,Ich sehe die Zukunft der Tageszeitung positi...
 

,Ich sehe die Zukunft der Tageszeitung positiv!'

Thomas Kralinger, Geschäftsführer Kurier/Mediaprint, bilanziert: Oberösterreich-Kurier ist gestartet, futurezone.at nach einem Jahr – und die Verantwortung der öffentlichen Hand bei Werbegeldern.

Langfassung aus HORIZONT 39-2011 v. 27.09./30.09.2011

HORIZONT: Die Mediaprint überzieht den Marktbegleiter mit einer Reihe von Gegendarstellungen – Abo-Auslobungen, zuletzt auch der Kurier wegen redaktioneller Scharmützel … ist Österreich euer Lieblingsgegner?


Thomas Kralinger: Ich wundere mich. Wir haben mit keinem anderen Medium eine derartige Auseinandersetzung. Wenn Herr Fellner glaubt, Kurier-Bashing betreiben zu müssen, können wir uns das nicht einfach gefallen lassen.

HORIZONT: Was ist das nun? Ein Krieg oder bloss ein Schreiduell zwischen ebener Erde und Mezzanin?

Kralinger: Wie gesagt, ich verstehe die Auseinandersetzung nicht ganz. Für mich ist „Österreich“ am Markt kein Konkurrent am Lesermarkt. „Österreich“ hat als Gratiszeitung eine ganz andere Positionierung. Trotzdem greift man uns immer wieder mit grenzwertigen Werbeaussagen an.
Ein Beispiel: „Österreich“ behauptet, am Sonntag würden in der SB mehr Exemplare verkauft als beim "Kurier". Ja das stimmt. Wir haben aber zusätzlich über 96.000 Abonnenten! Und „Österreich“ lt. ÖAK Null.
Das Niveau, auf dem die Kommunikation von „Österreich“ läuft, entspricht jedenfalls auch nicht unserer (Blatt)-Linie.

HORIZONT: Fellner stichelt auch gegen Chefredakteur Helmut Brandstätter, "Heute" schreibt Artikel über Regierungsanzeigen (BIG-Anzeige im Kurier und "Heute"-Artikel am 23. September).

Kralinger:
Helmut Brandstätter hat ein heikles Thema angesprochen. Wohl gemerkt, er hat sich nie gegen Regierungsinserate ausgesprochen, sondern gegen die einseitige Vergabe beziehungsweise den Verdacht redaktioneller Einflussnahme. Mit diesen Aussagen hat er eben etablierte Geschäftsmodelle angesprochen. Dass es hier Gegenattacken geben wird, war mir und auch ihm klar.

HORIZONT: Wie sehen Sie die Kontroversen rund um das Thema Regierungsinserate?

Kralinger:
Ich persönlich erwarte mir nicht, dass ich aus der Veröffentlichung der Schaltpläne, wie sie jetzt vorgesehen ist, mehr lernen kann, als ich heute schon weiß. Ich erwarte mir vielmehr vernünftige, faire Entscheidungen vom Werbe-Auftraggeber Öffentliche Hand.

Natürlich müssen öffentliche Stellen auch Werbemaßnahmen setzen. Es gibt eine Menge Kommunikationsbedarf, den die öffentliche Hand hat, um den einen oder anderen legistischen Eingriff aus ihrer Sicht zu argumentieren – und zu bewerben. Die Diskussion im Verlegerverband bezieht sich auf die einseitigen und in Größenordnungen nicht nachvollziehbaren Vergaben bis hin zu Seitenpreisen, wie sie bei Anfragen im Nationalrat genannt wurden, die absurd hoch erschienen. Und es geht um die Frage, ob die öffentlich Hand das Geld auch richtig ausgibt.
Das ist ja nicht nur im Interesse der Medien im Wettbewerb, sondern auch der Steuerzahler. Das ist Steuergeld, und das muss vernünftig eingesetzt werden.

