Mobile Payment Trends und Best Practice Learn...
 

Mobile Payment Trends und Best Practice Learnings

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Alexander Oswald: "Die Zeit ist reif - aber das alleine genügt nicht."
Alexander Oswald: "Die Zeit ist reif - aber das alleine genügt nicht."

Interview mit Mobile Experten Alexander Oswald

Kaum einer kennt die Mobile Branche so gut wie Alexander Oswald. Nach seinem aufsehenerregenden TED Talk zum Thema Mobile Payment bereits 2011 hielt er erst kürzlich wieder eine Keynote auf der IIR Cashless Payment mit dem Titel: Payment und mehr: Potenziale und Trends rund um das Smartphone. Ich habe mit danach für euch mit ihm unterhalten.

M. Weberberger: Mobile Internetnutzung ist längst nicht mehr ein Phänomen unter Jugendlichen. Laut ÖWÄ nutzen alle Altersgruppen bis 39 das Internet deutlich mehr mobil, als stationär. Was bedeutet das für mobiles Bezahlen?

A. Oswald: Einfach dass es wirklich genügend mobile Nutzer gibt. Niemand kann sich mehr auf einen angeblichen „Kindergeburtstag“ ausreden. Bis zur Altersgruppe der 39jährigen hinauf werden ÖWA-Seiten mehrheitlich mobil genutzt. Die größte Gruppe der aktiven Facebook-Nutzer über 18 Jahre sind die 25-34jährigen. Die Zeit ist reif. Die Zeit war schon oft reif für neue Technologien, aber das genügt eben nicht...

M. Weberberger: Was können wir von Amazon lernen, wenn es um digitalen Commerce geht? Warum fahren die Amerikaner allen heimischen und deutschen Anbietern um die Ohren?

A. Oswald: Lassen wir mal die Start-Up Voraussetzungen, Umfeld, etc. Punkte in den USA weg. Ein wesentlicher Vorteil ist der große Heimatmarkt und dann der angloamerikanische Raum, damit lässt sich ein Geschäftsmodell leichter skalieren. Logischerweise gibt es dort ebensolche Konkurrenz, wir sehen meistens nur die erfolgreichen „Überlebenden“.
Es gibt heute kaum mehr so etwas wie einen lokalen Markt, daher muss man rasch wachsen, in neue Märkte expandieren und auf internationale Konkurrenz vorbereitet sein. Und das ist ein steiniger Weg wie man bei Rocket Internet und seiner aktuellen Bewertung sieht. Österreich oder Deutschland als „Heimatmarkt“ zu sehen wird es einem nur schwer machen.
Viele Geschäftsmodelle aus den USA machen keinen Sinn in Österreich. Siehe NY Times und Paid Content Beispiel – auf dem angloamerikanischen Sprachraum kann es funktionieren, in einem 8 Millionen Land auf Basis der voraussichtlichen Nutzerzahlen eben nicht.
Und das digital Business scheint aus heutiger Sicht ein „the winner takes it all“ Prinzip zu fördern. Amazon, Facebook und dabei auch Messenger sowie WhatsApp, Uber, AirBnB zeigen, dass einer dominiert. Apple hat im 1. Quartal 2015 92% der Profits im gesamten Smartphone Business gemacht
Facebook hat auch eine beeindruckende Performance und investiert laufend in die Expansion seiner Geschäftsfelder - – zum Beispiel mit Messenger for Business und Messenger Payments.
Ob und wie lange das so bleibt kann heute niemand beantworten. Aber das Wort Konkurrenz wird im digitalen Raum neu definiert.

M. Weberberger: Dass Mobile Commerce technisch nicht kompliziert sein muss, hast du eindrucksvoll bereits vor Jahren in deinem TED-Talk am Beispiel Kenia gezeigt. Und dabei auch nicht mit Kritik an unserer engstirnigen Denkweise gespart. Hat sich daran etwas geändert? 

A. Oswald: Engstirnige Denkweise sollte nicht die Botschaft sein. Ich wollte nur aufzeigen, dass mit einfachen Mitteln und simplen User-Interface wie SMS großartige Lösungen möglich sind. Und dass Technik per se nicht die Antwort ist, sondern nur ein Hilfsmittel sein soll für eine nutzenbringende Lösung.
Diese Verherrlichung einer Technik (wir erinnern uns an QR-Codes und NFC) hat kaum Erfolge gebracht, weil die meisten Menschen einfach nicht verstanden haben was ihnen persönlich das bringt. Und die Anwendung oft auch nicht sehr nutzerfreundlich im Alltag  war.

