Hofer vs. van der Bellen: Die Social Media-Ra...
 

Hofer vs. van der Bellen: Die Social Media-Rankings zur Wahl

IPG Mediabrands
Norbert Hofer erzeugt deutlich mehr Buzz als Alexander van der Bellen - aber das ist noch lange nicht das Ende der Geschichte.
Norbert Hofer erzeugt deutlich mehr Buzz als Alexander van der Bellen - aber das ist noch lange nicht das Ende der Geschichte.

Wie schneiden die beiden Kandidaten bei der Wahl des Bundespräsidenten, Norbert Hofer und Alexander van der Bellen, auf Social Media-Plattformen wie Facebook und Twitter ab?

Auf den ersten Blick dominiert Norbert Hofer die Social Media-Diskussionen rund um die Bundespräsidentenwahl, eine detaillierte Analyse ergibt jedoch ein differenziertes Bild. IPG Mediabrands, die Media Holding der Interpublic Group, nahm das Summen, Dröhnen und mitunter auch Poltern in den sozialen Netzwerken unter die Lupe: Analysiert wurden Facebook-Beiträge und Kommentare in öffentlich zugänglichen Foren sowie Twitter-Nachrichten, die Hashtags oder Schlüsselworte rund um die Bundespräsidentenwahl beinhalteten - in Summe über 20.000 Texte.

Eine Zählung personenbezogener Postings und Kommentare über den Zeitraum Oktober bis November 2016 ergibt ein eindeutiges Bild: Norbert Hofer ist in den Social Media Kanälen weit präsenter als Alexander van der Bellen. In 73 Prozent der Fälle wird sein Name erwähnt. Doch bedeute diese quantitative Dominanz zwangsläufig auch einen positiveren Buzz?

Anhänger der alten journalistischen Binsenweisheit "Bad News are good News" mögen dem vielleicht zustimmen. Eine Inhaltsanalyse der Kommentare ergibt in Summe allerdings kein so eindeutiges Bild in Bezug auf die positive oder negative Wahrnehmung der beiden Kandidaten. Hofer hat zwar deutlich mehr Buzz als Van der Bellen, die Stimmungslage in den Sozialen Netzwerken ist in Summe jedoch deutlich ausgeglichener: Nur 48 Prozent der Statements können pro Hofer zugeordnet werden, 42 Prozent Van der Bellen.

Facebook ist Hofer, Twitter ist van der Bellen

Eindeutig ist allerdings die unterschiedliche Tonalität auf Facebook und Twitter, zeigen die beiden Plattformen doch ein jeweils konträres Stimmungsbild auf: Tummeln sich in den öffentlich zugänglichen Foren - zu einem großen Teil die persönlichen Facebook-Seiten der beiden Wahlwerber, daneben in erster Linie Fanpages großer Printmedien oder TV-Sender - hauptsächlich Fans Norbert Hofers, finden sich auf Twitter weit mehr Anhänger Van der Bellens. Auch im Charakter der Beiträge unterscheiden sich die Plattformen: Sind die Fan-Bekundungen auf Facebook zumeist sehr deutlich und direkt an den jeweiligen Kandidaten adressiert, sind die Bemerkungen auf Twitter oft in ironische oder sarkastische Bemerkungen verpackt. Ein interessantes Detail: Die eindeutigen Fan-Bekundungen auf Twitter liegen für beide Kandidaten bei rund zwölf Prozent, jedoch finden sich gleichzeitig auf dieser Plattform auch vermehrt negative Kommentare zum blauen Präsidentschaftskandidaten: Ganze 45 Prozent der Tweets kritisieren Norbert Hofer, nur 14 Prozent (auf Facebook sind es zwölf) sind hier Van der Bellen-kritische Tweets. Kritik findet sich auf Facebook weit weniger - die Seiten werden jedoch moderiert und unliebsame Posts entsprechend häufig wieder gelöscht.

Mehr Postings vs. mehr Interaktion

Und wie sieht es mit der Qualität der Kommunikation auf den eigenen Kanälen, also den Fan-Seiten Van der Bellens und Hofers aus? Rein quantitativ hat Van der Bellen in den vergangenen Wochen viel aufgeholt, eine Mobilisierung der Fans ist in den Zahlen deutlich sichtbar. Unterschiedlich sind jedoch die kommunikativen Strategien der beiden Kontrahenten: Hofer postet häufiger auf Facebook und verfügt über eine größere Fanbase. Allerdings antwortet der Hofburg-Anwärter, bzw. sein Team, kaum in den öffentlichen Kommentaren. Van der Bellens Team ist hier weit aktiver, zudem schreiben auch Forenbesucher viele Beiträger - die Seite ist deutlich interaktiver, während Hofers Kommunikation, zumindest öffentlich sichtbar, one-way verläuft und kein weiterer Dialog mit den Nutzern eingegangen wird. War die Twitter-Fanbase Norbert Hofers im ersten Wahlgang noch ein wenig genutzter Kanal, ist der Präsidentschaftskandidat vor allem in letzter Zeit bemüht, auch auf dieser Plattform die Kommunikation stärker zu lenken.

Durch eine weit höhere Anzahl an Statusmeldungen und eine damit verbundene höheren Anzahl an Owner Impressions (Ausspielungen an Follower inkl. Retweets)ist der Buzz größer, und das Engagement wirkt höher als jenes Van der Bellens. Dennoch sind die Impressions, die Van der Bellen durch sein Publikum erzielt (Audience Impressions) höher. Die Zahlen lassen den Schluss zu, dass Van der Bellen-Follower nicht nur aktiver sind, sondern auch eine größere Anzahl eigener Follower und somit die "wertvolleren" Kommunikatoren sind. Die Blase summt, der Buzz ist laut - ob die unterschiedlichen Mobilisierungsstrategien online wie im Real Life zum gewünschten Ergebnis führen, werden die kommenden Tage weisen.
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