Max Palla: Ein langer Weg zum klaren Ziel
 

Max Palla: Ein langer Weg zum klaren Ziel

Heribert Corn
Das Studium an der WU finanzierte sich Palla als Flohmarkthändler, das Gefühl fürs Siegen holte er sich als Amateurjockey in der Freudenau.
Das Studium an der WU finanzierte sich Palla als Flohmarkthändler, das Gefühl fürs Siegen holte er sich als Amateurjockey in der Freudenau.

Der klassische Quereinsteiger probierte vieles aus und wusste doch immer, dass es irgendwie weitergeht. Heute profitiert er von jedem seiner Umwege.

Dieser Artikel erschien ebenso in der HORIZONT-Ausgabe 45/2016 vom 11. November. Hier geht's zum Abo.

Er ließ sich ohne konkreten Plan erst mal locker durchs Arbeitsleben treiben, vertraute auf sein Schicksal und war die meiste Zeit blank. Vorerst hatte er nur den Traum einer Dachgeschoßwohnung, die zu besitzen ihn antrieb, egal mit welcher Tätigkeit und welchem Arbeitgeber.

Das Studium an der WU finanzierte er sich als Flohmarkthändler, das Gefühl fürs Siegen holte er sich als Amateurjockey in der Freudenau. Der erste Job bei einer Bank war ernüchternd. Als er sich ausrechnete, wie viel Aberdutzendjahre er für die Dachgeschoßwohnung arbeiten müsste, wechselte er unerschrocken zu ­Möbel Ludwig.

Dort lernte er als Assistent des Eigentümers Josef Frischeis den Handel von der Pike auf. Zwischenbilanz: „Die Bank war sehr gut, um wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen, im Möbelgeschäft lernte ich Demut vor dem breiten Geschmack der Menschen!“ Frischeis beauftragte ihn auch, die Produktion der Handelsfolder zu überwachen.

So kam er, natürlich ganz ohne konkreten Plan, über die Hausagentur Lintas zum Marketing, was ihm gut gefiel. „Jetzt probier ich Werbung“, dachte sich der umtriebige Palla und die Dachgeschoßwohnung rückte in greifbare Nähe. 

Palla trifft Koblinger

Palla kam bei Ogilvy Direct unter und teilte sich fortan einen Schreibtisch mit Fred Koblinger und seinem pupsenden Hund, der drunter saß, zum Leidwesen von Palla. Nie hätte er gedacht, mit Koblinger eine langjährige Partnerschaft einzugehen. Erst wollten sie ganz frech Anteile von Martin Sorrell kaufen, jeder fünf Prozent.

Sorrell bedankte sich beleidigt, erstens hätten sie seinen Namen falsch geschrieben und zweitens verkaufe er nicht. Nun wollten sich die beiden selbständig machen. CEO Wolfgang Slupetzky tobte: „Ohne die Marke Ogilvy seid ihr gar nichts!“ Das war die beste Motivation und so ging Palla, Koblinger & Partner 1991 in den Ring, erster Kunde war Xerox. „Ich danke Slupetzky noch heute, im Himmel oder in der Hölle, dass er uns das nicht zugetraut hat!“

Ein Schiff wird kommen

Wie es weiterging, ist bekannt. Auszeichnungen in Cannes, Zusammenschluss mit BBDO und Member of the Board bei Proximity Europe. Aber Max Palla wäre nicht Max Palla, wenn er mit Koblinger bis ans Ende seiner Tage so weitergetan hätte. Nach 13 Jahren wurde er zunehmend unrunder, die Agentur inspirierte ihn nicht mehr. Mit dem ihm angeborenen Selbstvertrauen machte er sich wiederum auf zu neuen Ufern und wieder ganz ohne wirklichen Plan.

Aber er war sich sicher, ein Schiff wird kommen. Fred Koblinger versteht es bis heute nicht, ist ihm aber weiterhin freundschaftlich verbunden. Sie gehen jede zweite Woche zusammen essen. Koblinger ist der Macher, die Ameise. Palla eher der Adler. So haben sie sich beide definiert, als sie noch Seite an Seite im Bürogebäude „Ameise und Adler“ nahe dem Gasometer residierten.

Der Adler muss fliegen und bleibt doch bei dem, was er gut kann: Kommunikation und Strategie. Seit 2004 betreibt er sein schlankes Unternehmen Max Palla Consulting. Für Jung von Matt baut er ein Netzwerk in Osteuropa auf und mit httpool Online Marketing Austria bietet er als Gründungspartner Werbung im Internet an. Exklusiv für Twitter, Linkedin, Spotify und als einer der größten Facebook-Bucher. Ein stark wachsender Markt. Möglichkeiten der Spezialisierung gibt es viele und Adler haben gute Augen. 

How to win a pitch

Palla vermarktet noch ein weiteres Know-how unter der Marke „Pitchdoktor“. Wie man es besser macht, verdankt er seinen zahlreichen Pitch-Erfahrungen. Bei der Präsentation für das Modehaus Tlapa fragte der Kunde nach dem zweiten Chart: „Was soll ich jetzt machen, ihnen zuhören oder lesen?“ Das war damals ein erhellender Moment für ihn. Er stellte den Apparat ab und ließ den Kunden nur mehr zuhören.

„Wie setze ich also einen Pitch auf und wie performe ich so, dass ich ihn auch gewinne“, erklärt Palla die Nische, die er vor Kurzem entdeckte. „Heute ist jede Information in Sekundenschnelle auf jedem Schreibtisch. Da muss ich mich als Berater umschauen, was kann ich Kunden verkaufen, was sie noch nicht wissen. Weil keiner zahlt für das, was er schon weiß.“ Pitchen müssen heute auch Rechtsanwälte, Steuerberater und Architekten, so tun sich für ihn ganz neue Zielgruppen auf. 

Ruhepol und Wirbelwind

Trotz seiner umtriebigen Vita und seiner Lust auf Neues ist Max Palla privat sehr beständig und der Ruhepol in der Familie. Mit seiner Frau Alexandra ist er 22 Jahre zusammen. Während er die eine Hälfte des Tages arbeitet und die andere Hälfte genießt, wirbelt sie vollbeschäftigt mit ihrer Marketing­agentur für den Foodbereich durch die Medien. Sie schreibt Kochbücher, betreibt einen Kochblog und designt Küchenutensilien.

Mitunter stiehlt sie ihm die Show, aber „das hält man aus, wenn man schon mal berühmt war“, lacht er. Auch sie hält ihn schließlich aus, wenn er wieder so sentimentale Ideen hat, wie das Café Prückel zu kaufen, in dem wir gerade sitzen. Hier kellnerte einst seine Mutter, als der Vater früh verstarb. „Dieses Schiff ist jetzt erst mal vorbeigezogen, weil die nicht verkaufen. Aber es kommt wieder ein anderes Schiff vorbei, da bin ich ganz sicher!“

[Suzanne Sudermann]
stats