehmen mit E-Commerce verdient. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Schweden und Dänemark (25 bzw. 24 Prozent). Im web-affinen Estland verkaufen umgekehrt aber nur 16 Prozent aller Unternehmen ihre Leistungen und Waren im Internet, was auch exakt dem EU-Schnitt entspricht. Österreich liegt mit 17 Prozent einen Prozentpunkt über dem Durchschnitt.

(c) Eurostat
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(c) Eurostat

In vielerlei anderer Hinsicht ist Österreich jedoch weitab vom Schnitt: Während europaweit E-Commerce vor allem innerhalb des eigenen Landes betrieben wird, ist es in Österreich genau umgekehrt: 69 Prozent aller heimischen Unternehmen, die am E-Commerce teilnehmen, verkaufen ins EU-Ausland, ganze 39 Prozent aber auch in Länder außerhalb der EU. Beide Faktoren zusammenzählend, handelt Österreich damit so grenzüberschreitend wie kein anderes EU-Land. Dass mit dem Nachbarn Deutschland ein Abnehmer ohne Sprachbarrieren - diese beklagten die Unternehmer vieler anderer Länder als (nach hohen Lieferkosten) zweitgrößtes Hindernis - bereitsteht, erklärt den heimischen Spitzenwert nur zum Teil.

Die Scheu, die alle eint

Eine weitere Besonderheit im heimischen E-Commerce ist die Wahl der Plattform: Gemeinsam mit Italien (wo E-Commerce jedoch weiterhin ein Exotendasein fristet) und Deutschland vertraut rund die Hälfte der heimischen Händler auf fremde Verkaufsplattformen. Im Großteil der EU dominieren demgegenüber hausinterne E-Shops und Apps, mit Tschechien als überraschendem Spitzenreiter. Eine Besonderheit verbindet jedoch wiederum alle Mitgliedsländer: Die Lust auf E-Commerce hat anscheinend nichts mit dem IT-Knowhow zu tun: Inzwischen haben EU-weit 77 Prozent aller Händler eine eigene Webpräsenz (Österreich: 86 Prozent). Aber nur ein Fünftel von ihnen nutzt sie auch, um darauf etwas zu verkaufen.

[lz]

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