MWC: Neue Wege in der Mobilfunkwelt
 

MWC: Neue Wege in der Mobilfunkwelt

GSMA
Der Mobile World Congress in Barcelona gilt als wichtigstes Event der Mobilfunkbranche. Doch Marktführer Apple bleibt der Show von jeher fern und auch Samsung hielt sich heuer zurück.
Der Mobile World Congress in Barcelona gilt als wichtigstes Event der Mobilfunkbranche. Doch Marktführer Apple bleibt der Show von jeher fern und auch Samsung hielt sich heuer zurück.

Eigentlich gilt der Mobile World Congress in Barcelona als jenes Event, auf dem mit viel Glamour die neuesten Smartphones und Apps präsentiert werden. Doch die Branche steht allmählich unter anderen Vorzeichen.

Vergangene Woche tummelten sich erneut rund 100.000 Fachbesucher aus aller Welt auf dem 200.000 Quadratmeter großen Messegelände Gran Via in Barcelona, wo mehr als 2.200 Aussteller der Mobilfunkbranche aus 200 Nationen ihre Lösungen präsentierten. Der Mobile World Congress gilt als wichtigstes Event der Branche; hier werden die Telco-Trends der Zukunft geprägt.

Allerdings: Wer sich in diesem Jahr große Sprünge bei den Smartphones erwartete, der wurde wohl enttäuscht.Denn Apple bleibt dem Event von jeher fern und präsentiert seine iPhones lieber auf hauseigenen Shows. Samsung knabbert noch an den Folgen des Debakels um das Note 7 und wird sein neues Flaggschiff, das Galaxy S8, daher wohl erst im April vorstellen. Immerhin stellten Sony, LG und Huawei neue Smartphones vor, bei denen das Hauptaugenmerk jedoch lediglich auf der Verbesserung der Kamera liegt.

Für das meiste Aufsehen unter Journalisten sorgte noch eine Wiederauflage des Kulthandys Nokia 3310 durch den finnischen Anbieter HMD, der von ehemaligen Nokia-Mitarbeitern gegründet wurde – es weckt nostalgische Gefühle an eine Zeit, in der der große Smartphoneboom noch bevorstand.Allgemein kämpft die Branche damit, dass ebendieser Boom langsam abflaut, wie Daten des Marktforschers IDC zeigen: Von 2015 auf 2016 ist der globale Absatz von Smartphones 2,3 Prozent gestiegen, im Jahr zuvor hatte das Wachstum noch 10,4 Prozent betragen.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 428,5 Millionen Smartphones verkauft; Apple hat im vierten Quartal den Konkurrenten Samsung wieder vom Thron verdrängt, auf den weiteren Plätzen folgen die chinesischen Anbieter Huawei, Oppo und vivo – sie punkten vor allem im asiatischen Raum, der noch nicht gesättigt ist. 

Software statt Hardware

 Statt der Gadgets sind es nun die Kommunikationssysteme, die für Aufsehen sorgen – allen voran im Bereich der Künstlichen Intelligenz. So möchte Google seinen „Google Assistant“ auf Smartphones mit den Android-Versionen „Nougat“ und „Marshmallow“ bringen, Amazon stellt seine smarte „Alexa“ auf Smartphones von Motorola zur Verfügung.

 Die Schachzüge der beiden Konzerne sind Symptome der wachsenden Bedeutung von Sprachsteuerung und KI: Im September hatte Google bereits verkündet, dass ein Fünftel der Suchanfragen in der Google-App gesprochen werden und dass über die Hälfte aller Smartphone-User bereits per Sprachbefehl eine Frage gestellt oder eine Funktion aktiviert hätten.

Der Marktforscher Tractica prognostiziert, dass die Zahl der Nutzer virtueller digitaler Assistenten bis 2020 auf 1,6 Milliarden steigt. Zum Vergleich: Laut einer Studie von GSMA, dem Veranstalter des Mobile World Congress, wird es Ende 2017 fünf Milliarden Mobilfunkkunden geben, bis 2020 sollen es 5,7 Milliarden sein – fast drei Viertel der Verbindungen sind dann mobiles Breitband; also zumindest 3G-Verbindungen, die mobiles Web ermöglichen.

Das bedeutet, dass im Jahr 2020 große Teile der Weltbevölkerung mobil im Web surfen können – und auch die Möglichkeit haben, digitale Assistenten zu nutzen. Marketingverantwortliche sollten dies bereits jetzt im Kopf behalten, wenn sie an den Onlinevertriebskonzepten der Zukunft feilen. Eine weniger rosige Lage wird laut einer im Rahmen der Messe von Adobe präsentierten Studie übrigens für Apps dargelegt: Deren Nutzung ist in den USA seit 2014 um 28 Prozent eingebrochen. 
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