Klage: Schwere Vorwürfe gegen Facebook wegen ...
 
Klage

Schwere Vorwürfe gegen Facebook wegen Reichweitenzählung

APA/AFP

Das Social-Media-Unternehmen soll Werbekunden wissentlich eine überhöhte Metrik präsentiert haben.

Interne Mails könnten für Facebook zum Problem vor einem US-Gericht werden. 2018 reichte ein US-Unternehmer Klage gegen den Social-Media-Giganten ein, in der der Vorwurf erhoben wurde, dass hochrangige Facebook-­Mitarbeiter gewusst hätten, dass die sogenannte potenzielle Reichweite überhöht und irreführend sei. (Der HORIZONT berichtete).

Selbst als das Problem intern bekannt gewesen sein soll, sei nicht gehandelt worden, so die Klageschrift. Nun wurden im Rahmen des Prozesses interne E-Mails veröffentlicht, die das belegen könnten, berichtet die Financial Times. Ein Facebook-Produktmanager, der für die potenzielle Reichweite verantwortlich war, schlug darin vor, die Definition der Metrik zu ändern, damit sie genauer ist. Sein Vorschlag wurde allerdings - so zeigen es die nun veröffentlichten E-Mails - intern abgelehnt, weil die Auswirkungen auf den Umsatz "signifikant" gewesen wären. Der Produktmanager antwortete demnach, dass es sich dabei um Umsätze handelt, “die nie gemacht werden durften, angesichts der Tatsache, dass sie auf falschen Daten basieren.”

Doppel- und Fake-Accounts

Der Kläger, ein amerikanischer ­Kleinunternehmer, bezichtigt Facebook, dass das Unternehmen die potenzielle ­Reichweite als Maß dafür darstellt, wie viele Personen ein bestimmter Vermarkter mit seiner Werbung erreichen kann. Darin könnten folglich auch ­Doppel- oder Fake-Accounts enthalten sein. In einigen US-Bundesstaaten sei deswegen die potenzielle Reichweite größer als die Anzahl der ­Einwohner.

Facebook selbst weist vor einer Werbeschaltung darauf hin, dass die potenzielle Reichweite "keine Schätzung dessen ist, wie viele Personen eine Anzeige tatsächlich sehen werden".

In der Klageschrift wird außerdem behauptet, dass interne Untersuchungen bei Facebook gezeigt hätten, dass die Löschung von Zweit- und Fake-Accounts die potenzielle Reichweite um 10 Prozent schrumpfen lassen könnte. Dies, so der Kläger, habe man bewusst verheimlicht, um die eigene Bilanz nicht zu ruinieren.

In einer Stellungnahme gegenüber der Financial Times sagte ein Sprecher von Facebook, dass die "Anschuldigungen unbegründet sind und wir uns energisch verteidigen werden".

stats