Hereinspaziert! Hier gibt es gute Unterhaltun...
 

Hereinspaziert! Hier gibt es gute Unterhaltung ...

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Diese Woche geht's bei Walter's Weekly u.a. um Marketing und Millenials sowie um Medien als moralische Scharfrichter

Diese Kolumne macht sich jede Woche auf die Suche nach aktuellen Nachrichten und Entwicklungen der Kommunikationsbranche im angloamerikanischen Raum. Alle Beiträge gibt es hier zur Nachlese.

Marketing und Millenials: Wie kommen sie zusammen?

Wo hängen die Jungen herum? Im Umfeld sozialer Medien. Wie erreicht man sie dort? Über die Einladung zu einem Gespräch. Behauptet zumindest die gängige Meinung und empfiehlt Marken, mit den vielen Facebook-Nutzern eine Unterhaltung anzuleiern.

Das Problem ist bloß, dass Gespräche dieser Art nicht stattfinden. So haben Erhebungen von Forrester Research gezeigt, dass selbst die 50 Top-Marken nur von 0,1 Prozent der Facebook-Besucher eine Anmerkung (bzw. ein „Like“ oder „Share“) erhalten. Ein Grund dafür ist, dass FB eine Art ‚Relevanzfilter’ eingebaut hat, was dazu führen kann, dass von 100 Leuten, die von einer Marke Nachrichten erhalten möchten, bloß 16 tatsächlich eine bekommen. Das war der Stand von 2012. Hat sich seither Facebook durchlässiger für Marketingnachrichten gemacht? Eine heuer im März von Social@Ogilvy veröffentlichte Studie kam zu dem Schluss, dass von 100 angeforderten Marketingbotschaften nur noch sechs ankommen. Ein Wert, der sichtlich gegen Null tendiert.

Laut Forrester ist ein dermaßen niedriges Engagement auch die Regel bei den anderen Riesen der Sozialnetzwerkwelt, bei Twitter, YouTube, Pinterest, Google+ und LinkedIn. Eine Ausnahme ist allerdings Instagram. Vermutlich aus zwei Gründen: Instagram ist nicht ganz so zugemüllt und außerdem filtern sie Marketingnachrichten nicht aus.

Facebook & Co sind stark von einfacher Display-Werbung abhängig geworden, weil sie sich gegenüber der Werbung wie ein normales Medium verhalten: Sie offerieren Flächen, wo man kommerzielle Botschaften abstellen kann. Von wegen Gespräche.

Vielleicht ist es einfach eine Tatsache der menschlichen Natur, dass Unterhaltungen entweder spontan oder indirekt initiiert werden. Dann wären Anzeigen in Sozialen Medien gar nicht so abwegig, da so zumindest die Hoffnung besteht, dass die Botschaft weitergereicht wird. Dagegen sollte man die Erwartung, einen Dialog direkt zu motivieren (und kontrollieren zu können!) am besten begraben.

Um wirklich Gespräche in Gang zu bringen, müssten Marken von einer direkten Übermittlung von Botschaften abgehen und stattdessen einen strategischen Umweg einlegen, etwa über ein unterhaltsames Lehrvideo auf YouTube (z.B. wie man ein Blumengesteck macht – selbst wenn dahinter als Absender Fleurop steht, die selber solche Dinge verkaufen). Red Bull ist in dieser Vorgehensweise ein Vorbild.

Um auf die Jugend zurückzukommen: Marketer können mit einer Zielgruppe nur kommunizieren, wenn sie ihre Einstellungen und Verhaltensweisen kennen. Die Digitalagentur Moosylvania kam allerdings zu dem Schluss, dass die Generation der Millenials sich nicht einmal selbst verstehe und im Übrigen gegen Marketing allergisch sei...