HORIZONT: Im ersten Jahr Chefredaktion Helmut Brandstätter hat der "Kurier" seine Marketingaktivitäten noch einmal verstärkt…

Kralinger: Wir investieren deutlich mehr Energie, aber weitgehend mit gleichem finanziellen Aufwand! Das ist ein Verdienst der Marketingabteilung und auch der Auftrag unserer Marketingleiterin Michaela Heumann: Bei ihrem Eintritt vor drei Jahren setzten wir uns das Ziel, mehr aus den vorhandenen Mitteln zu machen. In dieser Zeit ist es uns auch gelungen, die Strategie deutlich wahrnehmbar zu ändern: Wir sind mit dem Geld, das wir einsetzen, im öffentlichen Raum deutlich spürbarer. Unser Ziel, die Marketingkooperationen ganz stark auf das Thema Positionierung und Markenaufladung zu bringen, ist aufgegangen. Hier hat das Team unter Michaela Heumann außergewöhnliche Arbeit geleistet.
Ein aktuelles Beispiel ist unsere Aktion „Vorrang für Kinder“ zum Schulbeginn, wo wir mit Plakatunterstützung Leser eingebunden haben, etwas aktiv zu verändern. Das funktioniert ganz ausgezeichnet und unsere Promotoren sind dankbar für die Unterstützung. Wenn der "Kurier", die Wiener Polizei, gemeinsam mit den Eltern die Sicherheit von Kindern am Schulweg verbessern wollen und wir uns mit der Kraft von Print und Online dahintersetzen, um etwas zu bewegen - das ist schon öffentlich-rechtlicher Auftrag, public-value.

HORIZONT: Neu ist der Sonntags-Auftritt in Oberösterreich…

Kralinger: Wir haben Anfang März am Sonntag mit einer Beilage für Oberösterreich gestartet. Ziel war es, im Wirtschaftsraum Oberösterreich, der für den Kurier großes Leserschaftspotential hat, die bereits bekannte Marke "Kurier", stärker zu den Menschen zu bringen. Das zeigen wir, indem wir auch mehr Oberösterreich in der Zeitung haben – die Kampagne dazu ist folgerichtig unter dem Titel „Mehr Oberösterreich“ gelaufen.

HORIZONT: Das wird sich, da nur ein Quartal lang, in der MA noch nicht niederschlagen…

Kralinger:
Ich freue mich auf die Media-Analyse-Werte, was dieses Bundesland betrifft – da bin ich mir sicher, dass es zu Steigerungen kommen muss. Letztendlich hat uns das Feedback aus Oberösterreich bewegt, dass wir ab 27. September täglich eine Seite Oberösterreich in der Zeitung haben werden, nach dem Muster der Mutationen in den niederösterreichischen Vierteln.

HORIZONT: Wie hoch liegt die Latte?


Kralinger: Das Ziel ist einfach, mehr Leser zu haben, bei Auflage und Reichweite zu wachsen. Wir analysieren unsere Wachstumsmärkte mit der Marktforschung. Wenn der Markt sich mit der Positionierung deckt, so wie in Oberösterreich, sollte es klappen.

HORIZONT: Nach Oberösterreich kommt…?

Kralinger:
Wir haben österreichweit eine Markenbekanntheit von 98 Prozent und prüfen die Chancen auf Basis der Erfahrungen in Oberösterreich. In wirtschaftlich starken Regionen sehen wir Potential, das ist sicher interessant.

HORIZONT: Wie geht es der "TV.Woche"?


Kralinger:
Wir sind mit dem Ergebnis durchaus zufrieden. Wir haben am Freitag deutliche Mehrverkäufe, die Media-Analyse zeigt mittlerweile stabile Werte. Wir haben mit einem sehr straffen Kostenmanagement den Aufwand reduziert und sind mit den Anzeigenerlösen zufrieden. Was nicht heißt, dass man dort nicht genauso darüber nachdenken kann, das Produkt zu verändern, an der Positionierung zu arbeiten. Aber wir müssen auch sehen, dass das Potential dort relativ gering ist. Da müssen wir die Relation zum Kostenaufwand sehen, wenn wir an den Schrauben drehen.
Was ich nicht ganz verstehe, ist, dass die Werbewirtschaft nicht stärker auf die Fernsehmagazine reflektiert . Die "TV.Woche" hat eine Reichweite von 5,8 Prozent (MA 2010) wie viele Wochenmagazine haben das und werden eine ganze Woche lang konsumiert?

HORIZONT: "tele"-Geschäftsführer Hans Metzger fühlt sich als Supplement bei der Marktbearbeitung etwas allein…?


Kralinger: Da kann ich Hans Metzger beruhigen; wir haben ein kostendeckend geführtes Produkt, das die Leser mögen.

HORIZONT: Was kommt im Herbst?

Kralinger:
Wir forcieren Serien, weil wir den Lesermarkt mit der redaktionellen Kraft erobern wollen. Wir werden im Herbst etwa eine große Serie zur Bildung haben – und seit 18. September laufen die Wiener Testwochen mit aktiver Leserbeteiligung.

