‚Ich sammle Follower‘
 

‚Ich sammle Follower‘

#

Constantin Blaha ist eine Olympia-Hoffnung für Rio 2016 – hier spricht der Wasserspringer über seine Karriere, seine Ausbildung und seine Sponsoren

Horizont: Sie sind gerade wieder inArizona, um zu trainieren. Das ist seitdem Studium Ihre zweite Heimat.

Constantin Blaha:
Es ist perfekt in der Übergangssaison. Es hat hier 32 Gradund in zwei Wochen springe ich in Mexiko, dann in Kanada. Ab Mitte Maibin ich wieder in Wien, um mich auf EM und WM vorzubereiten.

Horizont: Wann haben Sie mit dem Wasserspringen begonnen und wann das erste Mal Geld verdient?

Blaha:
Der Sohn meines Trainers war mein Kindergartenfreund, ernahm mich mit sechs Jahren mit zum Springen. Das hat mir gleich getaugt und meinen Eltern auch, weil ich dort meine Energien losgeworden bin. Am Anfang war alles sehr spielerisch,wirklich ernst genommen habe ich den Sport mit zehn Jahren, da war ich dann fünf Mal in derWochetrainieren.

Horizont: Das heißt, Sie springen schon seit 20 Jahren.

Blaha:
Ja, stimmt. Mit 14 war ich zum ersten Mal bei der Jugend-Europameisterschaft in Malta. Das war ein tolles Gefühl. Ich wurde zwei Mal Vierter. Damals suchte ich erstmals bei der Sporthilfe an und bekam 150 Euro im Monat als Nachwuchsspringer. Das war ein sehr gutes Taschengeld. Ich habe mir davon Badehosen oder die Fetzerl zum Abtrocknen gekauft. Es war eine Entschädigung für den Aufwand und die Zeit, die  man investiert, und es war ein Ansporn. Wenn jemand in dich investiert, dann willst du auch beweisen, dass du es verdient hast. Es war für mich als Einzelsportler auch fein, andere kennenzulernen, die Leistungssport machen. Da entsteht ein Gemeinschaftsgefühl. Die Unterstützung der Sporthilfe blieb mir auch in den USA. Der Betrag schwankte in den Jahren zwischen 75 und 600 Euro monatlich.

Horizont: Sie wurden also vonTalentscoutsamerikanischer Unis bei Wettkämpfen entdeckt, und Ihnen wurde ein Stipendium angeboten.

Blaha:
Nach der Matura war ich zunächstaufgrund meiner Leistungen beim Schwimmverband gut gerankt und das Bundesheer rekrutierte mich für das Heeressportzentrum. Da erhielt ich ein solides Angestelltengehalt von 1.200 Euro netto 14-mal im Jahr. Das war eine gute Basis, um sich ganz dem Sport zu widmen. Hinzu kam die Sporthilfe und ein Autosponsor. Ich hatte damals ein feines Leben. Erst nach den Olympischen Spielen in Peking ging ich in die USA. Das Stipendium von 33.000 Dollar im Semester wurde bezahlt, hinzu kamen 1.000 Dollar Essens- und Wohngeld. Ich wollte diesen Tapetenwechsel und eine solide Ausbildung neben dem Sport. Ich hatte mehrere Angebote und entschied mich für das Studium Wirtschaft & Kommunikation mit dem Nebenfach Französisch hier in Phoenix.

Horizont: Wie war es in den USA, kommt man neben der Uni überhaupt zum Trainieren?

Blaha:
Nur ein Beispiel: Uni-Football-Stadien haben hier mehr Sitzplätze als das Ernst-Happel-Stadion. Unseres hat 80.000, das zeigt den Stellenwert von Sport. Es gibt Schwimmhallen, Leichtathletik und sicher 20 Unis, wo gute Wassersprungtrainer arbeiten. Daist man in guten Händen, hat Trainer, Physiotherapeuten, Masseure und jedes Wochenende Wettkämpfe. Es herrscht hier ein toller Teamgeist. An meiner Uni mit 89.000 Studenten trainieren 500 Leistungssportler. Da geht man gemeinsam durch dick und dünn - lernt und trainiert miteinander.

Horizont: Sie haben 2013 Ihren Bachelor gemacht.

Blaha:
Ja, und dann hatte ich eine Bombensaison mit einem fünften Platz am Einmeterbrett und einem neunten Platz am Dreimeterbrett beider WM in Barcelona. Ich wurde zu den World Series, der Champions League im Wasserspringen, eingeladen. Damit kamen die Sponsoren, und ich wurde wieder beim HSZ angestellt. Außerdem werde ich von Sporthilfe, Sportpool und meinem Privatsponsor, der Firma Ströck, unterstützt. Sport-Equipment erhalte ich von adidas - die drei Streifen erkennt jeder auf einen Blick.

Horizont: Branding im Wasserspringenist schwierig - Badehose, Handtuch, Fetzerl, und das wars.

Blaha:
Außerdem sind die Vorgaben zum Beispiel bei FINA-Wettkämpfen sehr streng. Werbung ist kaum erlaubt, Logos dürfen nicht größer als 20 Quadratzentimeter sein und nur ein Sponsor ist zugelassen.

Horizont: Was bietet ein Sportler dann dem Sponsor?

Blaha:
Medienpräsenz, Foto-Shootings, Fernsehdrehs und Präsenz bei Veranstaltungen. Es ist wichtig, Leute zu kennen und aufzutreten. Aus diesem Grund bin ich dankbar für HSZ oder Sporthilfe als Basis, eben weil es für Randsportler nicht einfach ist - außerman hat bei Olympia eine Medaille gemacht und ist bekannt. Neu ist das Projekt Rio, ein Spitzensportförderprogramm des Ministeriums.Ich erhalte jährlich 20.000 Euro, zweckgebunden für Trainingslehrgänge, Wettkämpfe, Massagen, Physiotherapie, Zusatzernährung. Das ist wichtig auf unserem Niveau.

Horizont: Haben sie sich für Rio schon qualifiziert?

Blaha:
Das geht erstmals im Sommer. Aber eines noch: Die sozialen Medien gewinnen an Bedeutung. Viele Sportlersind auf Facebook, Twitter, Instagram. Da sind die Fans näher an dir dran, erhalten Hintergrundinfos und auch Sponsoren haben eine zusätzliche Plattform. Ich habe einige tausend Follower und mit jedem Großereignis werden es mehr.

Horizont: Sie sind 27, wie lange werden Sie noch für Österreich springen?

Blaha:
Solange ich gut davon leben kann und der Körper mitspielt, bis Olympia in Rio 2016 sicher. Es macht mir immer noch sehr viel Spaß.

Dieses Interview erschien bereits am 20. März in der HORIZONT-Printausgabe 12/2015. Hier geht's zur Abo-Bestellung.
stats