Quellen:

http://venturebeat.com/2014/09/02/for-many-brands-social-media-conversations-are-only-whispers/

http://www.forrester.com/Why+Facebook+Is+Failing+Marketers/fulltext/-/E-RES104441

http://www.slideshare.net/socialogilvy/facebook-zero-white-paper-31934430

http://venturebeat.com/2014/08/19/study-shows-99-of-organic-social-posts-create-almost-no-engagement/

http://www.moosylvania.com/millennials/

Stirnrunzeln der Woche: Heuchelei macht Überstunden

Der britische „Guardian“ hat in einem Anfall von medialer Selbstzerfleischung die Veröffentlichung von Promi-Nacktfotos beklagt und in einem Aufwaschen gleich die Betrachter zu Schuldigen miterklärt. Bloß findet ein Medium wie der „Guardian“ nichts dabei, Staatsgeheimnisse zu veröffentlichen, die drastische politische Folgen haben oder sogar Menschenleben (von Spionen) gefährden können. Viele (linke) Medien haben auch keine Hemmungen, auf einen selbstherrlichen moralischen Feldzug zu gehen und dabei private Unterhaltung ans Licht der Öffentlichkeit zu zerren, wenn sich dort eventuell Hinweise auf ‚rassistische’ oder ‚sexistische’ Einstellung finden. Subkulturen hat es immer gegeben – warum müssen sie gravierender beurteilt werden, sobald sie in der Digitalsphäre in Erscheinung treten?

Medien sind Übermittler. Sie können durchaus Fehlentwicklungen aufzeigen, aber ohne sich dabei als Staatsanwalt aufzuspielen. Als moralische Scharfrichter sind Medien abstoßend und gefährlich...

Quelle:

http://blogs.telegraph.co.uk/news/brendanoneill2/100285285/the-gobsmacking-hypocrisy-of-commentators-crying-over-the-leaking-of-celebrity-pictures/

http://www.theguardian.com/world/2014/sep/02/naked-photos-jennifer-lawrence-violent-videos-internet

http://www.theguardian.com/commentisfree/2014/sep/05/secrets-darknet-beheading-nude-celebrities-internet

Seufzer der Woche: Aufruf an Investoren, Online-Medienschund nicht zu finanzieren!

Dass ein Abfallmedium wie BuzzFeed unglaubliche 50 Millionen Dollar Wagniskapital erhalten hat, bringt einen Medien-Insider auf die Palme. Nicht nur ihn. 13 Sachen, die ich über, sagen wir, Jennifer Lopez Hintern nicht wusste, will ich auch NIE wissen...

Quelle:

http://www.mondaynote.com/2014/09/07/buzzfeed-an-open-letter-to-ben-horowitz/

Wider den Bierernst: lustige Werbung der Woche

Der neue Ikea-Katalog, in einem Video ausgelobt als wäre es die jüngste Apple-Sensation. Sehr nett!

Zu finden hier:

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/video-wie-sich-ikea-ueber-apple-lustig-macht/10659428.html

Alptraum der Woche: Die ganze Welt ein Apfel

Anlässlich der jüngsten Präsentation von Apple (iPhone, Apple Uhr und ein neues Bezahlsystem) schwärmte ein (bezahlter?) Beobachter:

Ein Computer in deiner Tasche. Ein Computer auf deinem Körper. Ein Computer, mit dem man alles bezahlt. Ein Computer, der die Tür zum Hotelzimmer öffnet. Ein Computer, der deine Bewegungen beobachtet, wenn du durch das Einkaufszentrum marschierst. Ein Computer, der deinen Schlaf überwacht. Ein Computer, der sämtliche Geräte in deinem Heim kontrolliert. Ein Computer, der dir sagt, wo du geparkt hast. Ein Computer, der deinen Puls misst, dir sagt, wie viele Schritte du gegangen bist und wie viele Kalorien du verbrannt hast—und der das alles deinen Freunden berichtet. Ein Computer in deinem Auto. Und es ist alles ein und derselbe Computer: Der Computer im Himmel, der verbunden ist mit dem Computer in deiner Tasche, an deinem Handgelenk, in deinem Auto, Büro und deinem Heim.

(…) Das Apple-Ökosystem ist wie ein Sumpf. Je mehr wir mit ihm zusammenarbeiten, umso tiefer werden wir hineingezogen.

(http://www.wired.com/2014/09/apple-ecosystem/)

NEIN!!!

(Gibt es noch irgendwo ein anschluss- und sumpffreies Atoll zu kaufen?)

[Walter Braun]
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