Ich bin mit Chefredakteur Helmut Brandstätter einer Meinung: Ein Kaufprodukt muss mit redaktioneller Kraft, journalistischer Qualität und exklusiven Stories punkten. Wir sind am Markt mit einer Fülle von Gratisprodukten konfrontiert und wollen uns auf der Ebene „Wer druckt mehr“ als Kaufzeitung erst gar nicht matchen. Wir möchten dem Leser viel an Wert bieten und das verursacht natürlich hohe Kosten. Gratisprodukte sind vom Werbemarkt abhängig und haben eine andere Fokussierung.
Wir wollen unser Produkt weiterhin verkaufen, auch unsere Preiserhöhung im Frühjahr hat unsere Abonnenten nicht abgeschreckt. Wir wissen, die Kurier-Leser und die "Kurier"-Abonnenten sind nach wie vor bereit, für unser Produkt Geld auszugeben und das, obwohl es eine Fülle von Gratisangeboten gibt. Das Produkt hat also offensichtlich einen gespürten Mehrwert für den Leser, und an dem wollen wir natürlich weiter arbeiten, um noch mehr Leser und Abonnenten zu gewinnen.

Wir haben ja in den letzten Jahren sehr intensiv in die Hauszustellung investiert – damit hat der Abonnent unsere Zeitung früher als jede Gratiszeitung, nämlich verlässlich bereits vor 6 Uhr früh an der Wohnungstüre. Die Zeitung sehe ich als das Zentrum unserer Wertschöpfungskette, aber rundherum ist viel Raum für zusätzliche Angebote und Services, im Sinne einer Verbreiterung der Marke in allen Kanälen.

HORIZONT: Seit dem Frühjahr macht Christian Neuhold Sonderbeilagen…


Kralinger:
Ich kenne Chris Neuhold noch aus meiner Zeit bei der Verlagsgruppe News und war schon immer beeindruckt, wie er die Themen angeht und aufbereitet. Neuhold ist ein sehr kreativer Journalist und hat den richtigen Zugang, wie man serviceorientierte Produkte gestaltet, die zum "Kurier" passen. Wir waren bei seinem Abgang von News schon im Gespräch - er hat dann noch bei einer anderen Tageszeitung einen Abstecher gemacht – aber ich freue mich, dass wir ihn nun für den "Kurier" gewinnen konnten.

HORIZONT: Da gibt´s ein festes Programm?

Kralinger:
Teilweise. Aber Neuhold ist wie gesagt ein kreativer Kopf, unsere Anzeigenabteilung hat ebenfalls viele Ideen und Erfahrungen. Das ist ein Teamwork inklusive "Kurier"-Marketing und mir als Geschäftsführer. Unsere Produkte sind Deckungsbeitrag-getrieben, das heisst, sie erscheinen dann, wenn die Produkt-Ideen vom Markt angenommen werden. Wenn sich herausstellt, dass eine Schiene sehr gut läuft, dann machen wir sie auch öfter. Die zuletzt erschiene Geldbeilage hatte eine tolle Resonanz und wir wollen diese drei bis viermal im Jahr machen. Wir sind mit dieser Sparte sehr zufrieden.

HORIZONT: Kommen wir zum Anzeigenmarkt…


Kralinger:
Da muss ich differenzieren, wir haben ja ein gebrochenes Geschäftsjahr. Das erste Halbjahr konnten wir deutlich über dem Vorjahr abschliessen, der Sommer ist gut gelaufen.
Meine Erwartungshaltung für den Herbst ist momentan – wie soll ich das ausdrücken? – vorsichtig optimistisch .
Ich beobachte die derzeitige Entwicklung, angefangen von den Finanzmärkten bis zur Entwicklung des Konsums sehr genau, die Märkte reagieren sehr volatil.

HORIZONT: Sind das schon Signale aus der Anzeigenwirtschaft?


Kralinger: In den letzten Jahren haben wir gelernt, dass die Reaktionszeit auf Entwicklungen immer kürzer geworden ist. Sehe ich in den Auftragsbüchern eine kleine Delle, reagiere ich schneller mit Massnahmen, spare bei den Ausgaben . In der augenblicklichen Situation tue ich mir schwer, einzuschätzen, wohin die Entwicklung geht. Aber die Delle aus den Krisenjahren 2008 und 2009 ist wieder auf- und überholt.

