Grüne-App: Kampf um junge Wähler
 

Grüne-App: Kampf um junge Wähler

Das Smartphone-Spiel "Part Of The Game" der Grünen soll sonst schwer erreichbare junge Zielgruppen in den App Stores abholen - und könnte sich rechtliche Probleme einhandeln - Kampagnen-Leiter Martin Radjaby im Interview

Karl-Heinz Grasser Geldkoffer sammeln lassen, Walter Meischberger "supernackt" ausziehen, Werner Faymann vom Untersuchungsausschuss fernhalten und Nikolaus Berlakovich eine neue Pestizid-Spritze ausprobieren lassen: Das neue Wahlkampf-Spiel "Part Of The Game" der Grünen soll das Thema Korruption an eine junge Zielgruppe herantragen. Das Gratis-Spiel schaffte in Apples App Store gleich einen Überraschungserfolg, während Beobachter wie Yussi Pick, Autor des Buches "Das Echo-Prinzip" über politische Online-Kommunikation, Probleme auf die Grünen zukommen sehen. "So gut recherchiert, faktenbasiert und juristisch abgedeckt die App auch ist, sie schreit förmlich nach Klage", schreibt Pick.

HORIZONT online hat Kampagnen-Leiter Martin Radjaby von den Grünen zu den Hintergründen der Wahlkampf-App befragt.

HORIZONT online: Die Grünen haben im Wahlkampf mit einem Smartphone-Game überrascht. Was ist die Grundidee von "Part Of The Game"?

Martin Radjaby: Das Spiel erinnert augenzwinkernd an die großen Korruptionsfälle der vergangenen Monate und Jahre. Und daran, dass Österreich eine neue, saubere Politik braucht, wie sie für die Grünen seit ihrer Gründung selbstverständlich ist. Das soll die App spielerisch vermitteln.

HORIZONT online: Das Spiel ist in Apples App Store ziemlich erfolgreich und liegt derzeit auf Platz 2 in den Charts. Wie viele Downloads hat man geschafft (inkl. Android)?

Radjaby: Das Spiel war im Apple Store nach 12 Stunden auf Platz 1 – die enorme Nachfrage von über 10.000 Downloads innerhalb der ersten 48 Stunden hat uns selbst ein wenig überrascht.

HORIZONT online: Welche Menschen versucht man mit dem Game zu erreichen?

Radjaby: Jüngere Zielgruppen sind für Themen oft schwerer zu erreichen, der Politikfrust ist hoch, die Interessen sind hochdifferenziert. Mit dem "Part of the Game"-Game machen die Grünen hier ein Angebot an die 16- bis 35–Jährigen. Ein weiterer konsequenter Schritt um Nummer 1 bei den Jungen zu werden.

HORIZONT online: Im Game treten Grüne-Politiker wie Peter Pilz als "die Guten" auf. Klopft man sich damit nicht ein wenig zu sehr auf die eigene Schulter?

Radjaby: Peter Pilz, Gabi Moser und Co. verdanken wir die Aufklärung der größten Korruptionsskandale der letzten Jahre. Und diese vor den Vorhang zu holen, ist aus unserer Sicht angemessen.

HORIZONT online: Im Spiel werden Grasser, Meischberger, Faymann oder Strasser auf die Schippe genommen. Könnte man sich damit nicht auch rechtliche Probleme einhandeln?

Radjaby: Wir glauben nicht. Das Spiel hat einen hohen Augenzwinker-Faktor, spricht aber trotzdem sachlich die größten Korruptionsaffären der letzten Jahre an. Aus unserer Sicht müssen Personen öffentlichen Interesses damit rechnen, in eben diesem öffentlichen Interesse zu stehen.


HORIZONT online: Haben die Grünen vorher Juristen zum Inhalt des Games konsultiert? Wovon wurde abgeraten?

Radjaby: Ja, das Spiel wurde rechtlich geprüft. Interessanterweise waren die JuristInnen bis auf kleine Details mit dem Spiel von Beginn an einverstanden.

HORIZONT online: Im Game können Nutzer freiwillig ihre Facebook-Daten (Basisinformationen wie Alter, Geschlecht, Wohnort, etc.) und Freundeslisten an die App weitergeben. Was passiert mit diesen Daten, werden die zu Wahlkampfzwecken ausgewertet?

Radjaby: Durch die Share- und Einladungsfunktionalitäten in der App fragt Facebook eine Berechtigung ab, teilweise auf das Konto der Userin zugreifen zu dürfen. Die Grünen verwenden keine Daten aus der App für den Wahlkampf.

HORIZONT online: Die Grünen haben das Game inhouse konzipiert. Wie viel Arbeit steckt darin, und wird man künftig noch mehr Apps liefern?

Radjaby: Von der Idee bis zur fertigen App hat es zirka vier Monate gebraucht, ein Team von acht Leuten hat daran gearbeitet. Das Spiel wurde in Zusammenarbeit mit der Agentur MediaBrothers konzipiert und umgesetzt. Und ja, die Grünen werden weitere Apps launchen. Auch in diesem Wahlkampf noch.
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