Netflix ab Ende 2014 in Österreich
 

Netflix ab Ende 2014 in Österreich

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Gerüchte bestätigt: Der TV-Streaming-Dienst kommt noch dieses Jahr - Preis und genaues Datum noch offen - spannende Verbindungen zur österreichischen Start-up-Szene

HORIZONT-Leser kann die Nachricht wohl kaum überraschen: Bereits im März berichtete HORIZONT, dass der US-Streaming-Dienst Netflix Verhandlungen mit dem österreichischen Streaming-Start-up Flimmit bezüglich der Lizensierung lokaler Inhalte führt. Nun ist es offiziell: Per Aussendung ließ die US-Firma aus Los Gatos, Kalifornien, österreichische Medien wissen, dass "bald auch Nutzer in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Belgien und Luxemburg zu einem monatlichen Flatrate-Preis in den Genuss eines vielfältigen Unterhaltungsangebotes kommen."

Angepeilt wird ein Starttermin Ende 2014, ein genaues Datum ist noch nicht bekannt. Auch der monatliche Preis, den Nutzer für das All-You-Can-Stream-Paket zahlen werden müssen, ist noch nicht bekannt. In anderen Ländern wie den Niederlanden belaufen sich die Kosten auf 7,99 Euro pro Monat, in skandinavischen Ländern liegt der Preis etwas höher. Bereits in Österreich verfügbare Streaming-Angebote wie Maxdome (7,99 Euro/Monat, gehört der ProSiebenSat.1-Gruppe), Snap (nur für Sky-Kunden, 4,90 bzw. 9,90 Euro/Monat) oder Flimmit (kein Abo, einzelne Streams kosten etwa 4 Euro) werden jedenfalls auf den bevorstehenden Start des Streaming-Giganten mit derzeit 48 Millionen Kunden reagieren müssen.

Flimmit und Commendo

Welche österreichischen Inhalte Netflix genau anbieten wird, bleibt vorerst abzuwarten. Einen Vorgeschmack dürfte jedenfalls das Flimmit-Archiv (z.B. "Braunschlag") bieten. Fix ist, dass beliebte Eigenproduktionen des Unternehmens wie "Orange Is The New Black", "Hemlock Grove", "Arrested Development" oder "Lillyhammer" so schnell und auf legalem Weg nach Österreich kommen werden. "House Of Cards" ist ein Spezialfall: Dafür hat sich Sky die Rechte für die nächsten Jahre gekauft. Spannend wird sein, ob es Netflix schafft, für diese und andere englischsprachige Inhalte deutsche Synchronisationen anbieten zu können.


Eines der Kernelemente von Netflix ist der Empfehlungsalgorithmus, der lernen soll, was dem Nutzer gefällt. Das österreichische Start-up Commendo, das mittlerweile von Opera Solutions aufgekauft wurde, hat 2009 den mit einer Million Dollar dotierten Netflix Prize gewonnen, weil man die Genauigkeit des Algorithmus um zehn Prozent verbessern konnte. Für die Öffentlichkeitsarbeit für Netflix im deutschsprachigen Raum ist derzeit die MSL Group verantwortlich.

Wie reagieren ORF und heimische Netzbetreiber?


Der ORF hat den bevorstehenden Netflix-Start ebenfalls schon länger auf dem Plan und ein eigenes Kauf-Portal für ORF-Inhalte angekündigt, wo in erster Linie das eigene Archiv angeboten werden soll. Weiters rüsten sich auch Kabel-TV-Anbieter wie Liwest gegen den bevorstehenden Netflix-Start und suchen Deals mit Streaming. Diensten wie Zattoo, die TV-Inhalte on Demand auf Computer und mobile Geräte bringen.

Wie sich Netflix, das via Internet auf PC, Spielkonsole, Smartphone oder Tablet empfangbar ist, in Österreich auf die Netze auswirkt, wird spannend. In den USA sorgen Blockbuster-Starts bei dem Streaming-Dienst oft für sehr hohes Datenaufkommen, unter anderem deswegen haben die US-Netzbetreiber erfolgreich ein Ende der Netzneutralität gefordert, um Netflix und andere Firmen für die Auslieferung ihrer Inhalte zur Kasse bitten zu können. In Europa hat der EuGH jedoch den Erhalt der Netzneutralität bestätigt, was es Netzbetreibern schwer bis unmöglich macht, für solche so genannten "Over The Top"-Dienste (OTT) extra Geld zu verlangen.
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