Google vermeldet Durchbruch bei Chatbot-KI
 

Google vermeldet Durchbruch bei Chatbot-KI

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KI kann im Fall von Googles "Meena" auch Kalauernde Intelligenz heißen, wie Witze über Pferde, die in "Hayward" studieren, beweisen.
KI kann im Fall von Googles "Meena" auch Kalauernde Intelligenz heißen, wie Witze über Pferde, die in "Hayward" studieren, beweisen.

Google will das Niveau Künstlicher Intelligenz auf ein neues Niveau gehoben haben - und zwar eines, das menschlicher Kommunikation schon recht nahe kommen soll. Das auf einem Google-Blog vorgestellte Chatbot-Projekt "Meena" beruht laut den Unternehmensangaben auf einem völlig neuen kommunikatorischen Ansatz.

Man nähere sich einem Chatbot, der "über was auch immer sprechen" könne, präsentierte Google selbstbewusst den Chatbot auf seinem AI Blog. Dazu ging man ab von der weiterhin sehr spezialisierten Programmierung bisher gebräuchlicher Chatbots, die im Wesentlichen auf fachliche Fragen und von Kernbegriffen getriggerte spezialisierte Antworten - und demnach oft frustrierende kommunikatorische Erlebnisse - abstellt. Stattdessen näherte man sich der Aufgabe durch einen selbst geschaffenen neuen Index zur Bewertung menschlicher Kommunikation, die laut dem dahinter stehenden Forschungsmodell auf den Parametern Vernünftigkeit und Genauigkeit beruht.

Die beiden Parameter beeinflussen den Fortgang jeder Kommunikation maßgeblich, führt Google anhand von Beispielen aus: Wenn etwa auf die Aussage "Ich mag Tennis" geantwortet werde "Das ist fein", sei das zwar eine vernünftige, aber keine spezifische Antwort. Anders verlaufe die Konversation, wenn die Antwort laute "Ich auch, ich kann von Roger Federer gar nicht genug bekommen". Tatsächlich steuert "Meena" in den von Google präsentierten Beispielen die Konversation will aktiver als bisher bekannte Chatbot-Modelle. Das hat aus Sicht der Programmierung auch den Vorteil, dass der Chatbot schnell von "weißen Flecken" auf seiner Datenlandkarte ablenken kann. Auf die Frage nach einer bestimmten TV-Show antwortet er etwa nicht nur "Die kenne ich nicht", sondern "Die habe ich nicht gesehen, meine Lieblingsshows sind Supernatural und Star Trek TNG" - mit entsprechendem Wissen zu diesen beiden gefüttert.

Vorboten von Markt-Dominanz bei Sprachassistenten?

Insgesamt sind laut Googles Angaben 341 GB an Textinformation aus öffentlichen Social-Media-Beiträgen in die Programmierung geflossen. Demnach verfügt der Bot nun über 2,6 Milliarden Antwort-Parameter, die jeweils dynamisch generiert werden. Konkret werden zu jeder Antwort und Frage sieben weitere mögliche konversatorische Wendungen gruppiert. Außerdem "erinnert" sich der Chatbot - auch das unterscheidet ihn von bisherigen Bots - bei Antworten an den bisherigen Gesprächsverlauf und passt Antworten entsprechend an.

Auf der selbst ersonnenen Vernünftigkeits-und-Genauigkeits-Skala bewertet Google normale menschliche Kommunikation mit 86 Prozent. Der bisher allgemein bestbewertete bereits bekannte Chatbot Mitsuku bringt es demnach auf 56 Prozent, Meena jedoch auf 79 Prozent. Zu künftigen Verwendungsmöglichkeiten hält sich Google bedeckt. Angeführt werden vage die "Vermenschlichung von Interaktionen mit Computern, Verbesserungen beim Üben von Fremdsprachen und das Schaffen von ansprechenden interaktiven Film- und Videospielcharakteren". Spekuliert wird von Brancheninsidern, dass Meena, gepaart mit Googles neuem Sprachausgabemodell "Reformer", auf den Sprachassistenten des Unternehmens zum Einsatz kommen und damit die Vormachtstellung des Konzerns auch auf diesem Feld sichern soll.

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