Microsoft: Skype war teurer als Nokia
 

Microsoft: Skype war teurer als Nokia

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Der Software-Konzern übernimmt um 5,44 Mrd. Euro die Geräte- und Dienste-Sparte des finnischen Handy-Herstellers sowie wichtige Patente - der Kauf des Internettelefonie-Dienstes Skype kostete Microsoft 5,9 Mrd. Euro - erbitterter Kampf um den mobilen Markt

Der Handschlag zwischen Noch-Microsoft-Chef Steve Ballmer und Nokias Vorstandsvorsitzenden Risto Siilasmaa ist einer, der einen denkwürdigen Deal besiegelt: Der Software-Riese Microsoft kauft sich um 3,79 Mrd. Euro die Geräte- und Dienste-Sparte des finnischen Technologie-Konzerns und um 1,65 Mrd. Euro wichtige Nokia-Patente. 5,44 Mrd. Euro unterm Strich also für alles außer der Netzwerk-Sparte von Nokia, die sich jetzt alleine gegen Konkurrenten wie Alcatel-Lucent aus Frankreich, Ericsson aus Schweden oder die chinesischen Unternehmen Huawei oder ZTE (beide haben ihre Smartphone-Sparten übrigens noch) durchsetzen muss.

Software teurer als Hardware


Um den Deal einordnen zu können, helfen zwei Vergleiche: 2011 hatte sich Microsoft um umgerechnet 5,9 Mrd. Euro den Internettelefonie-Dienst Skype geschnappt. Damit wird eine Software-Firma höher bewertet als ein Hardware-Hersteller. 2012 kaufte sich Google den angeschlagenen US-Handy-Hersteller Motorola um 8,8 Mrd. Euro. Ähnlich wie Google will sich Microsoft, dessen eigene Computer-Tablets mit Windows 8 sich nur zögerlich verkaufen, einen Hardware-Hersteller für seine Software angeln. Es geht darum, möglichst viele verlorene Prozentpunkte am Mobile-Markt, der von Apple, Google und zunehmend asiatischen Firmen wie Samsung oder Huawei übernommen wird, zurückzugewinnen.

32.000 Nokia-Angestellte


Noch muss der Deal von den Aktionären und Wettbewerbsbehörden abgesegnet werden und wird dann Anfang 2014 über die Bühne gehen - ab dann werden 32.000 ehemalige Nokia-Mitarbeiter (4.700 Menschen in Finnland und 18.300 Angestellte in Nokia-Fabriken) in den Diensten von Microsoft versuchen, den verlorenen Boden gegenüber Apple und Google, die den mobilen Markt dominieren, gutzumachen. Ob das gelingt, ist mehr als fraglich: Eine Partnerschaft zwischen Microsoft und Nokia konnte die Windows-Phones aus Finnland nicht gegen die US-Konkurrenz bzw. asiatische IT-Hersteller, allen voran Samsung, in die Schranken weisen.

Stephen Elop bald Microsoft-Chef?


Der Deal könnte auch personelle Folgen an der Spitze von Microsoft haben. Noch-Chef Steve Ballmer hatte vor kurzem angekündigt, innerhalb der nächsten zwölf Monate zurückzutreten. Das böte dem Nokia-CEO Stephen Elop, einem ehemaligen Microsoft-Manager, die Möglichkeit, an die Spitze seines alten neuen Arbeitgebers aufzusteigen. Vorerst wird er als Executive Vice President von Microsofts neuer Mobile-Sparte fungieren. Dass Elop seit einigen Jahren als Nokia-Chef fungierte, war für viele Branchenbeobachter immer shcon ein deutliches Zeichen, das Microsoft Nokia aufkaufen wird - jetzt haben sich die Gerüchte als wahr erwiesen.
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