News-App: Apple auf schwieriger Partnersuche
 
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Apple auf schwieriger Partnersuche

APA/AFP

Der iPhone-Hersteller kürzt die hohen Provisions­zahlungen, die Verlage für die Teilnahme am Nachrichtendienst Apple News bisher abliefern mussten.

Der Streit zog sich schon mehr als ein Jahr hin, als Ende August erstmals eine Lösung präsentiert wurde. Apple verständigte sich in einer außergerichtlichen Einigung mit Entwicklern für Apps, die eine Sammelklage gegen den Techgiganten wegen seiner restriktiven App-Store-Politik eingebracht haben. Denn der Onlinegigant lässt auf seinen Mobilgeräten Downloads von Apps und Spielen nur aus dem eigenen App-Store zu. Nicht nur das. Wer auf einem iPhone oder iPad eine App oder ein Abo zum Kauf anbietet, unterliegt den strengen Vorlagen des Konzerns – von Zahlungsoption bis hin zu Preisgestaltung. Aber vor allem schnitt der Konzern bisher mit bis zu 30 Prozent Provision bei Käufen und Abonnements kräftig mit. Alternative gab es keine: Apple ließ nur Käufe in seinem Ökosystem zu. Das Unternehmen begründet sein Vorgehen vor allem mit besserer User Experience, Sicherheit und Datenschutz. Kritiker – darunter viele Entwickler von Apps – sehen hingegen einen Missbrauch der Marktmacht. Der Streit führte bereits zu mehreren Gerichtsverfahren. In einem einigte man sich nun: App-Entwickler können demnach künftig ihren Kunden unter anderem alternative Zahlungsoptionen außerhalb der Apple-Plattform anbieten. Außerdem will Apple den Entwicklern mehr Spielraum beim Festlegen ihrer Preise für Apps, Abonnements und Käufe innerhalb der App einräumen. Für kleinere Entwickler wurde die Provision schon vor der außergerichtlichen Einigung von 30 auf 15 Prozent gesenkt.

Zuckerl für Verlage

In der Einigung versteckt sich auch ein Zuckerl für die Verlagsbranche, die bisher ebenso unter den 30 Prozent-Provisionen, die Apple beim Abschluss von Abos über seinen Nachrichtendienst Apple News einkassiert, stöhnte. Apple News ist eine auf iPhones vorinstallierte App, die Nachrichten verschiedener Anbieter in einem einzigen Interface präsentiert. Eigenangabe zufolge benutzen den Dienst, der vorerst nur in ausgewählten Märkten zur Verfügung steht, 125 Millionen Nutzer monatlich. Das Ende dieser Politik für Verlage kündigte sich allerdings schon seit Monaten in kleinen Schritten an.

Bereits im November gab der iPhone-Hersteller bekannt, dass kleinere Verlage, die weniger als eine Millionen Dollar Jahresumsatz im App-Store machen, nur mehr 15 Prozent statt bisher 30 Prozent ihrer Abo-Einnahmen an das Unternehmen in Cupertino abliefern müssen. Nun sollen auch größere Verlage in den Genuss dieses Rabatts kommen. Offensichtliches Ziel ist, dass mehr Nachrichtenanbieter Teil von Apple News werden. Denn Apple News ist Teil der Strategie, den Anteil an Services am Gesamtumsatz des Konzerns weiter auszubauen. Doch viele mögliche „News-Partner“ waren bisher von den hohen Provisionszahlungen abgeschreckt.

Allerdings hat man auch bei Apple nichts zu verschenken und so sind die reduzierten Provisionzahlungen an recht strenge Bedingungen geknüpft. Zunächst muss man „News-Partner“ werden, was heißt, dass man laut Apple einen „robusten“ Apple-News-Kanal betreiben muss – sprich, diesen regelmäßig mit Inhalten füllt, die im richtigen Apple-News-Format erscheinen. „Die Hauptfunktion Ihrer App muss darin bestehen, originäre, professionell verfasste Nachrichteninhalte bereitzustellen“, fordert der iPhone-Hersteller in der Beschreibung.

Keine Lust aufs Ökosystem

Angelockt werden durch das neue Angebot sollen nun offensichtlich vor allem große Nachrichtenanbieter. Deren Lust auf Apples Ökosystem ist aber gering. Unternehmen wie die New York Times sind nämlich vielmehr an direktem Kundenkontakt interessiert – vor allem, um mehr Daten über sie zu erlangen. Und sie müssen dafür keine zweistelligen Prozente an Provisionen zahlen.

Nicht ganz freiwillig dürfte die Partnersuche von Apple nicht nur wegen der bisherigen Zurückhaltung von Branchenriesen sein. Vielmehr sieht sich das Unternehmen mit immer mehr Untersuchungen von staatlichen Regulatoren konfrontiert, die einen kritischen Blick auf Apples abgeschlossenes und vom Konzern streng kontrolliertes Ökosystem werfen. In den USA wird aktuell ein Gesetz debattiert, das Entwicklern künftig erlauben würde, andere Bezahlmethoden als jene des vom Ökosystem vorgeschriebenen zu verwenden. In Südkorea wurde eine entsprechende Gesetzesänderung bereits verabschiedet.

Auch eine Einigung von Apple mit Japans Fair Trade Commission (JFTC) hat weitreichende Auswirkungen. Medienverlage und E-Book-Anbieter können demnach ihren Kunden via Link eine alternative Zahlungsoption zu Apple Pay zukommen lassen. Die Einigung mit Japan, die 2022 dann weltweit zum Tragen kommt, betrifft „Reader-Apps“, mit denen etwa Abos für digitale Bücher, Audioinhalte, Zeitungen oder Zeitschriften vertrieben werden.

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