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Neuer Rivale für Springer, ProSieben will im Netz aufrüsten

Beide Unternehmen drängen in den wachsenden Markt mit Online-Plattformen wie Springers Jobbörse Stepstone oder der Reiseplattform weg.de von ProSiebenSat.1

Vor nicht einmal zehn Jahren scheiterte die Übernahme von ProSiebenSat.1 durch Axel Springer - und jetzt könnten die beiden Medienkonzerne im Geschäft mit Internetportalen zu erbitterten Konkurrenten werden. Beide Unternehmen drängen in den wachsenden Markt mit Online-Plattformen wie Springers Jobbörse Stepstone oder der Reiseplattform weg.de von ProSiebenSat.1.

Der Sendergruppen-Chef Thomas Ebeling macht klar: Die Münchner könnten künftig auch dickere Fische an Land ziehen. "Grundsätzlich sind wir bereit, im Rahmen unserer Finanzziele auch größere Übernahmen zu stemmen, wenn alles passt", sagte Ebeling bei einer Veranstaltung des Senders am Mittwochabend. Das wäre ein neues Kapitel in der jüngsten Übernahmestrategie des TV-Konzerns, die eher auf viele kleinere Firmen zielte. Rechnerisch habe der Konzern 500 Mio. Euro für Zukäufe in der Digitalsparte übrig, erklärt Ebeling. "Wenn wir einen Traum-Übernahmekandidaten finden, könnten die 500 Millionen Euro auch in einen einzelnen Kauf gehen. Zwei, drei oder mehr wären mir aber lieber."

Dank der niedrigen Zinsen könnte ProSiebenSat.1 sich zusätzlich noch günstig Geld von der Bank leihen. Seine Kreditwürdigkeit hat das Unternehmen mit einem weiteren Rekordjahr 2014 wieder einmal untermauert. Die Münchner erreichten wie angekündigt ein Jahr früher ihr ursprüngliches Umsatzziel für 2015: Die Erlöse legten im Vergleich zum Vorjahr um 10,4 Prozent auf 2,88 Mrd. Euro zu.

Die Ergebnisse ließen die Aktie zu Mittag um rund 3,72 Prozent auf 43,75 Euro steigen - und das erhöht die Chancen für einen Einzug in den Dax. Seit dem Tief Anfang 2009, kurz bevor der heutige Konzernchef Thomas Ebeling das Ruder übernahm, summiert sich das Kursplus damit auf 4.800 Prozent.

Anfang März wird das nächste Mal über die Zusammensetzung der ersten Börsenliga entschieden, danach wieder im September. Der MDax-Konzern gilt schon länger als heißer Aufstiegskandidat. Und als Schwergewicht der deutschen Wirtschaft sitzt man bei Verhandlungen über Kreditkonditionen oder Übernahmepreise gleich ein paar Zentimeter höher.

Bisher galt die RTL Group mit dem meistgesehenen deutschen Privatsender RTL immer als Hauptkonkurrent der Münchner. Mit Springer dürfte ein weiterer Rivale dazukommen, nur eben nicht auf dem TV-Markt, sondern im Kampf um die Gunst und das Geld der Internetnutzer.

Vor allem könnten sich Springer und ProSiebenSat.1 um lohnende Übernahmeziele kabbeln. "Es gibt in Deutschland im Moment einfach nicht so viele attraktive Übernahmeziele im Digitalbereich", sagt Ebeling.

Springer kaufte kürzlich das Immobilienportal Immowelt und legte es mit seiner Immonet-Plattform zusammen. ProSiebenSat.1 werden Ambitionen auf das Vergleichsportal Verivox und den Portalbetreiber Unister nachgesagt. Zu Unister gehören unter anderem fluege.de und andere Reiseportale, aber auch das Immobilienportal myimmo.de.

ProSiebenSat.1 kommentiert die möglichen Avancen nicht. Ebeling rührt aber gleichzeitig die Werbetrommel für seinen Konzern als Käufer, unabhängig von Unister und Verivox: "Man muss nicht immer nur viel Geld auf den Tisch legen, die Unternehmen müssen auch sehen, dass sie etwas von der Zusammenarbeit haben - zum Beispiel eine gute Werbeplattform", sagt Ebeling. "Als TV-Konzern können wir da natürlich viel bieten. Ich glaube, wir können da auch mehr bieten als Print."

ProSiebenSat.1 will das Internetportale-Geschäft mit dem TV-Angebot verzahnen. Reiseportale sind für den Konzern so interessant, weil sich Reisen gut über das Fernsehen vermarkten lassen. Reise-Cluster oder Reise-Verticals nennen die Münchner das. Mit einem Reisemagazin lässt sich Quote machen, und man kann Werbung für seine eigenen Webportale im Programm platzieren.
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