Karte oder Cash? Die Zukunft unseres Bargelds
 

Karte oder Cash? Die Zukunft unseres Bargelds

Secure Payment Technologies
Laut Mobile Communications Report 2016 nutzen derzeit elf Prozent der Smartphone-Besitzer NFC.
Laut Mobile Communications Report 2016 nutzen derzeit elf Prozent der Smartphone-Besitzer NFC.

Neue Technologien wie kontaktloses Bezahlen setzen sich nur schleppend durch, die Angst vor Negativzinsen beflügelt die Barzahlung. Dienstleister für Mobile-Payment setzen daher auf Treueboni und Systeme die einem die größtmögliche Sicherheit vermitteln.

Es ist noch gar nicht lange her: Zu Jahresbeginn 2016 entbrannte eine heftige Diskussion über die mögliche Abschaffung nennenswerter Barzahlungen in der EU. Der publizistische „Boulevard“ sowie ÖVP und Teile der Opposition stiegen auf die Barrikade und auch die Politik beeilte sich, den Österreichern die Bargeldängste zu nehmen. Finanzminister Schelling und sein Staatssekretär Mahrer sprachen sich eindeutig gegen eine Bargeld-Obergrenze aus.

Mahrer wörtlich: „Die Einschränkung der Bargeldzahlung hat in Europa mittlerweile Methode. Daher braucht das Recht auf Bargeld eine Verankerung in der Verfassung.“ Auch der Gouverneur der Österreichischen Nationalbank, Ewald Nowotny, ist entschieden gegen Obergrenzen. Auslöser für das Unbehagen waren unter anderem die Finanzminister von Deutschland und Frankreich, die den Cashfluss einschränken wollen, umso besser gegen Terrorismus und Kriminalität vorgehen zu können.

Das wollen die Österreicher nicht auf sich sitzen lassen. Experten schätzen den Bargeldumlauf hierzulande auf knapp 30 Milliarden Euro. Österreich gilt mittlerweile als Fixstarter unter jenen Ländern, die sich innerhalb der Europäischen Währungsunion mit Vehemenz Beschränkungen der Bargelddisposition entgegen stemmen.

Kreditkarten-Nutzung steigt, NFC-Funktion mit Luft nach oben

An Möglichkeiten für bargeldloses Zahlen mangelt es den Österreichern jedoch keineswegs. Mehr als neun Millionen Karten, mit denen man in verschiedenen Formen bargeldlos bezahlen kann, sind vorhanden. Davon immerhin 3,3 Millionen klassische Kreditkarten. Etwa 90 Prozent davon verfügen über eine Bargeldfunktion. Die Nutzung der Kreditkarte ist deutlich ansteigend: Im Vorjahr waren es 129 Millionen Zahlungen, also etwa um zehn Prozent mehr als ein Jahr davor. Auch die Bargeldbehebungen mit Kreditkarten werden beliebter. 2015 waren es 4,3 Millionen solcher Transaktionen, fast das Doppelte des Jahres 2013.

Doch es fällt auf, dass das Transaktionsvolumen im Kreditkartenbereich, also die Beträge insgesamt, nicht so dynamisch wächst. Im Vorjahr waren es rund 12 Milliarden Euro, rund vier Prozent mehr als 2014, die über die Bezahlung „mit Karte“ abgewickelt wurden. Fazit: Die Nutzung der Kreditkarte wird intensiver, der Betrag je Zahlvorgang ist jedoch leicht sinkend.

Immerhin 93 Prozent der Österreicher besitzen nach eigenen Angaben eine Zahlungskarte. Gut 30 Prozent haben eine Kreditkarte, mehr als 30 Prozent eine NFC-fähige Bankomatkarte, 18 Prozent besitzen eine Kundenkarte mit Bezahlfunktion, aber nur 15 Prozent nutzen – auf Anfrage – Mobiltelefone und Internet.

Detail am Rande: Mehr als 85 Prozent der ausgegebenen Bankomatkarten haben bereits Near-Field-Communication-Funktion (NFC), also die Möglichkeit zum kontaktlosen Austausch von Daten, aber viele Konsumenten wissen das gar nicht. Laut Mobile Communications Report 2016 nutzen derzeit elf Prozent der Smartphone-Besitzer NFC. Da ist also Luft nach oben.

Verbinden von Kundentreue und Payment

Wie sehen das die Dienstleister für Mobile Payment oder Online-Bezahlsysteme. Die Bargeldvorliebe ist überall evident. Christian Pirkner, Vorstand beim Mobile-Payment Anbieter Blue Code (das Unternehmen ist spezialisiert auf mobile Bezahltechnologien für Banken und Handel) sieht den Bargeldumlauf seit Euro-Einführung in Österreich vervierfacht.