HORIZONT: Wie ich wahrnehme, versuchen Mediaagenturen die Einkaufskonditionen weiter zu optimieren – da ist der schöne Begriff Trading in die Welt gekommen (früher hiess das präziser Broking)…

Kralinger: Trading höre ich in Österreich jetzt zum ersten Mal. Ich halte das aus Kundensicht für eine völlig falsche Entwicklung , weil wir den Kontakt zu Kundenwünschen verlieren und unser Leistungspotential gar nicht mehr genutzt wird.
Wir können mit unserer Marke, unserer Redaktion und deren journalistischem Themenangebot für unsere Anzeigenkunden als Umfeld einen Kundenkonnex und Affinitäten schaffen. Trading kommt mir vor, wie in einem Lager Fläche zu mieten und seine Produkte da hineinzukippen… . Wer würde das tun, um ein Produkt erfolgreich anzubieten? Der Preis des Kontaktes wird höher bewertet als die Qualität.

Was funktioniert und was wir bieten können, ist mit richtigen Platzierungen in redaktionellen Umfeldern die Werbebotschaft verstärken und Werbekunden so mehr Erfolg bringen.

HORIZONT: Wie groß ist die Nachfrage seitens der Mediaagenturen?

Kralinger: Wir machen das nicht.

HORIZONT: Der Gedanke wird durch Entwicklungen im Online-Bereich genährt…?


Kralinger:
Online kann ich mir das bei Restinventar ohne Platzierung für kurzfristige Massnahmen vorstellen. Da gibt es genug Inventory zu annähernd gleichen Kosten. Bei Zeitungen habe ich Druckkosten – und bei weniger Anzeigen entsprechend weniger Umfang. Was das regelmässige Anzeigengeschäft betrifft, sollten Printmedien das ablehnen.

Ich bin überzeugt, dass wir als Printmedien den Werbekunden noch sehr lange viel Erfolg bringen können. Aber da müssen wir auch unsere Assets ganz oben stehen haben. Das kann sich nicht auf eine willkürlich platzierte Anzeigenseite für einen x-beliebigen Kunden reduzieren. Das kommt darauf an, an welchem Tag welches Produkt wo in der Zeitung in welchem Format platziert wird.
Ein Beispiel: Die Powerpage im "Kurier" auf Seite drei mit dem großzügigen weissen Rahmen – das ist ein Aufwertung der Anzeige.

HORIZONT: Stichwort Gestaltung – seit einem Jahr ist mit Helge Schalk auch ein neuer Layout-Verantwortlicher am Werk. Seine Handschrift?

Kralinger: Deutlich wahrnehmbar! Wir überprüfen vieles im Detail und haben einiges umgestellt – beispielsweise auf der Seite 1 . Oder unsere Infografik setzt deutlich stärkere Akzente. Wir arbeiten an verschiedenen Konzepten, werden aber keine großen Änderungen vornehmen, ohne diese vorher sehr genau abgetestet zu haben.

HORIZONT: Es gab einen Personal-Abbau im Frühjahr, mit Begleitmusik…

Kralinger:
Das war für niemanden, auch für mich persönlich, keine einfache Zeit. Es ist nie erfreulich, sich von Menschen zu trennen, noch dazu, wenn diese schon länger im Unternehmen waren. Mein Ziel war es, sozialverträgliche Lösungen zu finden, es sollte niemand in eine Zwangslage kommen und ich denke, das ist auch gelungen.

HORIZONT: Das spielte sich ja vor dem Hintergrund eines sehr starren und von den Verlegern monierten Zeitungskollektivvertrags ab – gab es da ein Learning?

Kralinger:
Ich denke schon. Der Kollektivvertragspartner hat unsere Problemstellung erkannt. Auf der einen Seite müssen wir die beiden Welten Print und Online zusammenzuführen. Zweitens haben wir eine sehr steile Kurve der Einkommensentwicklung bei Print-Journalisten. Das führt dazu, dass junge Kolleginnen und Kollegen in den letzten Jahren sich schwer getan haben, einen Dienstvertrag zu erhalten, weil die Einstiegsgehälter sehr hoch sind und relativ schnell ansteigen. Gleichzeitig hat sich die Bedeutung der Online-Angebote der Tageszeitungen erhöht, viele Kollegen wechseln oder arbeiten für beide Medien – die aber sehr unterschiedliche Einkommensstandards aber auch Anforderungen haben. Ich glaube , dass es auf beiden Seiten ein Umdenken gegeben hat.

