NPC: Veränderung bleibt Thema
 

NPC: Veränderung bleibt Thema

15. European Newspaper Congress von 5. bis 6. Mai im Wiener Rathaus

Der 15. European Newspaper Congress fand von 5. bis 6. Mai im Wiener Rathaus statt. Der Medienfachverlag Oberauer aus Salzburg fungierte einmal mehr als Organisator.

Als Key Note Speaker waren Google-News-Chef Richard Gingras und Veit Dengler, CEO Neue Zürcher Zeitung angereist. Kommunikationsprofi Wolfgang Rosam sprach zu Change Prozessen in Medienhäusern.

Rund 500 Chefredakteure und Medienmanager aus ganz Europa diskutierten an zwei Tagen die aktuellen Entwicklungen in ihrer Branche. Schwerpunkt der Tagung war Change Management in Medienhäusern, Roboterjournalismus sowie aktuelle Trends im Zeitungsjournalismus anhand diverser Case Studies.

"Lasst uns umdenken"

Stadtrat Christian Oxonitsch eröffnete das Event. Gingras bat im Anschluss "lasst uns umdenken" und brachte die "Renaissance der Kreativität im Journalismus" aufs Tapet und bot dem Journalismus einmal mehr Googles Hand (siehe Artikel "Verlage kooperieren mit Google News") an, in einer Zeit in der mehr News konsumiert würden denn je zuvor.

Außerdem wies Gingras darauf hin, dass immer mehr Menschen Websites durch die "Hintertür" betreten, sprich via Social Media, Blogs oder eben via Google News - "die Entdeckungsreise funktioniert auf neue Art und Weise", so Gingras.

"Das immer reicher werdende Ökosystem ist gut für die Demokratie", sagte Gingras. Schließlich stellte er fest, dass in der Welt des Big Data Journalisten als wichtiger seien, da sie als Vertrauensbasis agieren.

Investieren statt resignieren

Veit Dengler, der gebürtige Steirer, der seit Juni 2013 den NZZ Verlag als CEO leitet, kritisierte zunächst die 200 Millionen Euro indirekte Presseförderung hierzulande, die die Berichterstattung beeinflusse und Innovationen verhindere.

In der Folge kam Dengler (ein umfassendes Interview finden Sie im aktuellen HORIZONT 19) auf den eigenen Verlag zu sprechen. Die NZZ werde heuer rund zehn Millionen Schweizer Franken in neue publizistische Projekte investieren, ein Projekt ist jenes einer NZZ in Österreich, das aktuell von einem Team rund um Ex-Presse-Chefredakteur Michael Fleischhacker vorangetrieben wird. Ein kleines Projekt, wie Dengler im Gespräch mit HORIZONT später erklärt.

"Wir werden viele Samen säen, einige davon werden aufgehen", so Dengler, der sich einer Reihe von Experimenten widmen will." Weiters spricht sich Dengler für Medien aus, die den kritischen Diskurs vorantreiben. Dengler betonte, dass für ihn weniger Reichweiten und Auflagen denn zahlende Kunden relevant seien, egal auf welchem Kanal.

Chancen und Tücken von Change Prozessen


Die Angst in Medienhäusern vor Veränderungen beschrieb der Wiener Kommunikationsberater Wolfgang Rosam. Und er glaubt, etablierte, basisdemokratische Entscheidungsstrukturen seien in Change Situationen eher hinderlich, da die Notwendigkeit von Veränderungen zwar rational erkannt, aber emotional nicht akzeptiert werde.

Sinnvoll wäre es den gemeinsamen Nutzen mit dem individuellen zu verknüpfen, aber dass mit Veränderungen nicht jeder zurecht komme sei ein Fakt, so Rosam, das Ziel sei allerdings das Unternehmen zu retten und stärken. "Es geht um das gesamte Unternehmen", betont er, "ein Maximum an ehrlicher Information, hundertprozentige Transparenz, keine Schönfärberei".

Ein Dach für drei Medien?

Interessant war ein Gedankenexperiment von Rosam in dem er den "Kurier" neben "Presse" und "WirtschaftsBlatt" unter das Dach der Styria positionierte. Rosam meinte auf Nachfragen, dies sei ein fiktives Beispiel, ließ aber durchklingen, dass er die Idee nicht für unwahrscheinlich hält. "Es ist natürlich ein provokantes Beispiel", so Rosam zu HORIZONT. Von den drei betroffenen Medien habe sich noch keiner bei ihm gemeldet, vielleicht ein Indiz für die Wahrscheinlichkeit der Idee?

Ein Interview mit NZZ-CEO Veit Dengler und mehr zum European Newspaper Congress in HORIZONT 19/2014.
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