Er ortet bei den Österreichern eine „zusätzliche Krisenvorsorge in bar, weil der Wertverlust derzeit ohnehin gering sei. Dennoch: „Die Verbreitung von Smartphones ist mittlerweile quer durch alle Altersgruppen sehr hoch. Der Trend geht jetzt eindeutig dahin, das Handy zur digitalen Geldbörse zu machen“, so Pirkner. Wichtig ist ihm, dass auch die kleinen Einkäufe des täglichen Bedarfs damit bezahlt werden. „Ein weiterer Trend ist die Verbindung von Kundentreue und Payment, also die Einbindung von Kundenkarten in die Zahlungslösungen am Handy. Bei jeder Smartphone-Zahlung werden dann Treueboni und Rabatte des jeweiligen Händlers automatisch berücksichtigt“, unterstreicht Pirkner.

Auch Bernhard Linemayr, CEO bei payolution, registriert ebenfalls die überdurchschnittliche Bargeldvorliebe der Österreicher. Sein Unternehmen bietet seit einigen Jahren innovative Bezahllösungen für den Onlinehandel und wendet sich direkt an den Handel. „Das prinzipielle Misstrauen der Konsumenten gegenüber denen im Internet ist zweifellos vorhanden.“

Die konservative Haltung die man aus den Offline-Geschäften kenne, setze sich online fort, so Linemayr. Der Österreicher wolle stets die Kontrolle über seinen Geldfluss. Unwissen führe zu einem diffusen Unsicherheitsgefühl. Daher seien besonders Zahlungsoptionen vorteilhaft, „die dem Kunden maximale Sicherheit geben, indem minimale Dateneingabe kombiniert mit Zahlung nach Erhalt der bestellten Ware angeboten wird“. So lande man wieder beim Kauf auf Rechnung.

Gastronomie: 80 Prozent zahlen bar

Vor allem bei den Kreditkarten ist die Marktdurchdringung gegenüber West- und vor allem Nordeuropa unterdurchschnittlich. Die Kreditkarte ist weiterhin das Instrument vor allem für einkommenskräftigere Konsumenten mit deutlich höherem Bildungsgrad, also ein eher elitäres Phänomen, ergeben einschlägige Analysen.

Die Barvorliebe ist nach Erhebungen der OeNB nach wie vor evident: „Lebensmitteleinkäufe für den täglichen Bedarf begleichen etwa drei Viertel der Bevölkerung entweder ausschließlich oder hauptsächlich in bar“, heißt es in der Analyse. Beim größerem Wochenendeinkauf sind es noch immer 40 Prozent die bar zahlen. In der Gastronomie erhöht sich diese Quote auf satte 80 Prozent. Beim Kauf von Schuhen und Bekleidung zückt man schon öfter die Karte, doch beispielsweise beim Friseur ist die Barvorliebe extrem ausgeprägt.

Negativzinsen schüren Angst vor Konten

Ein weiterer Aspekt wird in Sachen „Barvorliebe“ noch unterschätzt, auch wenn Banken und Konsumentenschützer sich mit dem Thema zu beschäftigen beginnen. Die extreme Nullzinspolitik der EZB führt dazu, dass quer durch Europa Banken bereits über Negativzinsen auf Bankguthaben nachdenken bzw. teilweise bereits – vorerst nicht in Österreich – eingeführt haben. Das wird, sollte es zu einer Breitenwirkung kommen, nicht wenige Sparer dazu bringen Geld abzuheben, um Kostenbelastungen durch Negativzinsen zu entgehen. Das wiederum würde die Barzahlung – entgegen allen Bestrebungen im Euro-Raum – neuerlich beflügeln.

Es gilt daher, die elektronischen Modalitäten so attraktiv wie möglich zu machen. Die Banken sind dabei im Zuge ihrer Digitalisierungskonzepte schon auf dem Weg über neue Geschäftsmodelle neue Kundengruppen zu erschließen. So erfreut sich etwa das Onlinekonzept der heimischen Sparkassen namens „George“ wachsender Nutzung und Beliebtheit, weil es die Bezahlvorgänge systematisiert und sehr effizient für den Nutzer gestaltet. Spezialdienstleister wie Blue Code oder payolution finden diesbezüglich ein anspruchsvolles Marktumfeld vor: Denn die Bequemlichkeit des Bargeldlosen spießt sich in Österreich offenbar noch immer mit der großen „Faszination“ des Haptischen.

[Milan Frühbauer]
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