Mair räumt auf
 

Mair räumt auf

Die Beteiligungen in Slowenien wurden abgestoßen, Wiener und Motorrad­magazin sind verkauft. Die SportWoche wird ein­gestellt. Markus Mair hat das Portfolio der Styria Media Group bereinigt

Markus Mair ist seit Herbst 2013 am Ruder der Styria Media Group. Der ehemalige Direktor der steirischen Raiffeisenlandesbank wurde wohl nicht ohne Grund ins Haus geholt, denn in Österreichs drittgrößtem Medienhaus gab es einige Herausforderungen zu bewältigen.

„Unternehmen wie die Styria haben nur die Möglichkeit, am offenen Herzen zu operieren. Ein Neustart in aller Ruhe ist nicht realistisch“, erklärte der Manager bereits im Mai gegenüber HORIZONT.

Die Zeit drängte, schließlich erwirtschaftete der 3.000-Mitarbeiter-Konzern laut neuestem Standard-Ranking im Vorjahr bei rund 327 Millionen Euro konsolidiertem und 435 Millionen ­Gesamtmarktumsatz ein negatives Ergebnis vor Steuern von minus 28 Millionen Euro.

Eine Challenge, auch wenn dieses Minus vor allem auf bilanzielle Wertberichtigungen zurückzuführen ist. „Das Konzernergebnis der ersten sechs Monate 2015 ist bereits wieder positiv“, stellt Mair zunächst klar.

Trotzdem: Die Beteiligungen in Slowenien wurden bereits Anfang des Jahres abgestoßen und in der Folge standen nun die Magazintochter ­Styria Multi Media und ihre Produkte „auf dem Prüfstand ihrer Zukunfts­fähigkeit“. „Wir alle wissen, dass die goldenen Jahre für Magazine vorbei sind“, merkt Mair an. „Wir mussten optimieren. Dieser Prozess der Portfolio-Bereinigung ist jetzt abgeschlossen“, betont er dann.

Drei Titel weniger

Das Lifestylemagazin "Wiener", zuletzt mit 126.000 monatlichen Lesern laut Media-Analyse, hat das Duo Gregor Josel und Franz J. Sauer per 1. Juli gekauft – über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Die beiden Motorjournalisten sind erst im Februar mit einer Content-Marketing-Agentur und motorblock.at an den Start gegangen.

Das "Motorradmagazin", seit 1995 am Markt, übernehmen per 1. August Mitbegründer und Chefredakteur Peter Schönlaub und sein Kollege Clemens Kopecky im Verhältnis 75:25. Die Reichweite lag zuletzt bei 151.000 Lesern, das Magazin soll in Zukunft achtmal im Jahr erscheinen.

Schmerzhaft ist für Leser und Macher ein weiterer, in diesem Fall endgültiger Abschied. Am 4. August erscheint das letzte Heft der "Sport­Woche". Das Wochenmagazin war als WM-Woche erstmals anlässlich der Weltmeisterschaft in Frankreich 1998 vielversprechend unter der Ägide von Herbert Pinzolits gestartet.

Somit verbleiben im Sportcluster das "Sportmagazin" und "Sportaktiv", das Magazin für den Hobbysport, im ­Verlag. „Aktuelle Themen werden wir mit sportnet.at abdecken, die großen Geschichten mit den Top-Stars finden weiterhin im Sportmagazin Raum“, bestätigt Mair.

Allerdings wird wohl auch hier umgebaut. Wie es für die Redakteure der "SportWoche" ­weitergeht, wird sich weisen: „Die zu Jahresbeginn im Cluster Sports ein­gesetzten Geschäftsführer Alfred Brunner und Markus Gstöttner führen gerade Gespräche; dem möchte ich nicht vorgreifen“, meint Mair dazu. Auch die Blattlinie wird wohl ad­aptiert werden.

