Neue Studie: Drei Visionen für die Zukunft de...
 

Neue Studie: Drei Visionen für die Zukunft des Handels

Philipp Hartberger
Yeliz Üney, Geschäftsführerin menonthemoon GmbH: „Technologie wird nur dann angenommen, wenn sie für den Menschen eine sinnvolle Unterstützung, insbesondere im Kaufprozess, darstellt.“
Yeliz Üney, Geschäftsführerin menonthemoon GmbH: „Technologie wird nur dann angenommen, wenn sie für den Menschen eine sinnvolle Unterstützung, insbesondere im Kaufprozess, darstellt.“

Digitale Assistenten als Berater und Haushaltsgeräte, die selbständig im Web einkaufen: Eine neue Studie zeigt, wie Österreicher die Zukunft des Shoppens sehen.

Wie wird der Handel der Zukunft aussehen? Dieser Frage geht der Handelsverband in der neuen Studie „Future Commerce – Handel 2025“ nach. Ausgangspunkt der Umfrage ist die Tatsache, dass sich Ecommerce inzwischen recht gut in Österreich etabliert hat: 66 Prozent kaufen zumindest einmal im Monat über das Web ein, nur drei Prozent meiden das Internet beim Shoppen komplett.

PC und Laptop sind dabei für 90 Prozent die beliebtesten Geräte, allerdings gewinnt das Smartphone immer mehr an Bedeutung: Ein Drittel nutzt dieses zum Online-Shopping, in der Zielgruppe der 14- bis 29jährigen sind es schon 60 Prozent. Der Tablet-PC wird hingegen nur von einem Viertel der Internetkäufer genutzt.

Darauf aufbauend wurden die Studienteilnehmer gefragt, inwiefern sie die drei Zukunftsszenarien „Automatisiertes Einkaufen“, „Digitale Assistenten“ und „Autonomes Einkaufen“ als realistisch betrachten.

1. Cortana, Siri und Alexa in der Warteschleife

Im Fokus vieler IT-Konzerne stehen digitale Assistentin wie Apples Siri, Microsofts Cortana und Amazons Alexa, die den Kunden beim Einkaufen unterstütze sollen. Die Kunden ticke aber anders: „Viele Konsumenten fühlen sich derzeit noch unsicher hinsichtlich der Möglichkeiten und Risiken solcher Assistenten, erst wenn in der tatsächlichen Nutzung der Mehrwert deutlich wird, wird auch die Akzeptanz steigen“, sagt Christian Kittl, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter, evolaris next level GmbH.

Das zeigt sich auch in den harten Zahlen: Das Szenario wird von circa 43 Prozent der österreichischen Internetnutzer als realistisch eingeschätzt, gut 30 Prozent stehen dem Szenario indifferent gegenüber und weitere 30 Prozent finden das Szenario eher unrealistisch. Nur rund 30 Prozent der österreichischen Internetnutzer können sich auch vorstellen, tatsächlich mithilfe von persönlich-digitalen Assistenten einzukaufen. Für rund die Hälfte wäre das nicht vorstellbar. Die meisten Konsumenten bevorzugen noch immer eine persönliche Beratung oder zumindest eine Kombination zwischen  menschlicher und digitaler Beratung. "Technologie ist eine wichtige Quelle für Innovation. Wir arbeiten selbst tagtäglich damit. Unsere Erfahrung zeigt aber, dass eine neue Technologie per se noch nicht die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen trifft“, sagt dazu Yeliz Üney, Geschäftsführerin menonthemoon GmbH: „Technologie wird nur dann angenommen, wenn sie für den Menschen eine sinnvolle Unterstützung, insbesondere im Kaufprozess, darstellt.“

2. Die Kaffeemaschine, die selber Kaffee einkauft

Ein weiteres Liebkind innovativer Tech-Konzerne ist die Vision von Haushaltsgeräten, die selbständig Einkäufe tätigen, ohne dass der Mensch eingreift: Der Kühlschrak ordert die Milch, die Kaffeemaschine den Kaffee. Amazon experimentiert in den USA zum Beispiel mit einer Funktion, bei der Verbrauchsgüter wie Waschmittel und Klopapier in regelmäßigen Abständen automatisch nachbestellt werden.

In Österreich finden derzeit aber nur 40 Prozent der Befragten das Szenario des Automatisierten Einkaufs zukunftsweisend. Ungefähr ein Viertel ist indifferent und ein Drittel hält das Szenario für weniger realistisch. 4 von 10 können sich auch vorstellen, ein vernetztes Gerät mit persönlicher Kauf-Bestätigung selbstständig Einkäufe vornehmen zu lassen, 28 Prozent können sich dies sogar ohne Bestätigung vorstellen. In der Variante ohne Bestätigung wäre für rund 20 Prozent ein Limit von maximal 25 Euro denkbar. Der Grund: Dieses Limit von 25 Euro wurde offensichtlich schon von einem Großteil der Befragten durch die Nutzung von NFC-Bankomatkarten gelernt. Knapp jeder Zweite würde Automatisierten Bestellungen mit automatischer Bezahlung (ohne Bestätigung) bis zu einer vereinbarten Betragshöhe zustimmen.

3. Mensch und Maschine: Hand in Hand

Das realistischste Zukunftsszenario ist nach Ansicht der Befragte schließlich das „autonome Einkaufen“ – also das selbständige Einkaufen durch den Konsumenten, bei dem digitale Geräte als Unterstützung herangezogen werden. Dieses Szenario wird von 60 Prozent mit der Angabe „realistisch“ oder „sehr realistisch“ eingestuft. Fast 50 Prozent der österreichischen Internetnutzer können sich zudem vorstellen, ausschließlich mit digitalen Technologien einzukaufen. Männer und jüngere Personen sind hier tendenziell positiver eingestellt als der Durchschnitt.
stats