"Kurier" mit neuem Wind in den Segeln
 

"Kurier" mit neuem Wind in den Segeln

Jeff Mangione
Thomas Kralinger, Geschäftsführer Kurier
Thomas Kralinger, Geschäftsführer Kurier

Thomas Kralinger blickt positiv auf das bisherige Geschäftsjahr zurück: Der wirtschaftliche Aufschwung sei spürbar, mit dem Kauf von SchauTV zeigt er sich zufrieden und online verbuche man Rekordumsätze.

Dieser Artikel erschien auch in der HORIZONT-Printausgabe 38/2017 vom 22. September. Hier geht's zum Abo.

Man muss sich Thomas Kralinger als glücklichen Geschäftsführer vorstellen. Wie derzeit viele Medienhäuser spüre man auch beim Kurier den wirtschaftlichen Aufschwung. Die Werbeindustrie ziehe wieder an, die Investitionen in Werbung steigen. Zudem „konnten wir auch Kunden zurückgewinnen, die zuletzt stärker in den Digitalbereich gegangen sind“, meint Kralinger zum HORIZONT. Das Bewusstsein habe sich wohl durchgesetzt, dass man mehrere Medienkanäle bespielen müsse, um die volle Bandbreite der Menschen zu erreichen, anstatt sich auf einzelne Kanäle zu konzentrieren. Medienkonsumgewohnheiten würden sich mittlerweile stark unterscheiden – alte, klare Zuschreibungen und Clusterungen seien obsolet. „Es gibt eine deutlich positivere Stimmung gegenüber Printprodukten“, freut sich Kralinger. Schon in seiner Videobotschaft zu den Österreichischen Medientagen hatte der Kurier-Geschäftsführer davor gewarnt, die Printausgaben schwachzureden: „Zeitung zieht“, lautete der Beitrag, den „Anchorman“ Kralinger im Kurier-Newsroom anmoderierte (siehe hier). Seine Aussage: „Schon lange wird behauptet, Print ist von gestern und wird abgelöst durch die elektronischen Medien, die von heute und morgen sind“, so Kralinger: „Online soll die Zukunft sein. Aber egal, welche Möglichkeiten es gibt – ob Online, Social Media, Fernsehen, Videoon-Demand und was der Markt sonst noch so bietet – es gibt etwas, worauf sich die Menschen immer verlassen können und das sind die Angebote der klassischen Medienanbieter. Und im Mediamix haben die Printausgaben noch immer die größte Bedeutung.“ Viel Erfolg brachten zudem die Kurier-Themenwochen, die von speziellen Magazinen begleitet wurden. „Wir konnten im ersten Halbjahr hier interessante Produkte gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln.“

Erste Ergebnisse bei SchauTV
Zufrieden sei man auch mit dem jüngsten Zukauf von SchauTV. Man sei derzeit noch in einem „Integrationsprozess“, merke aber bereits eine positive Ausstrahlung auf die Marke. Zudem sei es vor allem in einer 360-Grad-Sicht auf den Werbemarkt eine sinnvolle und gute Entscheidung gewesen. „Wir sehen da sehr sehr viel Potenzial für die Zukunft“, so der Kurier-Geschäftsführer. Man sei jetzt gerade dabei, die Marke und alle Layouts zu überarbeiten und das neue Programm für 2018 zusammenzustellen. Erste Sendungsformate habe man bereits im Wahlkampf gestartet – zum Beispiel „Warum eigentlich“, bei dem Politiker, die gerade quasi „auf Hausbesuch“ in der Kurier-Redaktion sind, zu einem Interview vor die Kamera gebeten werden. Weiters habe man die „Kurier-News“ unter der Leitung von Elisabeth Auer, die zuletzt für ATV tätig war, gestartet. Diese Schiene wolle man ebenfalls weiter ausbauen. Eine Teletest-Erhebung werde es aber wohl nicht geben. „Aus Kostengründen wird das momentan wahrscheinlich nicht die erste Alternative sein, aber es gibt ja andere Möglichkeiten, um an Teletest-Zahlen zu kommen und die werden wir auch nutzen.“

Digitale Erfolge
Auch im Onlinebereich gibt es gute Nachrichten. Seinem Digital-Geschäftsführer Martin Gaiger samt Team spricht Kralinger ein großes Lob aus. Man sei intensiv beschäftigt gewesen, einen höheren TKP für „eine hochqualitative Seite im Markt zu etablieren. Das Ergebnis: „Wir konnten im ersten Halbjahr unsere Umsätze auch deutlich steigern und haben im letzten Jahr das beste Ergebnis im Digitalbereich seit Bestehen des Telekurier gehabt.“ Auch mit der Entwicklung der E-Papers – die ÖAK wies zuletzt eine 90-prozentige Steigerung auf 5.866 Exemplare aus – ist Kralinger zufrieden: „Es ist jetzt nicht nur eine Kommastelle, sondern es ist jetzt schon ein spürbarer Erlös, der aus dem E-Paper-Bereich kommt.“ Diese sollen noch weiter sprudeln, man denke zum Beispiel über Sonderprodukte im E-Paper nach. Sehr gute Ergebnisse hätte zudem die digitale Verwertung aller Magazine über unterschiedlichste Shops geliefert. „Wir stellen dort teilweise signifikante Verkaufszahlen über E-Paper-Kioske fest“, konstatiert Kralinger. Für das kommende Jahr soll der Fokus auf Regionalisierung gesetzt werden. „Wir werden viel intensiver mit Leserforschung das Produkt überarbeiten und da wird in den nächsten Monaten einiges mit der Zeitung und mit dem Onlineauftritt und natürlich auch im Zusammenhang mit unserem Fernsehsender passieren.“

Im Fokus
Zudem arbeite man an einer weiterhin klaren Positionierung am Lesermarkt. „Hochqualitative Information, kuratierte Information, wirklicher Faktencheck“ seien „doch etwas anderes, als das, was man manchmal – vor allem in den sozialen Medien – findet.“ An der Etablierung des Produktwissens und des Produktverständnisses müsse man arbeiten „ das müssen wir unseren Lesern jeden Tag beweisen, dass wir das können, dass wir das sind. Das ist nichts, worauf man sich beziehen kann, nur weil man ein Unternehmen hat, sondern das Produkt muss es auch tatsächlich belegen.“ Ein wesentlicher Fokus liege auch darauf, die Menschen, die Kurier-Produkte lesen, zu erreichen – „an den verschiedensten Ecken, wo sie sind“. Das bedeute ein starkes Investment in digitalen Produkte – um darüber „die Leser zum Flaggschiff Zeitung zu bringen.“
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