M. Weberberger: Jedes mal, wenn ich erst an der Kassa im Supermarkt feststelle, dass ich wieder meine Geldbörse liegengelassen habe, denke ich mir: „Wann kann ich hier endlich mit meinem Handy zahlen?!?“ Hast du die Antwort?

A. Oswald: Ja, aber ich kann sie dir nicht verraten, ich muss ja als Berater Geld damit verdienen (lacht). Ganz im Ernst: mehr Zahlungsmöglichkeiten bedeuten für den Handel und andere Branchen zunächst mehr Kosten punkto Technik, etc und eventuell Unklarheiten und damit Wartezeiten bei Kassen – ein Albtraum. Die Konsumenten geben wegen mobile payment aber nicht mehr aus.

Also ist es maximal für kurze Zeit ein Servicevorteil, der schnell aufgeholt werden kann und für die Marke ein Kostentreiber bei Kassenumstellungen und ähnlichem.
Einen echten Mehrwert bringt es dann, wenn ich dein Bezahlvorgänge mit anderen Services verknüpfen kann, daraus einen echten Mehrwert mache und so Konsumenten an mich binden kann.

M. Weberberger: Es gibt aber bereits heute enorm erfolgreiche Beispiele, dass es ganz einfach funktionieren kann. Was machen Unternehmen wie Starbucks oder Uber besser, als unsere verstaubte Handelslandschaft?

A. Oswald: Das stimmt. Die bieten das Bezahlen innerhalb eines Services mit Mehrwert in ihrer App an. Bei Starbucks ist es zum Beispiel die Bestellung von unterwegs und ich betrete die Filiale nur mehr zum Abholen. Das Bestellen und Bezahlen von unterwegs spart mir Zeit punkto Anstellen und dem Aufgeben der Bestellung. Das ist ein Nutzen.
Mittels einer App bezahlen ist angenehm, wenn man kein Geld hat oder keine Geldbörse dabei hat. Uber lässt mich zum Beispiel Fahrtkosten auf meine Mitfahrer (die Uber ebenfalls nutzen) aufteilen. Oder mit Uber Family kann mein Kind vom Tanzunterricht abgeholt werden und ich die Kosten der Fahrt übernehmen während ich noch im Stau stehe. Alles sehr angenehm und für jeden potentiellen Nutzer sind das leicht verständliche Vorteile. Da rückt auch die „Sorge“ über Sicherheit einer mobilen Zahlung plötzlich in den Hintergrund.

M. Weberberger: Unter Mobile verstehen wir heute vor allem das Smartphone und Tablets. Wo geht hier die Reise aber tatsächlich hin? Stichwort Wearables?

A. Oswald: Ich persönlich nutze die Apple Watch und finde sie sehr angenehm und nützlich. Man versäumt keinen Anruf und keine Messages mehr, denn alles kommt direkt auf die Uhr. Bezahlen über die Uhr wäre wirklich fein ... Ob und wie das Konzept letztlich erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten. Die Kategorie ist noch jung und wird sich weiter entwickeln. (Zum Vergleich) Der erste Minivan war wohl der schlechteste aller Zeiten, aber notwendig um besser zu verstehen wie Kunden ihn nutzen und was sie wirklich haben wollen.
Wir werden uns daran gewöhnen, dass in unserer Umgebung immer mehr Sensoren auftauchen, die mit uns über das Smartphone kommunizieren. Die Levis Stadium App ist dafür ein tolles Beispiel:
Wenn man ein Ticket gekauft hat, sind alle Daten in der App gespeichert. Komme ich zum Stadium wird mir bei der Einfahrt ein zu meinem Sitzplatz passender Parkplatz zugewiesen. Die App weiß wo ich im Stadium sitze und mich laufend hinbewege. Für manche ein datentechnischer Albtraum. Für andere ein Servicehimmel, denn über die App kann ich Essen und Getränke bestellen und zu meinem Sitzplatz liefern lassen. Und wenn ich die App nutze bevor ich auf die Toilette gehe, dann verrät sie mir jenes WC in der Nähe mit der kürzesten Warteschlange. Wer die App nutzt ist damit wirklich Mobile First, beim Essen und beim Pinkeln ;-) 

Wie seht ihr die Entwicklungen und Trends zum Thema Mobile Payment? Wünscht ihr euch schnelleren Fortschritt, oder geht es euch heute schon zu flott? Welche Chancen seht ihr für uns Marketer? Lasst mich eure Meinungen in den Kommentaren wissen.

[Michael Weberberger]
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