Google: 25 Mio. Dollar für AdBlock Plus
 

Google: 25 Mio. Dollar für AdBlock Plus

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Insider-Infos: Der deutsche Blogger Sascha Pallenberg will von einem Informanten erfahren haben, wie viel Geld große Internet-Konzerne - neben Google auch Amazon und eBay - an die Betreiberfirma des populären Werbeblockers zahlen, damit ihre Ads nicht ausgeblendet werden

Wie HORIZONT im Sommer 2013 recherchierte, ist der Internet-Konzern Google einer der wichtigsten Geldgeber des Browser-Plugins AdBlock Plus. Die Gratis-Software von der Herstellerfirma Eyeo GmbH aus Köln wurde weltweit rund 200 Millionen Mal installiert und zählt täglich etwa 30 Millionen aktive Nutzer. Mit Hilfe der Software wird als störend eingestufte Werbung auf Webseiten ausgeblendet - allerdings nicht jede Werbung: Es gibt eine Whitelist - das so genannte "Acceptable Ads"-Programm: Steht eine Werbeform auf dieser Liste, wird sie von der Blockade ausgenommen. Googles AdWords oder Yahoos Suchmaschinen-Ads etwa werden als "akzeptable" Werbeformen von AdBlock Plus gelistet.

Auch eBay und Amazon sollen Millionen zahlen


Der deutsche Blogger Sascha Pallenberg, der das IT-News-Portal MobileGeeks.de betreibt und 2013 massive Kritik an der Eyeo GmbH übte (HORIZONT berichtete), will nun spannende neue Informationen zu der Causa bekommen haben. Es ist ein "langjähriger, verlässlicher Kontakt aus dem "direkten Umfeld" von Tim Schumacher, dem wichtigsten Investor der Eyeo GmbH, auf den sich Pallenberg beruft - und diesem zufolge soll Google 25 Millionen US-Dollar an die Eyeo GmbH gezahlt haben, um seine Ads auf die Whitelist setzen zu lassen. Google ist nicht die einzige Firma, die an die Kölner zahlt: Pallenbergs Informant zufolge sollen die beiden Online-Riesen Amazon und eBay zusammen insgesamt 5 Millionen Dollar locker gemacht haben, damit Werbung auf ihren Seiten nicht geblockt wird.

Keine Dementi von Google und Eyeo


Interessant in dem Zusammenhang ist auch eine Schätzung der irischen Web-Firma PageFair, der zufolge Google im Jahr 2012 durch Adblocker 887 Millionen US-Dollar verloren hätte. Sich von der Blockade mit einer Zahlung an die Eyeo GmbH zumindest teilweise freizukaufen, wäre demnach viel Geld wert. "Die [Eyeo GmbH, Anm.] wollen nicht das Web besser machen und Ads blocken, sondern Gatekeeper sein und Kasse machen", sagt Pallenberg im Gespräch mit dem HORIZONT.

Google wollte gegenüber HORIZONT vorerst kein Statement zu den kolportierten Zahlen abgeben. Gegenüber HORIZONT sagt Till Faida, Geschäftsführer der Eyeo GmbH: "Wie wir auf unserer Webseite ausführlich erklären, zahlen einige Teilnehmer unserer Acceptable Ads Initiative eine Gebühr. Über die genaue Höhe dieser Gebühr machen wir keine Angaben. Wir haben seit der Einführung unseres Programms über dessen Inhalte und die finanzielle Unterstützung durch größere Webseiten transparent informiert. Alle Ergänzungen zum  Acceptable Ads Programm kündigen wir in unserem öffentlichen Nutzerforum an."

Nur größere Parteien zahlen


Bei AdBlock Plus müssen übrigens nicht alle Firmen dafür zahlen, damit Werbung auf ihren Webseiten nicht blockiert wird - für etwa 90 Prozent ist das Whitelisting kostenfrei. Dazu heißt es auf der Webseite des Browser-Plugins:

“Whitelisting ist für kleinere Webseiten und Blogs kostenfrei. Jedoch fordert die Betreuung dieser Listen erheblichen Aufwand unsererseits und diese Aufgabe kann nicht vollständig von Freiwilligen übernommen werden, wie es bei den gemeinsamen Filterlisten der Fall ist. Daher werden wir von einigen größeren Parteien bezahlt, die unaufdringliche Werbung unterstützen, welche an der Initiative für Akzeptable Werbung teilnehmen möchten.” (Hervorhebung durch den Autor, Anm.)

Eyeo GmbH auf Expansionskurs


Die Betreiberfirma von AdBlock Plus ist derzeit offenbar in Expansionslaune. Die Kölner suchen neue Mitarbeiter, um das Geschäft auszubauen, und Geschäftsführer Faida soll Pallenberg zufolge deutsche Internet-Firmen zum Gespräch bitten und soll zudem eine Aufnahme der derzeit boomenden Werbeform "Native Advertising" in die "Acceptable Ads" in Aussicht stellen. Die Firma wollte weiters Twitter und Facebook davon überzeugen, bei den Acceptable Ads mitzumachen.

Außerdem ist AdBlock Plus seit kurzem auch für den Apple-Browser Safari verfügbar und damit neben Firefox, Opera, Chrome und Internet Explorer für alle großen Browser verfügbar. Sichtlich schwerer tut sich der Werbeblocker im Mobile-Bereich, wo vor allem Apple starke Kontrolle darüber hat, welche Software auf den Geräten installiert werden darf. Außerdem passiert die Mobile-Nutzung stark in Apps wie jenen von Facebook oder Twitter, wo Werbeblocker keine Chance haben.
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