An den Frauentiteln hält Mair ebenso fest. "Wienerin", "Diva" und "Miss" bleiben Teil des Portfolios – hier werde auch investiert werden. „Alle drei Titel sind gut aufgestellt. Die 'Miss' mit ihrer wichtigen jungen Zielgruppe fungiert als Pilotprojekt – wir haben eine neue App geplant, E-Commerce ist Thema wie auch neue Werbeformen. Ähnliche Schritte könnten für eine 'Wienerin'-Community funktionieren“, schmiedet Mair Zukunftspläne. In gewinnträchtige Titel mit Bedeutung für den Werbemarkt werde investiert, so sein Credo.

Abseits der Magazine, sprich, in der Zeitungswelt der Styria, gibt es vorerst keine weiteren Veränderungen. Die Beteiligungen in Kroatien bleiben. Die RMA mit ihren Gratismedien ist weithin ohnehin als Cashcow bekannt und schaffte zusätzlich ein ordentliches Umsatzplus im ersten Halbjahr. Die "Kleine Zeitung" ist gut aufgestellt als Nummer zwei im österreichischen Tageszeitungsmarkt.

"Die Presse" soll weiter mit ­Zusatzprodukten und Editionen gestärkt werden, und beim "WirtschaftsBlatt" glaubt Mair an die Kombi Print und Digital. Einmal mehr hält Mair zum Abschluss fest: „Das ist mir ganz wichtig: Der Prozess der Portfolio-Bereinigung für die Gruppe ist damit abgeschlossen.“

Der ‚Wiener‘: Marke für Liebhaber

Wir werfen nun noch einen Blick in die Zukunft einer Marke mit großem Liebhaberpotenzial. Franz J. Sauer und Gregor Josel, beide sind und waren viele Jahre als Redakteure unter anderem für die Styria-Titel tätig, haben den Wiener unter ihre Fittiche genommen.

Der Titel mit Kultstatus wurde 1979 von den Kreativen Gert Winkler, Michael Satke und Günther Lebisch gegründet. Zuletzt kämpfte der Wiener allerdings mit Reichweitenrückgängen und changierte auf der Suche nach seinem wahren Selbst zwischen Porträts, alternativen Reportagen, 80er-Jahre-Chic, Kultur­storys und Erotikstrecken.

Gemeinsam mit Chefredakteur Wolfgang Wieser wagt man sich an eine Neuausrichtung. „Der Wiener muss wieder schärfer werden, polarisieren und Gesellschaftkritik üben“, wünscht sich Sauer. Er soll vom Schaufenster zum Ratgeber werden, Stellung beziehen, das Männer­image pflegen, diese Ausrichtung schwebt den drei Machern vor.

Auch eine klare Onlinepräsenz plus Social-Media-Aktivi­täten sind als integraler Bestandteil des redaktionellen Konzepts angedacht. motorblock.at und Wiener dürfen einander gegenseitig beeinflussen, finden Josel und Sauer. Der Erscheinungsrhythmus von elf Ausgaben im Jahr werde vorerst beibehalten.

„Die Doppelnummer Dezember/Jänner wird den Wiener im neuen Gewand zeigen“, so Sauer. Und Josel betont: „Für uns als kleine schlagkräftige Truppe, wir werden ja auch seit dem Start von Vera Steinhäuser im Verkauf unterstützt, ist es deutlich einfacher, das Magazin auf gute finanzielle Beine zu stellen. Wir haben weniger Overheads als ein großer Konzern und bringen echte Leidenschaft mit.“

Schließlich gibt es Pläne, den Wiener wieder in der Szene zu präsentieren – Eventmarketing heißt das Stichwort. Von Fashion Week bis U4 und Austria-Vinyl-Börse – „der Wiener muss wieder draußen sein, also mittendrin in der Community“.

Dieser Artikel erschien bereits am 31. Juli in der HORIZONT-Printausgabe 31/2015. Hier geht's zur Abo-Bestellung.
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