iab austria kritisiert Facebook für Werbezens...
 

iab austria kritisiert Facebook für Werbezensur von Awareness-Kampagnen

APA (Symbolbild/AFP)
Kampagnen mit gesellschaftlichem Mehrwert fallen der Doppelmoral zum Opfer, kritisiert das iab austria.
Kampagnen mit gesellschaftlichem Mehrwert fallen der Doppelmoral zum Opfer, kritisiert das iab austria.

Nachdem bereits der WienTourismus in seiner Kampagne mit den Werberichtlinien des US-Digitalgiganten kokettierte und sich auch das Bank Austria Kunstforum Wien wenig erfreut diesbezüglich zeigte, stellt nun das iab austria die Zensur an den Pranger.

Der WienTourismus machte sich die Werberichtlinien von Facebook schon zunutze und kokettierte in seiner Kampagne mit Sujets von Gustav Klimt, die dem US-Giganten wohl zu frivol erschienen. Auch Sujets des Bank Austria Kunstforum Wien zur Bewerbung der aktuellen Ausstellung "Pierre Bonnard. Die Farbe der Erinnerung" fielen der Zensur zum Opfer und erschwerten dem Ausstellungshaus die Bewerbung seiner Ausstellung.

Nun trifft es den Checkpoint Zürich, der zum Welt-AIDS-Tag ein Video mit zwei sich küssenden Männern bewerben wollte. Facebook lehnte zweimal ab. "Das Video beinhalte sexuelle oder anzügliche Bilder, Nacktheit und Menschen in anzüglichen Posen oder bei sexuell provokanten Handlungen", so die Argumentation des Medienunternehmens. Während Facebook sich LGBT-friendly zeigt und im Juni die Regenbogenfahne hisst, wird es Institutionen erschwert, Präventionsarbeit zu leisten und Awareness-Kampagnen zu schalten, konstatiert der Online-Vermarkterkreis im iab austria.

"Digitalwerbung ist ein mächtiger Hebel für Awareness-Kampagnen, gesellschaftliche und kulturelle Anliegen. Am aktuellen Beispiel zeigt sich wieder deutlich, welche Doppelmoral hinter Facebook steckt und welch bedrohliche Auswirkungen die Zensur durch die U.S.-Digitalgiganten haben kann. Österreichische Publisher werden von Menschen gesteuert, die den Markt kennen und das nötige Fingerspitzengefühl haben. Es kann nicht sein, dass gesellschaftsrelevante Themen oder kulturelle Inhalte zensiert werden", moniert Eugen Schmidt (AboutMedia), Leiter des Online-Vermarkterkreises im iab austria.

Kritisch sieht der Online-Vermarkterkreis auch die Moderationsregeln im chinesischen Netzwerk TikTok: Unter anderem landeten homosexuelle oder dicke Menschen auf einer Liste von "besonderen Nutzern". Ihre Videos wurden als Mobbing-Risiko betrachtet und in der Reichweite beschränkt. Als Beispiele für betroffene User nennt TikTok in seinen Richtlinien "entstelltes Gesicht", "Autismus" oder "Downsyndrom". Die Entscheidung über die Klassifizierung der User obliegt Moderatoren, die dafür rund 30 Sekunden Zeit haben. Obwohl diese Richtlinien mittlerweile revidiert wurden (HORIZONT berichtete), muss sich das Netzwerk dem Vorwurf der politischen Zensur stellen.

"Weder Klimt noch Bonnard und schon gar nicht eine AIDS-Aufklärungskampagne würden von österreichischen Qualitätspublishern a priori abgelehnt werden. Die Zensur ist ein guter Anlass, um die Kampagnenplanung für das nächste Jahr noch einmal auf Herz und Nieren zu prüfen", ergänzt Schmidt. "Was kommt als nächstes? Wird das Christkind bald verboten und nur mehr Werbung mit dem Weihnachtsmann erlaubt, der viel mehr dem amerikanischen Ideal des Santa Claus entspricht?"

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