Was wir brauchen, ist eine Neuordnung, die den jeweiligen sehr unterschiedlichen Arbeitsbedingungen im Journalismus gerecht wird – bei der Tageszeitung ist das regelmäßiger, beginnt später am Vormittag und dauert bis in die Abendstunden, bei den Onlinern ist das eine Art Schichtbetrieb praktisch rund um Uhr. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir zu einer Lösung kommen werden. Das Interesse ist von beiden Seiten sehr groß.

HORIZONT: Tut es da gut, dass Sie gemeinsam mit Journalistengewerkschaft-Präsident Franz Bauer im Presserat präsidieren?


Kralinger:
Ja. Das ist sicherlich hilfreich, aber wir können und müssen die Funktionen trennen.

HORIZIONT: Kurz zum Stichwort Presserat – da stehe drei Themen Kodex, Verfahrensordnung und Regelungen zum Stichwort Finanzmarkt und Wirtschaftsjournalisten an…?

Kralinger:
In Arbeitsgruppen wurden Vorschläge zur Überarbeitung der Verfahrensordnung und der Statuten gemacht, diese sollen noch im Herbst abgestimmt werden und noch heuer festgelegt werden.

HORIZONT: Stichwort Online – kurier.at hat mittlerweile mehrere App-Versionen, ist am iPad präsent…am 1. Oktober ist die futurezone.at ein Jahr beim Telekurier…

Kralinger:
Zuerst einmal: Ich halte es für extrem wichtig in Bezug auf die digitalen Aktivitäten und Nutzungsgewohnheiten der User ständig „am Ball“ zu bleiben - auf diesen Punkt wurde bis vor kurzem noch viel zu wenig Rücksicht genommen - so hat sich etwa im Tagesablauf die Konsumation der Nachrichtendienste aufgrund veränderter Lebensgewohnheiten deutlich verändert Unser Ziel ist es, mit unseren Produkten dem Leser auf unterschiedlichen Kanälen zu unterschiedlichen Zeiten aktuelle und qualitativ hochwertige Information zur Verfügung stellen zu können. Das ist eine besondere Herausforderung und hier gilt es, die Lücken zu schließen.

Internet war der erste Schritt, jetzt haben wir zwei mobile Versionen als App, die Vollversion ist kostenpflichtig um 3,99 Euro, dazu gibt es eine Gratisversion für den kurzen Meldungsüberblick. Für iPad und Android haben wir eine animierte Version der Tageszeitung , die für Abonnenten gratis ist.

Ein wichtiger Grundsatz für uns: Wir wollen auch in der digitalen Welt dabei bleiben, dass Nachrichten einen Wert haben und etwas kosten dürfen und sollen – und offensichtlich sehen das auch unser Nutzer so: Wir sehen kaum einen Unterschied bei den Downloadzahlen, seit wir kostenpflichtig sind. Das betrifft nicht nur den "Kurier" – wir haben ja derzeit insgesamt sieben Apps im Angebot, beispielsweise der Restaurantführer "Tafelspitz", die kostenpflichtig sind. Auch da funktioniert das.

HORIZONT: Ein Jahr futurezone.at…da erreicht das Angebot langsam die Zugriffs-Zahlen, die im ORF-Verkaufsprospekt ausgelobt waren…?

Kralinger:
Ja, stimmt. Im September gehen wir davon aus, dass wir bei Visits und Page-Impressions das vormalige orf.at-Niveau erreichen werden, bei den Unique Clients werden wir nur knapp darunter liegen.
Ich glaube, es ist uns und vor allem dem verantwortlichen Leiter Gerald Reischl gelungen, einen Großteil der ehemaligen futurezone.orf.at-Community vom neuen Angebot zu überzeugen.
Unser Ziel war von Anfang an, die erste Adresse für Nachrichten aus dem IT- und Elektroniksektor zu sein. Aufgrund der guten Resonanz sehen wir, dass das auch gelingt. Dazu hat auch die futurezone-App beigetragen, die es seit 4. Juli gibt – die wurde in den ersten vier Wochen 32.000 Mal heruntergeladen. Das ist schon eine beeindruckende Zahl. Ich glaube, dass die futurezone noch sehr viel Potential hat und noch stark weiter wachsen wird.

HORIZONT: Also Alles digital, oder was?

