Ich verstehe das Geschimpfe über Facebook nic...
 

Ich verstehe das Geschimpfe über Facebook nicht

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Ja, Facebook hat unseren Brand-Pages die Reichweite gekappt.

Und jetzt sollen wir bezahlen, uns Ads kaufen, wenn wir unsere Fans weiter erreichen wollen. Das ist unangenehm. Es erfordert definitiv ein Umdenken und eine Anpassung der Social Media Strategien. Wenn die organische Reichweite, wie bei den meisten Markenseiten, auf unter fünf  Prozent purzelt, stellt sich natürlich die Frage, welche Auswirkungen das auf reine „Earned Media Strategien“ hat. 

Die Diskussion darüber, ob es von Facebook in Ordnung war, diese Umstellung über Nacht vorzunehmen, so ganz ohne Vorwarnung, kann ich nachvollziehen. Auch den Unmut über den Umstand als solchen, auch wenn man natürlich schon sagen muss, dass sämtliche Insider, die sich intensiver mit Social Media beschäftigen, schon lange darauf hingewiesen haben, dass der Schwerpunkt auf eigenen Kanälen, wie dem Blog liegen sollten, weil „fremde“ Kanäle, wie eben Facebook, jederzeit ihre Regeln ändern können.

 

Was ich nicht verstehe, ist den Vorwurf: Facebook kassiert doppelt

Es stimmt natürlich: Wir investieren erst in den Aufbau einer Fanbase auf Facebook. Oftmals auch mit der Hilfe von Ads oder Sponsored Posts und bezahlen Facebook dafür, dass es uns hilft, neue Likes für unsere Seiten zu generieren. Die Diskussion darüber, wie sinnvoll das ist, lasse ich hier mal außen vor. Fakt ist, die meisten Seiten unterstützen den Aufbau ihrer Fanzahlen mit Anzeigen auf Facebook und damit verdient das Network daran.

Und jetzt müssen wir noch einmal zahlen, wenn wir diese Fans mit unseren Postings erreichen wollen. Wieder fließt Geld an Facebook für Ads oder Sponsored Posts.

Aber was ist daran jetzt außergewöhnlich? Facebook wird in vielen Diskussionen, die ich über die letzten Wochen mitverfolgt habe, immer als der große Abzocker dargestellt, der doppelt kassiert. Und doch ist das Konzept keineswegs neu. Wir leben es seit Jahren genau auf die gleiche Art und Weise abseits von Social Media. Und zwar in einer der bislang wichtigsten und erfolgreichsten Disziplinen des Online Marketing Mix - nämlich dem E-Mail Marketing.

Beim Aufbau einer E-Mail Liste ist es doch exakt dasselbe. Erst investieren wir in den Aufbau der Reichweite. Wir machen Promotions, Gewinnspiele, Banner-Kampagnen, Suchmaschinenmarketing, Lead-Kampagnen, etc. und geben Geld aus, um an Adressen von Interessenten zu kommen. Schon richtig, selten geben wir das Geld einem einzigen Unternehmen. Aber wir geben es aus. Und dann zahlen wir wieder, jedes mal, wenn wir diese Adressen anschreiben. Denn jeder, der nicht gerade eigene Mailserver benutzt, bedient sich irgendeines Service, über das die Nachrichten versendet werden. Sei es nun für Dienste wie Mailchimp, oder Anbieter wie Emarsys um nur zwei zu nennen. Und die kassieren auf dieselbe Art und Weise wie Facebook. Sie stellen unsere Botschaften zu, an die Personen, die wir bereits in unserem Verteiler haben, und bekommen dafür eine Gebühr. Meist sogar nach demselben Preismodell, nämlich als TKP. 

Jetzt kann man nach meinem Dafürhalten maximal über die Höhe der Kosten und über Effektivität diskutieren. Aber Facebook einen Vorwurf zu machen, weil es sich geschickt an beiden Ende der Wertschöpfungskette positioniert hat, ist schwer nachvollziehbar. Zumal uns ja nach wie vor Reichweite „geschenkt“ wird, sogar signifikant über die eigenen Fans hinaus, wenn wir spannende Inhalte richtig aufbereiten. 

 

Was ist eure Meinung? Badbook oder geschickte Kaufleute? Ich würde mich über eure Kommentare zum Thema freuen!

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