Neue Netze in der Luft
 

Neue Netze in der Luft

Fix ist: Eine Handvoll Mobilfunkmarken wird in den nächsten Monaten auf den Markt kommen und könnte es sich in Nischen bequem machen

Ein heißer Mobilfunkherbst ist sicher: Zum einen gibt es Preiserhöhungen bei realen Netzen, zum anderen drängen neue Marken auf den Markt, die sich der Netze von A1, T-Mobile und Hutchison Drei Austria bedienen. Die erste könnte ausgerechnet ein Neuling unter den virtuellen Mobilfunkern sein, die Mass Response Service GmbH.


Als Starttermin legt man sich in diesen Tagen auf den Zeitraum November 2014 bis Februar 2015 fest. Schon im November des Vorjahres war die Entscheidung gefallen, dass der Wiener MVNO (Mobile Virtual Network Operator) das Netz von Drei nützen wird. Zur Erinnerung: Damals hatte Mass-Response-CEO Franz Pichler den Markteintritt der Mobilfunkmarke mit „noch im Jahr 2014“ datiert. Unter welchem Namen das neue Netz firmiert, steht fest, Marke und Logo werden ­gerade registriert. „Die Zielgruppe ist vergleichsweise breit gestreut, zumindest zum Start wird der Vertrieb nur ­online abgewickelt“, lässt sich Mass-­Response-Sprecher Matthias Jamnig entlocken, eine große Werbekampagne sei eher nicht zu erwarten. „Aber als letzter Full-Service-Provider in gänzlich österreichischer Hand werden wir uns diesbezüglich auch klar zu positionieren versuchen“, kündigt Jamnig an. Im B2B-Bereich bietet Mass Response bereits Mobilfunkpakete als Reseller von A1 an, versorgt Businesskunden mit Festnetz- und Internetleitungen, gilt als heimischer Cloud-Pionier und setzt auch M2M-Projekte um. Diese ­Erfahrung in Kombination mit Drei als Netzpartner soll die Mobilfunkmarke von Mass Response zu einem konkurrenzfähigen Mitbewerber machen.


Daran, nämlich an Mitbewerbern, wird es nicht mangeln. „Wir arbeiten mit Hochdruck an den Vorbereitungen von Mobilfunkprodukten, werden noch in diesem Jahr mit ersten Angeboten auf den Markt kommen“, bestätigt ­Siegfried Grobmann, Head of Press/PR des Kabelanbieters UPC Austria. Bezüglich Markenname und Zielgruppe hüllt man sich ebenso wie beim genauen Starttermin noch in Schweigen, „auch aus Wettbewerbsgründen“, wie Grobmann betont. Man wird definitiv auf das Netz von Drei zurückgreifen.  UPC Austria wurde per 1. August seiner Schweizer Schwester upc cablecom untergeordnet. Letztere will besonders der vormals staatlichen Swisscom ­Wasser abgraben. Analog dazu könnte UPC Austria dann als Komplettan­bieter (TV, Internet, Festnetz, Mobil) besonders bisherige Geschäftskunden der Telekom-Austria-Gruppe im Auge haben. 

Zielgruppen-Handynetze
Am heftigsten sind die Spekulationen rund um Michael Krammers Firma Ventocom. Der Ex-tele.ring- und Ex-Orange-Chef gilt als Macher des (neuen) Mobilfunkprojekts des Lebensmittelriesen Hofer. Am 1. Jänner 2015 soll das Hofer-Handy starten, der Diskonter hatte schon ein Jahr zuvor den Vertrag mit A1 für die Mobilfunkmarke yesss! gekündigt. Das mutmaßlich Hot heißende Netz wird sich wohl bei T-Mobile einmieten. Hot könnte als Prepaid-Produkt den Preisentwicklungen am heimischen Mobilmarkt eine Wende nach unten geben, denn die ­Generaldirektoren Friedhelm Dold und Günther Helm hatten – wenig über­raschend – das beste Preis-Leistungs-Verhältnis angekündigt. Bei Ventocom, dem mutmaßlichen Macher des Hofer-Netzes, übt man sich in Zurückhaltung: „Wir können im Sinne unserer Geschäftspartner keine Details kommu­nizieren“, lässt Daniela Zettinig von Ventocom wissen, man werde „frist­gerecht vor dem Launch über unsere kommenden Projekte informieren“.
Eines dieser Projekte könnte auch ein „Rapid-Handy“ sein, nach Vorbild von Red Bull Mobile. Ventocom-Gründer Michael Krammer ist schließlich
im Nebenberuf auch Präsident des Fußballklubs Rapid Wien. Weil die sportliche Euphorie um den Klub ­aktuell enden wollend ist und auch das mutmaßlich euphorisierende neue Stadion des Klubs erst 2016 fertig wird, dürfte aber für den kommerziellen Erfolg eines Rapid-Handys aktuell nicht das beste Klima herrschen.


Der Start eines anderen Zielgruppennetzes ist eher zu erwarten: Die bosnische m:tel (mehrheitlich im Eigentum von Telekom Srbija) gründete heuer m:tel Austria und will als MVNO für die Bevölkerung mit jugoslawischen Wurzeln insbesondere ­entsprechenden Multimedia-Content bieten.hk
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