Kralinger:
Wenn ich mir überlege, welche Endzeitszenarien noch vor zwei, drei Jahren auf diversen MedienKongressen sehr umfangreich und wortreich entworfen wurden, dann stehen wir doch ganz gut da!

Österreich ist ein Zeitungsleserland, in der Mediaprint haben wir bei "Kronen Zeitung" und "Kurier" die höchsten Abonnentenstände ever – ganz ehrlich: Welche stärkere Form der Willensbekundung als die Bereitschaft eines Abonnenten, für seine Tageszeitung einen durchaus respektablen Betrag zu zahlen, kann es denn noch geben?

Ich sehe also die Zukunft des Mediums Tageszeitung sehr positiv – mit all den vorher angesprochen Begleitumständen, Stichwort digitale Kanäle. Ich lehne mich nicht zurück und fahre mit der Zeitung geradeaus und lasse Online links liegen. Für mich ist der Gerald Reischl von der futurezone.at ein hervorragendes Beispiel für das konvergente Arbeiten, dieser Aufgabe müssen wir uns stellen: Übergreifend jeweils dem medialen Kanal gerechte werdende Angebote bedienen. Es geht nicht um entweder oder, so wie bei Radio und Fernsehen es nicht um ein „entweder/oder“ ging.

HORIZONT: Zur Online Vermarktung. Neben adworx seid Ihr in zwei Paketen dabei, dem "Reichweitenpaket österreichischer Onlinemedien" und im premiumnet…

Kralinger:
Zum "Reichweitenpaket österreichischer Onlinemedien" im Netz: Das ist ein Gesamtpaket österreichischer Medien, um eine Möglichkeit zur Durchbuchung zu eröffnen, ohne mit einem Dutzend Partnern einen Deal machen zu müssen. Das ist das Angebot, eine große Kampagne mit möglichst wenig Aufwand durchbuchen zu können. Das Netzwerk ist ein Angebot für klassische Display Anzeigen, die nach Tausend-Kontakt-Preis abgerechnet werden.

Premiumnet ist dagegen eine andere Marktschiene, das an den KMU-Bereich und vertriebsorientierte Kunden geht, die keine großen Branding-Kampagnen machen wollen, zwar eine große Reichweite anstreben, aber nach den Kriterien von Performance abrechnen wollen.

HORIZONT: Premiumnet ist Performance exklusiv, Google wurde damit ausgebremst?

Kralinger: Davon kann keine Rede sein, wir haben nach wie vor Google-Adwords als Partner. Wir haben nie gesagt, dass wir Google nicht wollen. In dem Sektor, den premiumnet abdeckt, trauen wir uns aber zu, den österreichischen Markt mit unserem Partner sehr gut bearbeiten zu können. Warum sollen wir einem einzigen Vermarktungspartner – das betrifft nicht nur Österreich, sondern ganz Europa – dessen Wertschöpfung nicht in den Regionen stattfindet, das Feld einfach überlassen. Das mag für Google ungewohnt sein, wir sind von unserem Angebot überzeugt.

HORIZONT: Kleiner Themenwechsel: Der Kurier, die Romy-Gala und der ORF – Sie wurden zitiert, als Sie einen Satz von Alexander Wrabetz bei der IAA „Gebt mir ein paar Werbeminuten mehr“ konterten…

Kralinger:
GD Wrabetz hat gesagt „mehr oder weniger“ – und ich habe gesagt „Über weniger können wir immer reden“, dass Verleger und der ORF anderer Meinung sind, ist doch klar! Aber ich habe auch ein Bekenntnis zum öffentlichen Rundfunk-Auftrag gefordert. Und dafür geht es dem ORF doch viel besser als den öffentlich rechtlichen Sendern in Deutschland. Der Kompromiss bei der Online-Werbung hat dem Markt jedenfalls geschadet.

HORIZONT: Reden müsst ihr ja als Partner bei der Romy-Gala – bleibt das auch so in der neuen Ära Wrabetz?


Kralinger: Ich habe eine sehr gute Gesprächsbasis mit Generaldirektor Alexander Wrabetz und dem kaufmännischen Direktor Richard Grasl. Was die Romy-Gala betrifft, habe ich eine Zusage von Alexander Wrabetz, dass die Romy auch nächstes Jahr mit dem ORF stattfinden wird.
Das wäre ja auch verwunderlich, wenn der ORF als größter Film- und Fernsehproduzent kein Interesse mehr haben sollte, den größten Film- und Fernsehpreis Österreichs zu übertragen.
stats