Licht und Schatten im Silicon Valley
 

Licht und Schatten im Silicon Valley

Alphabet
Googles Mutterkonzern Alphabet ist an der Börse rund 561 Milliarden Dollar wert.
Googles Mutterkonzern Alphabet ist an der Börse rund 561 Milliarden Dollar wert.

Google ist die stärkste Marke der Welt, der Mutterkonzern Alphabet ist an der Börse mehr wert als Microsoft. Doch die Politik könnte neue Gefahren bringen.

Apple ist nicht mehr die wertvollste Marke der Welt, sondern ausgerechnet deren großer Konkurrent Google: Im aktuellen Ranking des Markenbewertungsunternehmens Brand Finance legt der Web-Gigant um 24 Prozent auf 109,5 Milliarden Dollar zu, während der Wert der Marke Apple um 27 Prozent auf 107 Milliarden US-Dollar gefallen ist.

Und der Markenwert ist nicht das einzige Feld, auf dem das Unternehmen Erfolge feiert: Googles Mutterkonzern Alphabet ist an der Börse rund 561 Milliarden Dollar wert und liegt damit zwar noch hinter der Marktkapitalisierung des wertvollsten Unternehmens der Welt, Apple (rund 686 Milliarden Dollar), aber vor dem Softwarekonzern Microsoft mit einer Marktkapitalisierung von rund 495 Milliarden Dollar.

Und auch mit harten Ergebnissen aus dem operativen Geschäft kann Alphabet derzeit punkten: Laut der jüngsten Quartalsbilanz ist der Umsatz im vierten Quartal 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent auf über 26 Milliarden Dollar gestiegen, der Gewinn stieg auf 5,3 Milliarden Dollar – auch langfristig entwickelte sich das Geschäft positiv (siehe Grafiken unten).

Zwar wurden die Erwartungen von Analysten bei der jüngsten Bilanz nicht erfüllt, dennoch äußerten sich die meisten Experten positiv und verwiesen auf Einmaleffekte – ohne diese wäre Alphabets Gewinn sogar höher ausgefallen als gedacht, heißt es etwa vom Experten Brian Nowak von der US-Bank Morgan Stanley.„Die Performance wird getrieben von der Suche auf mobilen Geräten und YouTube“, sagte Alphabets CFO Ruth Porat anlässlich der Bilanzpräsentation: „Starke Fortschritte“ sieht sie auch im Segment „Other Bets“ („andere Wetten“); also jenem Bereich, der nicht zum Kerngeschäft gehört und Experimente in neuen Bereichen umfasst.

In eben diesem Bereich macht Alphabet allerdings noch eine Milliarde Dollar Verlust, nach 1,2 Milliarden Dollar im vierten Quartal des Vorjahres. Google – und jetzt Alphabet – ist bekannt dafür, neue Geschäftsbereiche zuerst ohne Gewinn zu testen und sie später entweder zu monetarisieren oder abzudrehen.Den größten Anteil zum Umsatz in den neuen Geschäftsbereichen steuerte der Thermostathersteller Nest bei – genau dieser hat aber auch mit einer starken Konkurrenz zu kämpfen.

Denn das Thema Smart Home verzeichnet einen Boom, unter anderem drängt Konkurrent Microsoft mit seiner smarten Assistentin Cortana aggressiv in dieses Feld.Um der Konkurrenz in den zahlreichen neuen Geschäftsbereichen entgegen zu kommen, investiert ­Alphabet massiv: 3,6 Milliarden Dollar wurden im vergangenen Quartal für Forschung und Entwicklung ausgegeben, nach 3,51 Milliarden Dollar im vierten Quartal des Vorjahres.

Seit 2011 hat das Unternehmen elf Start-ups gekauft; allein für DeepMind, ein britischer Experte für künstliche Intelligenz, gab man 600 Millionen Dollar aus. Alphabets CEO Sundar Pichai wird irgendwann zeigen müssen, dass er diese Investitionen in bare Münze verwandeln und der Konkurrenz die Stirn bieten kann.

Donald und die Daten

Abseits der Konkurrenz und der mutigen Investitionen gibt es noch ein weiteres Feld, das den Alphabet-Managern Kopfzerbrechen bereiten dürfte: die Politik.

Denn laut einer Analyse des politischen Marktforschers OpenSecrets hat Alphabet im US-Wahlkampf mehr als 1,3 Millionen Dollar an Hillary Clinton gespendet, weit mehr als die Konkurrenten Microsoft (711.675 Dollar) und Apple (572.275 Dollar). Die Politik des unerwünschten neuen Präsidenten fordert nun viele US-Manager zum Handeln auf, darunter auch Pichai: Anlässlich des von Trump verhängten Einreisestopps für Bürger muslimischer Staaten forderte er seine aus privaten und beruflichen Gründen im Ausland verweilenden Mitarbeiter vorsichtshalber auf, rechtzeitig ins Silicon Valley zurückzukehren.

Gute Mitarbeiter sind im Tech-Zentrum der Welt ohnehin schwer zu finden, in der Ära Trump wird diese Aufgabe wohl nicht leichter. Zugleich bauen sich in Europa Probleme für Alphabet auf, konkret die Datenschutz-Grundverordnung, die ab Mai 2018 gilt und Daten der EU-Bürger besser schützen soll. Bei Vergehen drohen empfindlich hohe Strafen.

Laut Philipp Sammern, Datenschutzexperte bei Methis Dialogmarketing, ist Google noch nachlässig darin, nicht-angemeldete User über die Speicherung und Verwendung ihrer Daten aufzuklären.Andererseits, allen Unkenrufen zum Trotz: Der Plattform marketwatch.com zufolge raten 39 von 45 Analysten zum Kauf der Aktie. Und das würden sie nicht tun, wenn sie kein Vertrauen darin hätten, dass Pichai und sein Team die Herausforderungen meistern.
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